Nordische Kombination

Schwarzwälder Fabian Rießle Siebter beim Heim-Weltcup in Schonach

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 24. März 2018 um 16:44 Uhr

Nordische Kombination

Der Nordische Kombinierer Akito Watabe aus Japan gewinnt den ersten der beiden Weltcups in Schonach am Ende des Winters. Fabian Rießle von der Skizunft Breitnau springt und läuft auf Rang sieben.

Es bleibt dabei: Ein Schwarzwälder kann den Schwarzwaldpokal nicht gewinnen. Die merkwürdige Serie hält. Schon zum 46. Mal fand der traditionsreiche Wettkampf in Schonach statt, 16 Athleten des Deutschen Ski-Verbands (DSV) gewannen ihn seit dem Jahr 1967 - aber ein Schwarzwälder war nie darunter. Akito Watabe, der schon seit dem vergangenen Wochenende als Weltcup-Gesamtsieger feststeht, siegte am Samstag vor dem Norweger Jarl Magnus Riiber und dem Österreicher Bernhard Gruber. "Ich wollte meine gute Form auch in den letzten Wettkämpfen zeigen", sagte Watabe. "Es ist ein schöner Tag für mich." Insgesamt mehr als 10.000 Fans hatten den als Schwarzwaldpokal annoncierten vorletzten Weltcup-Wettbewerb dieses Winters bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel an der Langenwaldschanze und entlang der Skatingpiste im Skistadion Wittenbachtal verfolgt. An diesem Sonntag endet die Nordische Saison in Schonach. Der Weltcup beginnt um 10 Uhr mit zwei Sprüngen. Das Skilanglaufrennen über 15 Kilometer wird um 13 Uhr gestartet (ZDF und Eurosport).

Schweres Geläuf, Skistock bricht weg

Fabian Rießle hatte im Sprunglauf am Samstag zunächst eines der besten Ergebnisse seiner Karriere auf der von ihm wenig geliebten Langenwaldschanze erzielt. Er kam gut weg vom Schanzentisch, günstiger Wind trug ihn anschließend auf 95,5 Meter. Der Team-Olympiasieger aus St. Märgen war damit zur Halbzeit zwar nur Vierzehnter unter den 50 Startern aus 15 Nationen, aber immerhin noch der beste von zehn Kombinierern des DSV. "Es war mein bester Sprung in diesem Jahr auf dieser Schanze, er war auch angesichts der wechselhaften Windbedingungen einiges wert", sagte Rießle. 1:15 Minuten trennten ihn umgerechnet von Sprunglaufsieger Riiber aus Norwegen, der mit 103,5 Metern die größte Weite erzielt hatte. Im Skatingrennen begann Rießle dann zunächst eine starke Aufholjagd, doch der nasse und tiefe Schnee bei zehn Grad plus ließ ihn immer wieder einsinken. Kurz vor der Halbzeit des Zehn-Kilometer-Rennens brach ihm dann auch noch der Teller eines Skistocks weg, im Stadion musste er sich einen neuen reichen lassen. "Das Rennen hat heute wirklich Körner gekostet", erklärte Rießle. "Der Schnee war sehr schwer."

Als Siebter war Rießle immerhin noch bester Deutscher. Eric Frenzel aus Oberwiesenthal hingegen wurde am Samstag nur 18. Der Dreifach-Olympiasieger ist sichtlich am Ende seiner Kräfte nach der anstrengenden Saison. Er hatte schon seinen Sprung völlig vermasselt. 89 Meter brachten ihn auf Rang 33 im Starterfeld des Skatingrennens. Mit 1:48 Minuten Rückstand auf Riiber ging er ins Rennen, 1:24 Minuten trennten ihn am Ende von Sieger Watabe. Die Veranstalter vom SC Schonach atmeten dagegen leise auf. Hätte Frenzel den Pokal zum dritten Mal in Serie nach 2016 und 2017 gewonnen, dann hätte er ihn als erster Kombinierer überhaupt mit nachhause nehmen dürfen. So aber bleibt er in Schonach - und die Organisatoren müssen keinen Künstler suchen, der ihnen nach 51 Jahren einen neuen gestaltet. "Eric hat all seine Energie für die Olympischen Spiele aufgewandt", erklärte Bundestrainer Hermann Weinbuch. "Er ist seit einem Jahrzehnt auf höchstem Niveau unterwegs. Das wird natürlich nicht leichter, je älter er wird." Auch Rekordweltmeister und Doppel-Olympiasieger Johannes Rydzek aus Oberstdorf ist am Ende der Saison merklich ausgepowert. Der Sportler des Jahres 2017 in Deutschland wurde am Samstag nur 22. mit 1:41 Minuten Rückstand auf Watabe.

Lob an die 400 Helferinnen und Helfer in Schonach

Lasse Ottesen, Renndirektor des Internationalen Ski-Verbands (FIS) für die Nordische Kombination, hatte schon am Freitagabend beim traditionellen Weltcup-Empfang die Wettkampfbedingungen im Schwarzwald gelobt: "Es sieht wirklich gut aus auf der Schanze und im Skistadion", sagte der Norweger. "Ich bin seit dem Jahr 2011 verantwortlich. In einem so gut präparierten Zustand habe ich die Wettkampfstätten in Schonach noch nicht gesehen." Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds und seit jeher gern Gast in Schonach, würdigte das Engagement der 400 Helferinnen und Helfer. "Auf Schonach ist immer Verlass", sagte er der Badischen Zeitung. Das überschaubare sportliche Ergebnis aus deutscher Sicht am ersten Wettkampftag war für Hörmann zweitrangig. "Nach all dem, was die Nordischen bei Olympia geholt haben, ist das hier völlig ok." Die DSV-Kombinierer hatten bei den Winterspielen in Pyeongchang drei von drei möglichen Goldmedaillen gewonnen und dazu noch Silber und Bronze im Wettkampf von der Großschanze.

Fabian Rießle wurde in Schonach dann noch einmal gebeten, ein wenig genauer zu erklären, warum er sich mit der Langenwaldschanze nicht so recht anfreunden kann und dort schon einige der schlechtesten Ergebnisse seiner Karriere erzielte. "Es ist für mich hier zuhause in der Heimat schon deshalb schwierig, weil so viele Menschen, die ich kenne, hier zuschauen. Da will ich vielleicht gleich noch eine Schippe drauflegen, statt einfach einen normalen Sprung zu machen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich hier oft schwer getan habe." Der Freiburger Manuel Faißt hingegen sagte, er habe keine Probleme mit der Langenwaldschanze. "Das ist immer auch eine persönliche Sache. Da hat jeder seine eigenen Ansichten." Faißt charakterisierte die Absprungzone so: "Die Schanze hat nicht wirklich einen Radius. Man kommt ohne Wahnsinns-Vordruck zum Tisch und muss selber schauen, wann man den Absprung einleitet." Der Springer bekomme - anders formuliert - im entscheidenden Augenblick kein Zeichen von der Schanze. "Das ist der Trick hier: Den Tisch gut zu treffen und Druck an die Kante zu bringen."
"Ich will auf jeden Fall weitermachen" Manuel Faißt
Faißt erreichte in Schonach am Samstag Platz 20. Er gehört zwar schon seit Jahren zu den fünf, sechs besten Kombinierern in Deutschland. Er springt und läuft zuverlässig unter die besten 20 der Welt. Doch die außergewöhnlich hohe Qualität des Nordischen DSV-Kaders ist der persönlichen Karriere des 25-Jährigen vom SV Baiersbronn nicht unbedingt förderlich gewesen. In diesem Winter bekam er keinen Startplatz bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea. Das musste er erst einmal wegstecken. Der Freiburger gibt aber nicht auf. Er nimmt den nächsten olympischen Zyklus in Angriff, der ihn im Jahr 2022 vielleicht zu den Winterspielen nach Peking bringen könnte. "Ich will auf jeden Fall weitermachen", sagte Faißt der BZ in Schonach.