Per Flieger zum Mittagsschläfchen

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Fr, 02. Dezember 2016

Nordische Kombination

Kombinierer Fabian Rießle entflieht der nordischen Nacht für sonnige Stunden in St. Märgen.

SKI NORDISCH (jb). Fabian Rießle (25), Nordischer Kombinierer und amtierender Team-Weltmeister, ist eine bekennende Schlafmütze. Ein neudeutsch "Powernap" genanntes Mittagsschläfchen ist für den St. Märgener, der für die SZ Breitnau startet, unabdingbar, damit der Tag gelingt. Ausgeschlafen wie kaum ein anderer steht er dann, nach dem im Regelfall morgens absolvierten Weltcup-Sprung von der Schanze, kurz nach dem Nickerchen hochkonzentriert auf dem Skatingski.

Zum Weltcup-Auftakt im finnischen Kuusamo gelang dem im vergangenen Dezember zum Team-Sportler des Jahres gekürten Hochschwarzwälder mit den Rängen acht und fünf ein solider Auftakt, während sich Doppelweltmeister Johannes Rydzek mit zwei Starterfolgen souverän das Gelbe Trikot des Weltcup-Spitzenreiters sicherte.

"Fabian ist auf einem guten Weg", freut sich Rießles Bruder Philipp, engster Vertrauter und Langlauf-Heimtrainer des erfolgreichsten Schwarzwälder Weltcup-Athleten. Im vergangen Jahr hatte sich Fabian Rießle, der bei Olympia in Sotschi Einzel-Bronze und Team-Silber gewonnen hatte, mit drei Weltcup-Einzelsiegen eindrucksvoll in der Weltspitze behauptet. In Kuusamo meisterte er, obwohl er diese von ständigen Windböen heimgesuchte, nackt in der Tundra stehende Schanze hasst, den störrischen Bakken mit Zähigkeit.

"Bei den Sprüngen muss er noch zu sich finden", so Bruder Philipp, "da muss er das ernten, was er sich im Sommer erarbeitet hat". Das könnte am Wochenende bei drei Weltcup-Wettkämpfen in Lillehammer gelingen. Die Olympiastadt von 1994 ist für Fabian Rießle ein Sehnsuchtsort, an dem er sich (fast) wie zu Hause fühlt. Im vergangenen Jahr stürmte er dort mit dem ersten Weltcup-Einzelsieg seiner Karriere ins Gelbe Trikot und trug es zwei Monate lang auf seinen Schultern.

Rießles Stärke ist der Langlauf. Biss wie ein Terrier hat er auf den extrem harten Skatingpisten. "Doch zehn Kilometer können lang sein, sehr lang", weiß Philipp Rießle. Noch sei sein Bruder auf den schmalen Latten nicht in jener explosiven Form, die ihn im vergangenen Winter ausgezeichnet hatte. Zwar habe Fabian Rießle in der Vorbereitung auf die Weltcup-Saison viele kurze Distanzen im Grenzbereich absolviert, "aber die zehn Kilometer sind ein Hammer, den man verkraften muss".

Dass der kleine Bruder, früher "Little Rio" genannt und längst "Rio Grande", das schafft, daran hat Philipp Rießle keinen Zweifel. "Der Fabian baut seine Form in den Wettkämpfen auf, darin ist er ein Meister." Unabdingbar ist dafür ein gelungenes Mittagsschläfchen. Am liebsten daheim. Und so flog Fabian Rießle am Montagmorgen nach Hause, um der langen finnischen Nord-Nacht für sonnige Stunden im Hochschwarzwald zu entrinnen – und hob am Mittwoch per Flieger (ohne Lufthansa) wieder ab Richtung Norwegen.