Richard Freitag wahrt Chance auf den Gesamtsieg

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Di, 02. Januar 2018

Skispringen

Am Neujahrstag wird er erneut Zweiter – hinter Kamil Stoch.

GARMISCH-PARTENKIRCHEN. Richard Freitag kann die 66. Vierschanzentournee nach wie vor für sich entscheiden. Beim Sieg des Polen Kamil Stoch landete der deutsche Kandidat auf den Gesamtsieg an Neujahr in Garmisch-Partenkirchen wie schon in Oberstdorf auf Platz zwei. Dritter wurde der Norweger Anders Fannemel. Auch der Schwarzwälder Stephan Leyhe aus Breitnau glänzte mit Platz zehn am ersten Tag des Jahres 2018.

132 Meter hatten dem deutschen Tournee-Favoriten Freitag im ersten Wertungsdurchgang zunächst nur Platz sechs eingebracht. Unter den 21 000 Zuschauern im ehrwürdigen Olympiastadion des Jahres 1936 machte sich schon leise Enttäuschung breit. Im Finale legte der 26-Jährige trotz des einsetzenden Rückenwinds allerdings noch fünf Meter drauf und ging zunächst in Führung. Es war Freitags Glück, dass sowohl Anders Fannemel (Norwegen/Dritter) und Karl Geiger (Oberstdorf/Siebter) als auch Junshiro Kobayashi (Japan/Vierter) nicht an die Weite des Wahl-Oberstdorfers heranreichten.

Dann frischte der Wind dermaßen auf, dass die Jury eine längere Wettkampfpause anordnete. Der Slowene Tilen Bartol und Polens Vorjahressieger Kamil Stoch mussten lange warten, und langsam setzte schon die Dämmerung ein, bis sie endlich doch noch vom Bakken gehen durften. Flüge auf 136 und 133,5 Meter trugen Bartol auf Platz fünf. Der von Stefan Horngacher aus Titisee-Neustadt gecoachte Stoch glänzte nach seinem Auftaktsieg in Oberstdorf auch in Garmisch-Partenkirchen mit 135,5 und 139,5 Metern. Er bleibt neben Freitag der heißeste Kandidat auf den Gesamtsieg. 11,8 Punkte liegt Stoch nun vorn: Das ist nicht wenig, aber auch nicht viel.

Wer ist besser in Form, Freitag oder Stoch?

"Er hat’s gut gemacht", sagte der deutsche Bundestrainer Werner Schuster über Richard Freitag und zollte auch dem Tagessieger aus Polen Anerkennung: "Kamil ist sehr gut in Form." In der Gesamtwertung sei aber noch alles drin: "Ich glaube nicht, dass Kamil besser in Form ist als Richard."

Man kann die Tournee an Neujahr noch nicht gewinnen, aber man kann sie schon verlieren. Dieser alte Grundsatz bewahrheitete sich am Montag in fataler Weise für das Team des Österreichischen Ski-Verbands (ÖSV). Vor den beiden Bewerben in Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) stellt der ÖSV keinen einzigen Kandidaten für den Gesamtsieg mehr. Das schlechteste Abschneiden seit Jahrzehnten ließ vielen österreichischen Fans an der Olympiaschanze von Partenkirchen die Gesichtszüge erfrieren. Stefan Kraft, der Vierte von Oberstdorf und die letzte und einzige Tournee-Hoffnung aus Sicht des Nachbarlands, unterlag im ersten Wertungsdurchgang mit 122,5 Metern seinem direkten Konkurrenten Ziga Jelar aus Slowenien (125,5 Meter). Er verpasste als 31. ganz knapp das Finale der besten 30 Starter, und das bedeutete im Klartext: Krafts Tournee-Traum ist ausgeträumt. "Das ist sehr, sehr bitter", konstatierte der 24 Jahre alte Österreicher: "Die Enttäuschung ist riesig." Er sei "einfach nicht reingekommen" in seinen Sprung, fügte Kraft an – doch das stand stellvertretend für die gesamte österreichische Equipe bei der 66. Vierschanzentournee.

Auch Andreas Wellinger vom SC Ruhpolding, das zweite deutsche Schanzen-Ass neben Richard Freitag, muss seine Ambitionen auf einen Podestplatz in der Gesamtwertung wahrscheinlich begraben. Flüge auf 125,5 und 138 Meter trugen dem jungen Bayern an Neujahr zwar immerhin den elften Platz sein. Unterm Strich liegt er damit aber als Gesamt-Siebter schon 47,9 Punkte hinter dem Tournee-Spitzenreiter Kamil Stoch zurück.

Zwei der drei Schwarzwälder können zufrieden sein

In die Top Ten der Tourneewertung kann der 22-Jährige es freilich ebenso noch schaffen wie Markus Eisenbichler vom TSV Siegsdorf (128,5 und 136,5 Meter) und Karl Geiger aus Oberstdorf (136 und 133,5 Meter). Die Beiden überzeugten mit den Plätzen 14 und sieben an der Olympiaschanze. "Ich bleibe dran und versuche, in Innsbruck wieder anzugreifen", sagte der Gesamt-Achte Eisenbichler.

Zwei der drei Schwarzwälder konnten ebenfalls sehr zufrieden sein mit ihrem Abschneiden an Neujahr: Der Breitnauer Stephan Leyhe erzielte mit Weiten von 130,5 und 137,5 Metern sowie Platz zehn eines seiner besten Karriere-Ergebnisse. David Siegel vom SV Baiersbronn ließ sich auf 126,5 und 123,5 Meter tragen. Platz 28 bedeutete das unterm Strich. Siegel muss sich trotzdem von der Tournee verabschieden (siehe Artikel unten). Auch Andreas Wank, der Team-Olympiasieger der Spiele 2014 aus Titisee, sagte am Montag Adieu. 125 Meter und Platz 32 waren kein schlechtes Ergebnis für den 29-Jährigen vom SC Hinterzarten. Aber sie waren eben auch nicht gut genug, um noch den Sprung ins Finale – und damit auch nach Innsbruck und Bischofshofen – zu schaffen.