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30. Januar 2012

Höfl-Riesch vermasselt ihrer Freundin den Dreifach-Erfolg

Deutsche Skirennfahrerin gewinnt in St. Moritz den ersten Weltcup in diesem Winter / Die US-Amerikanerin holt zwei Rennen.

  1. Maria Höfl-Riesch Foto: dpa

ST. MORITZ (sid). Als Lindsey Vonn drauf und dran war, ihre Bestzeit zu knacken, konnte Maria Höfl-Riesch nicht mehr hinsehen. Sie wandte den Blick ab von der Video-Tafel hin zum Berg, wo Vonn beim Slalom der Super-Kombination von St. Moritz durch die Stangen fuhr. Höfl-Riesch bangte und flehte – und der Skigott erhörte sie: Vonn blieb 0,03 Sekunden hinter ihr, verpasste den 50. Weltcup-Sieg – und schenkte ihrer Freundin den ersten Erfolg in diesem für die Partenkirchnerin so wechselvollen Winter. "Ich bin so erleichtert, so froh. Eine Weltcup-Saison ohne Sieg wäre echt bitter gewesen", sagte Höfl-Riesch nach ihrem 21. Weltcup-Triumph. Weil sie Rang 21 in der ersten Super-Kombi am Freitag tags darauf Platz zwei in der Abfahrt hinter der überlegenen Vonn folgen ließ, sprach sie von einem "super Wochenende" im Schweizer Nobelskiort. Dort wurde für Höfl-Riesch zum ersten Mal seit elf Monaten wieder die deutsche Nationalhymne gespielt. Als das Deutschlandlied verklungen war, reckte sie stolz die Handtasche eines Nobeldesigners empor. Die Tasche, war auch das Objekt von Vonns Begierde gewesen. Zwei hatte sie schon gewonnen in diesen Tagen, die dritte war für Schwester Karen fest eingeplant.

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Im Ziel packte Vonn Höfl-Riesch am Kinnschutz des Helmes und rüttelte deren Kopf ordentlich durch. "Sie war ein bisschen sauer", berichtete Höfl-Riesch von der Szene. "Aber sie hat ja in dieser Saison schon genug auf der Habenseite." Acht Siege nämlich – und die souveräne Gesamtführung. 554 Punkte liegt sie dort vor Titelverteidigerin Höfl-Riesch, die Dritte ist. Sie wolle nun die Ohne-Lindsey-Wertung gewinnen, sagte die dazu trocken. Noch am Vorabend, nach der Abfahrt und einem laut Alpindirektor Wolfgang Maier erschreckenden Rückstand von 1,42 Sekunden, hatte Höfl-Riesch laut über den möglichen Triumph über Vonn nachgedacht. "Irgendwann kommt der Tag, da werde ich sie knacken", sagte sie. Und der Tag kam, keine 24 Stunden später.

Als es geschafft war, warf Höfl-Riesch erleichtert den Kopf in den Nacken. Später hüpfte sie durch den Zielraum, umarmte Trainer, Betreuer und ihren Ehemann. "Ich habe nie daran gezweifelt, dass sie schnell ist, sie hat sich den Sieg verdient", sagte Vonn, als ihre erste Enttäuschung verraucht war. Das Triple in St. Moritz hatte sie im Super-G verspielt, als sie nach einigen Fehlern nur 0,23 Sekunden vor Höfl-Riesch lag. Diese sagte später, sie habe beim Super-G teilweise fast Panik gehabt: "Es ging so schnell, patschpatschpatsch, ich war nur am Kämpfen." Aber das sei im Super-G meist ein gutes Zeichen – so auch diesmal. Im Slalom bewies Höfl-Riesch dann Nervenstärke. Den angedachten Materialwechsel verwarf sie, weil die Ausrichter am Vorabend entschieden hatten, den Torlauf auf der weicheren Engiadina zu fahren und nicht wie am Freitag nebenan auf eisigerer Strecke, wo Höfl-Riesch Probleme hatte. Und diese Entscheidung zahlte sich aus. In der Abfahrt aber, das musste sie anerkennen, ist gegen Vonn unabhängig von Piste und Material kein Kraut gewachsen. "Sie ist in einer Wahnsinnsform, fährt in einer eigenen Liga, die brutalste, gnadenloseste Linie, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Sie ist eine Ausnahmeerscheinung wie es Ingemar Stenmark oder Vreni Schneider waren", sagte Höfl-Riesch bewundernd.

In Garmisch-Partenkirchen unterstrich am Wochenende derweil der Schweizer Didier Cuche ebenfalls seine derzeitige Ausnahmestellung in der Königsdisziplin. Nachdem er vor einer Woche zum fünften Mal die Abfahrt auf der legendären Streif gewonnen hatte, siegte der 37-Jährige auch auf der Kandahar. Wie in Kitzbühel wurde das Rennen auf stark verkürzter Strecke ausgetragen, der Grund dafür war Nebel. Der Super-G am Sonntag musste aus gleichem Grund gar abgesagt werden. Cuche siegte mit 0,27 Sekunden Vorsprung auf Erik Guay aus Kanada, der vor gut einem Jahr an gleicher Stelle die WM-Abfahrt gewonnen hatte. Stephan Keppler scheiterte spektakulär beim recht ehrgeizigen Vorhaben, "auf’s Stockerl, zumindest aber unter die ersten Zehn zu fahren." Er stürzte, weil er zu viel riskiert hatte.

Autor: sid