Einsatz für die Schneekinder

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Fr, 27. April 2018

Skilanglauf

Günter Huhn und Manfred Burghardt bewegen den Langlauf-Nachwuchs des SV Kirchzarten.

SKI NORDISCH. Der Winter ist passé. Für Wintersportler kein Grund, sich auf die faule Haut zu legen. Längst sind sie das ganze Jahr über aktiv, um fit in die Wettkampfsaison starten zu können. Das verlangt auch ihren Trainern vollen Einsatz ab. Zwei von ihnen bieten exemplarisch Einblick in ihre vielfältigen Aufgaben und ihre Motivation: Günter Huhn und Manfred Burghardt begeistern seit Jahrzehnten Kinder für Skilanglauf. Ihr Verein SV Kirchzarten hat sich mit sportlichen Erfolgen und der Organisation von Großveranstaltungen einen guten Namen erworben.

Mehr als 3000 Mitglieder zählt der Sportverein Kirchzarten, rund 400 davon gehören der Abteilung Ski/Rad an. Schwer zu glauben, dass der rührige Verein im Dreisamtal, dem die "Zipfel-Brüder" in ihrer Hochzeit mit vielen deutschen Meistertiteln zu Popularität verhalfen, später einmal "null Langläufer" hatte. 1994 war das, sagt Günter Huhn. Damals übernahm er das Amt des nordischen Sportwarts im Verein. Aus einem Kinderskikurs habe sich eine neue Gruppe entwickelt, die kontinuierlich wuchs. Aktuell starten für den SVK 55 Langläufer und -läuferinnen bei Wettkämpfen von regionaler bis nationaler Ebene. Betreut werden sie in sechs Gruppen von zwölf Trainern, die allesamt eine Lizenz haben, etwa Huhn auch für Leistungssport.

Die Jüngsten sind sechs Jahre alt. Die Gruppe der Sechs- bis Neunjährigen sei "sehr heterogen", erzählt Huhn, um sie kümmern sich deshalb immer mindestens zwei Trainer. Für die Sechsjährigen gilt, "beim Joggen muss ein Elternteil mitlaufen". "Wir haben tolle Eltern", lobt Burghardt und Huhn erklärt, dass diese zu Helfereinsätzen verpflichtet sind. Von den Zehnjährigen an werden die Trainingsgruppen nach Leistungsstärke eingeteilt. 14-Jährige und Ältere kommen einschließlich Krafttraining auf vier Trainingstage pro Woche. Erwünscht ist, dass alle Kinder sich an Wettkämpfen beteiligen. Wer das partout nicht möchte, kann ins offene Vereinstraining gehen.

Vorrangiges Ziel ist es, "Kindern Spaß am Langlauf zu vermitteln", betont Manfred Burghardt. Für diese Aufgabe ist er als Pädagoge prädestiniert. Beruflich bildete der 65-Jährige bis vor Kurzem am Staatlichen Seminar in Freiburg Sonderschullehrer aus. Vor seinem Wechsel in den Schwarzwald war Burghardt im Schwäbischen Skiverband (SSV) Landesausbilder für Langlauf. Im SV Kirchzarten ist er seit 1997 als Trainer tätig und inzwischen auch stellvertretender Abteilungsleiter Ski/Rad.

Zweites Ziel im Verein sei es, den Nachwuchs an Wettkampfformen heranzuführen. Dazu gehöre auch, mit den Kindern "offen übers Verlieren zu reden". An die Spitze könnten es ohnehin nur ganz wenige schaffen. Freude an ihrem Sport und der Gemeinschaft sollen alle entwickeln. Wichtig sei eine breite sportliche Ausbildung, beim SVK etwa auch freiwilliges Grundlagentraining auf dem Mountainbike. Eine Spezialisierung sollte nicht zu früh erfolgen, "nicht vor der U 15", sagt Burghardt.

Die Kinder würden eine "hohe Motivation" zeigen. Die "kritische Zone" sieht er bei 16, 17 Jahren. Wer es dann nicht in höhere Kader schafft, soll dem Langlauf und dem Verein dennoch nicht verloren gehen. Der SVK schickt diese Jugendlichen gern in Übungsleiter-Lehrgänge. "Das klappt gut", sagt Günter Huhn. Das neue Angebot des Deutschen Skiverbands (DSV), in Oberhof binnen zehn Tagen die Trainerlizenz für Breitensport zu erwerben, hätten fünf junge Leute aus dem Skiverband Schwarzwald (SVS) erfolgreich genutzt, zwei von ihnen vom SV Kirchzarten.

Um noch mehr Wettkämpfer zu finden und auch die Schüler "länger bei der Stange zu halten", wie Burghardt sagt, hat der Skiverband Schwarzwald vier Stützpunkte gebildet, die mit dem diesjährigen Sommertraining ihre Arbeit aufnehmen und ein einheitliches Training gewährleisten sollen: Notschrei, Thurner, Schönwald/ Martinskapelle und Kniebis. Den Stützpunkt Notschrei wird "Neu-Rentner" Manfred Burghardt leiten, für den Thurner wurde noch kein Leiter gefunden. Geplant ist ein wöchentliches Training in Gruppen von der Altersklasse Schüler 11 an. Hauptamtliche Trainer sollen ganzjährig die Stützpunkte besuchen.

Die Skibezirke bleiben der Unterbau, versichert Huhn, der frühere SVS-Schülerreferent und seit 2017 Sportwart Langlauf des SVS wie auch der Skiverbände Baden-Württemberg (SBW). Seine Tätigkeiten in Verein und Skiverband fordern den 59-jährigen Kirchzartener stark. Sein Kollege Burghardt bescheinigt dem Vorruheständler sogar einen "Fulltime-Job" und zählt auf: zwei- bis dreimal pro Woche Training, an den Winterwochenenden Wettkämpfe von der Bezirksmeisterschaft bis zum Deutschen Schülercup und Deutschlandpokal und mindestens ein Tag Organisation am Schreibtisch von Info der Athleten über Rennmeldung, Quartiersuche bis zur Auswertung. Plus Organisation und Ausrichtung diverser Wettkämpfe, einschließlich Behindertensport, im Nordic-Center – "unser Juwel" – und alljährliche Mithilfe beim Ultra-Bike-Marathon. Bei all diesen Veranstaltungen kann Huhn auf einen Stamm von 15 Helfern zählen, die als "Ehemalige" wissen, wo sie anpacken müssen.

Was ist der Antrieb für ein solch starkes Engagement über Jahrzehnte? "Man ist einfach noch am Geschehen dran und es macht Spaß, in der Gruppe zu arbeiten", sagt Huhn. "Für diesen tollen Sport zu begeistern", sagt Burghardt. "Das trägt auch, wenn man sieht, wie gern die draußen sind." Huhns Ehefrau Karin habe für diese Jungen und Mädchen mal den Begriff "Schneekinder" geprägt. Für sie und mit ihnen soll’s weitergehen.