"Eine sehr gute Standortbestimmung"

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Fr, 27. Juli 2018

Skispringen

Die weltbesten Skispringerinnen und Skispringer starten an diesem Freitag und Samstag beim Matten-Grandprix in Hinterzarten.

HINTERZARTEN. Die gute Nachricht: Skiunterwäsche werden die weltbesten Springerinnen und Springer ganz sicher nicht brauchen, wenn sie an diesem Freitag und Samstag beim Sommer-Grandprix in Hinterzarten durch den sehr heißen Luftraum segeln. Die schlechte Nachricht: Sprunganzüge für die warme Jahreszeit gibt’s leider nicht. Die Weitenjäger aus insgesamt 15 Nationen werden auch jetzt beim Grandprix im Super-Sommer 2018 wieder in ihre Winter-Suits schlüpfen müssen.

Kein Wunder, dass viele Athleten, kaum gelandet, gleich den Reißverschluss öffnen und ihre Oberkörper freilegen. Heiß wird’s auf jeden Fall noch an diesem Freitag werden, wenn um 18 Uhr die Frauen und um 19 Uhr die Männer die Qualifikation zum zweiten Sommerspringen dieser Saison absolvieren. Am Samstag könnten Gewitter dann für Abkühlung sorgen – aber hoffentlich nicht gerade dann, wenn um 13.15 Uhr erst die Frauen aus zwölf Ländern und dann um 17.15 Uhr die Männer aus 15 Ländern loslegen auf der HS 108, der Adlerschanze. ARD und Eurosport übertragen Qualifikation und Wettkämpfe live – was belegt, dass der sportliche Stellenwert der Grandprix-Serie langsam, aber sicher wächst.

Skispringen mitten im Sommer? Landen, wenn’s gar keinen Schnee gibt? Das geht in Hinterzarten schon seit dem Jahr 1982. Damals fand dort das weltweit erste internationale Sommerskispringen statt. Die Luftfahrer gleiten mit ihren Sprungskiern auf dem Wasserfilm einer Keramikspur zu Tal. Dann katapultieren sie sich vom Schanzentisch. Nach drei bis vier Flugsekunden im erdnahen Raum landen sie ihre Skier auf grünen Plastikmatten – genauer gesagt unendlich vielen Plastikstreifen in Laufrichtung der Skier. Wasserlanzen besprenkeln diese Matten während der Wettkämpfe alle paar Minuten, damit es richtig schön flutscht.

Mehrere tausend Zuschauerinnen und Zuschauer werden im Auslauf beobachten können, wie Frauen und Männer gemeinsame Wettkämpfe absolvieren – so, wie es bei den Winter-Weltcups 2018/2019 dann die Regel sein soll. "Das komplette Team freut sich, den Grandprix in Hinterzarten zusammen mit den Männern bestreiten zu können", sagt Andreas Bauer, der Chefcoach der Skispringerinnen (siehe auch BZ-Interview vom vergangenen Samstag). "Wir freuen uns sehr auf das traditionelle Sommerspringen im Schwarzwald", erklärt Werner Schuster, der Bundestrainer der Männer. Gleich zehn Skispringerinnen hat Bauer für den Grandprix des Internationalen Ski-Verbands (FIS) nominiert: zusätzlich zu seinem Spitzenteam mit Katharina Althaus, der Olympiazweiten 2018 in Südkorea, auch eine fünfköpfige nationale Gruppe. Die einzige Schwarzwälderin, Ramona Straub vom SC Langenordnach, ist froh, dass sie nach ihren gesundheitlichen Problemen im Frühjahr überhaupt wieder antreten kann auf ihrer Heim- und Trainingsschanze. Sie absolviert erst seit drei Wochen wieder Sprünge.

Männer-Coach Schuster entsendet sieben Athleten, darunter gleich drei Schwarzwälder: David Siegel vom SV Baiersbronn, Stephan Leyhe aus Breitnau und Andreas Wank vom SC Hinterzarten. Siegel, der erst vor zwei Wochen die deutsche Meisterschaft in Hinterzarten gewann, ist nun endlich verletzungs- und schmerzfrei – und im Winter ein heißer Kandidat für Schusters Weltcupteam. Er besetzt an diesem Wochenende den Platz von Olympiasieger Andreas Wellinger. Der 22-jährige Münchner tourt gegenwärtig mit Fußball-Rekordmeister FC Bayern München durch die USA. Andreas Wank rückte ins Team, weil Markus Eisenbichler noch Prüfungen bei der Bundespolizei abzuleisten hat. "Hinterzarten hat zu Recht und seit vielen Jahrzehnten einen festen Platz im Wettkampfkalender", sagt Bundestrainer Schuster. Die kleine Gemeinde im Hochschwarzwald habe sich "als Austragungsort hochkarätiger Skispringen international einen hervorragenden Ruf erarbeitet". Frauen-Coach Bauer sieht in dem internationalen Vergleich aus dem vollen Training heraus "eine sehr gute Standortbestimmung". Die Wettkämpfe, so Bauer, "werden uns zeigen, wo wir in der Vorbereitung in den WM-Winter stehen und wo wir eventuell noch etwas nachjustieren müssen."

Schon sehr gut steht das von Stefan Horngacher aus Titisee-Neustadt trainierte Männer-Team aus Polen da. Beim Grandprix-Auftakt am vergangenen Wochenende im polnischen Wisla gewann es mit Kamil Stoch sowohl das Einzel- als auch das Teamspringen.

Der Zeitplan für den FIS-Grandprix in Hinterzarten am Freitag: 18 Uhr Qualifikation Frauen, 19 Uhr Qualifikation Männer. Samstag: 13.15 Uhr Einzelwettkampf Frauen, 17.15 Uhr Einzelwettkampf Männer.