"Ich bin ein bisschen überrascht"

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Mo, 30. Juli 2018

Skispringen

Die Schwarzwälder Skispringerin Ramona Straub überzeugt beim Grandprix in Hinterzarten auf Rang drei, Karl Geiger wird Zweiter.

HINTERZARTEN. Wie die Zukunft des Skispringens aussehen wird, konnten mehrere tausend Fans am Wochenende schon einmal in Hinterzarten beobachten: Frauen und Männer sprangen beim Matten-Grandprix am gleichen Tag von der gleichen Schanze. So wird es nun auch im Winter laufen. Die Schwarzwälderin Ramona Straub überraschte an der Adlerschanze mit Rang drei – ihrem ersten Sprung überhaupt auf ein internationales Podest. Der Oberstdorfer Karl Geiger wurde Zweiter im Sommerspringen der Männer.

Straub, die einzige Starterin aus dem Schwarzwald auf der ersten Station des Sommer-Grandprix bei den Frauen, präsentierte sich erstaunlich stark auf ihrer Heimatschanze. Die Olympia-Achte der Spiele von Südkorea 2018 sprang schon im Training mit 103 Metern auf bewässerten Kunststoffmatten die Bestweite. Im Wettkampf brachten sie 93 und 95,5 Meter am Ende auf Platz drei. Im Frühjahr hatte Straub wegen gesundheitlicher Probleme lange Zeit gar nicht mehr trainieren können, erst seit drei Wochen darf sie nun wieder Sprünge wagen. Gerade einmal 20 hat sie seither absolviert. "Ich bin schon ein bisschen überrascht", sagte die 24-Jährige vom SC Langenordnach der Badischen Zeitung. Langenordnach liegt in der Nähe von Titisee-Neustadt.

Zum ersten Mal überhaupt stand sie bei einem internationalen Wettkampf auf dem Podest – und das daheim im Schwarzwald. "Das meiste Publikum kommt von Zuhause. Etwas Besseres kann einem eigentlich gar nicht passieren." Am Anfang habe sie nicht realisiert, was geschehen war, berichtete Straub. "Es war wegen des Windes nicht leicht, die Leistung richtig einzuschätzen." Windböen hatten für gelegentliche Unterbrechungen gesorgt, auch Straub musste vor ihrem ersten Sprung erst noch einmal vom Happle-Balken geholt werden. Insgesamt sei der Wettkampf der weltbesten Springerinnen aus zwölf Nationen aber fair verlaufen, so die 24-Jährige. Sie habe zuletzt vor allem Fortschritte bei der Anfahrt gemacht. In den nächsten Wochen will sie nun weiter "trainieren ohne Ende". Besondere Ziele für den Sommer oder den Weltcup-Winter habe sie sich im Augenblick nicht gesetzt.

Die japanische Seriensiegerin Sara Takanashi feierte im Hochschwarzwald ihren nächsten Erfolg – an einem Ort, den sie nach eigenem Bekunden besonders gern mag. "Ich liebe das Publikum hier", sagte Takanashi. "Es ermutigt mich. Ich habe einen richtig guten Bezug zu der Schanze." Die Zweitplatzierte Yuki Ito wurde fast poetisch bei dem Versuch, den Grund für ihr starkes Abschneiden zu erklären: "Ich bekam heute einen besonders guten Wind", berichtete sie. "Er war ein Geschenk. Deshalb bin ich so gut geflogen." Mit 105,5 Metern hatte sie in Durchgang eins den 2013 von Takanashi ersprungenen Schanzenrekord eingestellt, es war die größte Weite des Tages bei den Frauen. Katharina Althaus aus Oberstdorf und Juliane Seyfarth aus Ruhla komplettierten das gute Abschneiden der deutschen Frauen mit den Plätzen vier und acht. Bundestrainer Andreas Bauer konnte mit dem Grandprix-Auftakt seines Teams im Sommer 2018 zufrieden sein.

Die Männer bestritten ihren Matten-Wettkampf am Samstagabend vor offiziell genannten 5000 Zuschauern. Der polnische Seriensieger Kamil Stoch bot ihnen ein Spektakel, wie man es selten sieht im Hochschwarzwald. 110 Meter im ersten Durchgang ließen die vielen polnischen Fans geradezu in Ekstase geraten. Mit 106,5 Metern im Finale sicherte er sich nach seinem Auftakterfolg vor einer Woche daheim in Wisla nun auch in Hinterzarten Platz eins. Der Oberstdorfer Karl Geiger erfreute die Herzen der deutschen Zuschauer mit Rang zwei (104 und 99 Meter). "Meine Form von Wisla habe ich weiter entwickelt und konnte die Sprünge bestätigen", sagte er. Der 23-jährige Schweizer Killian Peier machte mit 104 und 100,5 Metern erstmals in seiner Karriere international auf sich aufmerksam.

"Ich bekam heute einen

besonders guten Wind.

Er war ein Geschenk."

Yuki Ito aus Japan über Rang zwei
Andreas Wank aus Titisee, der nun schon 30 Jahre Team-Olympiasieger der Spiele 2014 in Sotschi, landete als Neunter noch unter den besten Zehn, worüber er sich über die Maßen freute. David Siegel vom SV Baiersbronn wurde auf seiner Trainingsschanze 13. Stephan Leyhe, der dritte Schwarzwälder im Team von Bundestrainer Werner Schuster, blieb mit Rang 21 hinter seinen eigenen Erwartungen zurück. "Ich bin irgendwie nicht so richtig zurechtkommen", sagte der Breitnauer der BZ.

Auch nächstes Jahr werden die weltbesten Skispringerinnen und Skispringer aller Voraussicht nach zum Sommer-Grandprix nach Hinterzarten kommen. Unmittelbar im Anschluss soll die nun schon 36 Jahre alte Adlerschanze dann modernisiert werden. Die 97 Meter lange Anlaufspur bekommt ein neues Profil. Der Übergang zum Schanzentisch wird flacher, der Absprunghügel um 1,5 Meter verkürzt. Die ganze Anlage soll künftig stärker der Bauweise moderner Schanzen ähneln – auch deshalb, damit junge Skispringerinnen und Skispringer im Trainingszentrum Hinterzarten von Anfang an eine zeitgemäße Absprungtechnik erlernen. Erneuert wird darüber hinaus die Anlaufspur selbst. Auf 2,2 Millionen Euro veranschlagt der SC Hinterzarten die Gesamtkosten für die Sanierung. Der Bund soll 40 Prozent der Kosten übernehmen, das Land Baden-Württemberg 30 Prozent, die Gemeinde Hinterzarten maximal zehn Prozent. Der Gemeinderat hat den Umbauplänen bereits zugestimmt, Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch ist nun auf der Suche nach weiteren Geldgebern.

"Der Umbau soll zeitlich so gelegt werden, dass möglichst keine Großveranstaltungen ausfallen", sagte Sophie Hargesheimer, die Pressechefin in Hinterzarten. "Ich bin zuversichtlich, dass wir den Zeitplan einhalten können", erklärte auch Stefan Wirbser, der Präsident des Skiverbands Schwarzwald. Wenn alles klappt, könnte es dann auch 2020 wieder ein Sommerskispringen in Hinterzarten geben. Zunächst aber dürfen sich die Wintersportfans auf die kalte Jahreszeit freuen. Schon Anfang Dezember kommt die Weltelite der Springerinnen und Springer erneut in den Hochschwarzwald, um auf Schnee an der Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt anzutreten. Insgesamt können sich die Südbadener in der Saison 2018/2019 auf vier Weltcup-Wochenenden vorbereiten. Snowboardcrosser und Skicrosser werden im Februar 2019 wieder am Feldberg erwartet, die Nordischen Kombinierer beschließen ihre Saison Ende März 2019 zum dritten Mal in Serie in Schonach.