Skispringen

Schwarzwälderin Straub Dritte beim Sommer-Grandprix in Hinterzarten

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 28. Juli 2018 um 16:38 Uhr

Skispringen

Die Schwarzwälder Skispringerin Ramona Straub schafft es beim Matten-Grandprix in Hinterzarten erstmals aufs Podest. Sie wird Dritte. Bei den Männern springt Karl Geiger auf Platz zwei.

Straub, die einzige Starterin aus dem Schwarzwald auf der ersten Station des Sommer-Grandprix bei den Frauen, präsentierte sich erstaunlich stark auf ihrer Heimatschanze. Die Olympia-Achte der Spiele von Südkorea 2018 sprang schon im Training mit 103 Metern auf bewässerten Kunststoffmatten die Bestweite. Im Wettkampf brachten sie 93 und 95,5 Meter am Ende auf Platz drei. Im Frühjahr hatte Straub wegen gesundheitlicher Probleme lange Zeit gar nicht mehr trainieren können, erst seit drei Wochen darf sie nun wieder Sprünge wagen. Gerade einmal 20 hat sie seither absolviert. "Ich bin schon ein bisschen überrascht", sagte die 24-Jährige vom SC Langenordnach der Badischen Zeitung. Langenordnach liegt in der Nähe von Titisee-Neustadt. Zum ersten Mal überhaupt stand sie bei einem internationalen Wettkampf auf dem Podest - und das daheim im Schwarzwald. "Das meiste Publikum kommt von zuhause. Etwas Besseres kann einem eigentlich gar nicht passieren."
"Das meiste Publikum kommt von zuhause. Etwas Besseres kann einem eigentlich gar nicht passieren." Ramona Straub

"Am Anfang habe ich das gar nicht kapiert", berichtete Straub. "Es war wegen des Windes gar nicht leicht, die Leistung richtig einzuschätzen." Windböen hatten für gelegentliche Unterbrechungen gesorgt, auch Straub musste vor ihrem ersten Sprung erst noch einmal vom Happle-Balken geholt werden. Insgesamt sei der Wettkampf der weltbesten Springerinnen aus zwölf Nationen aber fair verlaufen, so die 24-Jährige. Sie habe zuletzt vor allem Fortschritte bei der Anfahrt gemacht. In den nächsten Wochen will sie nun weiter "trainieren ohne Ende". Besondere Ziele für den Sommer oder den Weltcup-Winter habe sie sich im Augenblick nicht gesetzt.

Die japanische Seriensiegerin Sara Takanashi feierte im Hochschwarzwald ihren nächsten Erfolg - an einem Ort, den sie nach eigenem Bekunden besonders gern mag. "Ich liebe das Publikum hier", sagte Takanashi. "Es ermutigt mich. Ich habe einen richtig guten Bezug zu der Schanze." Die Zweitplatzierte Yuki Ito wurde fast poetisch bei dem Versuch, den Grund für ihr gutes Abschneiden zu erklären: "Ich bekam heute einen besonders guten Wind", berichtete sie. "Er war ein Geschenk. Deshalb bin ich so gut geflogen." Katharina Althaus aus Oberstdorf und Juliane Seyfarth aus Ruhla komplettierten das gute Abschneiden der deutschen Frauen mit den Plätzen vier und acht. Bundestrainer Andreas Bauer konnte mit dem Grandprix-Auftakt seines Teams im Sommer 2018 zufrieden sein.

Kamil Stoch siegt auch in Hinterzarten

Beim zweiten Männer-Wettbewerb des Sommer-Grandprix 2018 konnte der Pole Kamil Stoch am Samstagabend nach seinem Auftaktsieg im polnischen Wisla auch das Springen in Hinterzarten für sich entscheiden. Nach zweimaliger Bestweite von 110 und 106,5 Metern war der Olympiasieger von Pyeongchang nicht zu schlagen. Aber auch die deutschen Fans unter den 5000 Zuschauern durften jubeln: Der Oberstdorfer Geiger wurde mit Sprüngen auf 104 und 99 Metern starker Zweiter. Auf Rang drei überraschte der Schweizer Kilian Peier. Der 23-Jährige schaffte es dank Sprüngen auf 104 und 100,5 Meter erstmals bei einem Wettkampf im Sommer oder Winter auf das Podest.

"Meine Form von Wisla habe ich weiter entwickelt und konnte die Sprünge bestätigen", sagte Geiger, am Freitag bereits Sieger in der Qualifikation. Bundestrainer Werner Schuster sah alle deutschen Springer im Finale der besten 30 Athleten. Team-Olympiasieger Andreas Wank vom SC Hinterzarten wurde Neunter.

Modernisierung der Schanze im nächsten Jahr

Auch nächstes Jahr werden die weltbesten Skispringerinnen und Skispringer aller Voraussicht nach zum Sommer-Grandprix nach Hinterzarten kommen. Unmittelbar im Anschluss soll die nun schon 36 Jahre alte Adlerschanze dann modernisiert werden. Die 97 Meter lange Anlaufspur bekommt ein neues Profil. Der Übergang zum Schanzentisch wird flacher, der Absprunghügel um 1,5 Meter verkürzt. Die ganze Anlage soll künftig stärker der Bauweise moderner Schanzen ähneln - auch deshalb, damit junge Skispringerinnen und Skispringer im Trainingszentrum Hinterzarten von Anfang an eine zeitgemäße Absprungtechnik erlernen. Erneuert wird darüber hinaus die Anlaufspur selbst. Auf 2,2 Millionen Euro veranschlagt der SC Hinterzarten die Gesamtkosten für die Erneuerung. Der Bund soll 40 Prozent der Kosten übernehmen, das Land Baden-Württemberg 30 Prozent, die Gemeinde Hinterzarten maximal zehn Prozent. Der Gemeinderat hat den Umbauplänen bereits zugestimmt, Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch ist nun auf der Suche nach weiteren Geldgebern.

"Der Umbau soll zeitlich so gelegt werden, dass möglichst keine Großveranstaltungen ausfallen", sagte Sophie Hargesheimer, die Pressechefin in Hinterzarten, der BZ. "Ich bin zuversichtlich, dass wir den Zeitplan einhalten können", erklärte Stefan Wirbser, der Präsident des Skiverbands Schwarzwald. Wenn alles klappt, könnte es dann auch 2020 wieder ein Sommerskispringen in Hinterzarten geben.