"Ich setze mich nicht unter Druck"

Matthias Maier

Von Matthias Maier

Fr, 19. Januar 2018

Snowboard

BZ-INTERVIEW mit Snowboard-Crosserin Jana Fischer vom SC Löffingen, die am Samstag beim Weltcup-Rennen in der Türkei ihr Olympiaticket ergattern will.

SNOWBOARDCROSS. Die Weltelite der Snowboardcrosser ist beim Weltcup vom 2. bis 4. Februar auf dem Feldberg zu Gast. Mit dabei sind die Lokalmatadoren Paul Berg (SC Konstanz), der in dieser Saison seinen ersten Weltcupsieg feiern konnte, und Jana Fischer vom SC Löffingen. Am kommenden Wochenende geht es für Fischer beim Weltcup im türkischen Erzurum um die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in Südkorea. Matthias Maier unterthielt sich mit der 18-jährigen Bräunlingerin über ihren Olympiatraum, den Heimweltcup und den Einsatz der Ellenbogen.

BZ: Beim Weltcup-Rennen in Erzurum wird sich an diesem Samstag entscheiden, ob Sie zu den Olympischen Spielen in Pyeongchang fahren dürfen. Nervös?

Fischer: Momentan ist es noch auszuhalten. Aber wenn am Freitagabend die Qualifikation für den Wettkampf am Samstag beginnt, werde ich vermutlich schon ein bisschen nervöser sein als sonst. Ich versuche, mich selbst nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Natürlich würde ich mich riesig freuen, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Aber wenn es jetzt nicht klappen sollte, habe ich in vier Jahren wieder eine Chance.

"Es ist ein schönes Gefühl,

am Feldberg starten

zu dürfen."

Fischer über den Heimweltcup
BZ: Welche Platzierung muss in Erzurum denn herausspringen, damit Ihr Traum von Olympia sich erfüllt?
Fischer:
Das lässt sich nicht genau sagen. Ich muss nach diesem Weltcup auf der Quotenliste des Skiweltverbands unter den Top 30 sein. Derzeit belege ich Platz 29, wobei eine vor mir platzierte Französin noch aus der Wertung herausfallen wird, da sie die nationale Norm nicht erfüllt hat. Wenn ich am Freitag die Qualifikation überstehe, sollte es mit Olympia klappen.

BZ: Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Fischer: Wenn ich an die zurückliegenden Weltcups vor Weihnachten anknüpfen kann, bin ich zuversichtlich. Körperlich fühle ich mich super, nur mein rechtes Sprunggelenk macht seit einem Sturz im November hin und wieder ein paar Probleme. Beim Snowboarden behindert mich das aber überhaupt nicht.

BZ: Vor einem Jahr haben Sie im Alter von 17 Jahren am Feldberg Ihr Weltcup-Debüt gegeben, eine Woche später holten Sie Silber bei der Junioren-WM. Und jetzt ruft schon Olympia. Reiben Sie sich manchmal die Augen, wie schnell es in Ihrer Karriere bergauf geht?

Fischer: Es geht in letzter Zeit schon alles ziemlich schnell. Das ist momentan aber kein Problem für mich, im Gegenteil: Ich genieße es, an die Wettkampforte zu reisen, neue Eindrücke zu sammeln und die vielen Erlebnisse mitzunehmen.

BZ: Im vergangenen Jahr überraschten Sie am Feldberg mit den Plätzen 21 und 25. In diesem Winter sind Sie bereits bei zwei Weltcups ins Viertelfinale vorgestoßen. Was haben Sie sich für den kommenden Doppel-Weltcup im Hochschwarzwald vorgenommen?
Fischer: Ich möchte auf jeden Fall wieder ins Viertelfinale kommen. Und vielleicht klappt es dann ja auch mal mit der Teilnahme am Halbfinale. Das habe ich mir jedenfalls für die nächste Zeit als Ziel gesetzt.

BZ: Ist es etwas Besonderes, bei einem Weltcup in der Heimat an den Start gehen zu dürfen?
Fischer: Ja, das ist ein sehr schönes Gefühl. Die Familie, viele Freunde und Bekannte werden an der Strecke stehen und zuschauen. Umso schöner ist es, wenn sie dann miterleben, wie ich meine Leistung hoffentlich weiter steigern kann.

BZ: Was zeichnet die Strecke am Feldberg aus?
Fischer: Es ist ein eher kurzer Parcours. Beim Weltcup im französischen Val Thorens im Dezember waren wir Rennläuferinnen in der Qualifikation rund 1:30 Minuten lang auf der Strecke. Am Feldberg dauern die Läufe hingegen nur 45 oder 50 Sekunden. Mir persönlich liegen kurze und lange Rennen gleich gut.

BZ: Der sogenannte Drop, ein Sprung aus gut zwei Metern Höhe vom Startpodest, ist ebenfalls eine Besonderheit des Parcours am Feldberg.
Fischer: Das stimmt. Ein solcher Drop kam hier 2017 erstmals im Weltcup zum Einsatz. Als ich da zum ersten Mal am Start stand, ging mir schon kurz der Gedanke durch den Kopf: Will ich da wirklich runter? Ab dem zweiten Start war das aber kein Problem mehr und hat dann richtig Spaß gemacht. Bei den Olympischen Spielen in Südkorea soll auch ein Drop am Beginn des Rennens stehen.

BZ: Snowboardcrosserinnen müssen nicht nur schnell sein, sondern sich auch im Kampf Frau gegen Frau durchsetzen können. Wie haben Sie gelernt, auf der Piste die Ellenbogen auszufahren?
Fischer: In den beiden Weltcup-Viertelfinals, bei denen ich vor Weihnachten erstmals mitgefahren bin, ist mir das leider nicht so gut gelungen. Ich war vor beiden Rennen ziemlich nervös und konnte nicht die Leistung zeigen, die ich mir erhofft hatte. Grundsätzlich glaube ich aber schon, dass ich mich ganz gut durchsetzen kann. Das kann damit zusammenhängen, dass ich in Bräunlingen mit einem knapp zwei Jahre älteren Bruder aufgewachsen bin. Da ging es für uns beide ständig darum, sich gegen den anderen durchzusetzen. (lacht)