Im freien Fall Richtung Olympia

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Fr, 02. Februar 2018

Snowboard

Jana Fischer vom SC Löffingen und der Konstanzer Paul Berg sind die regionalen Stars beim Snowboardcross-Weltcup am Seebuck.

SNOWBOARDCROSS. "Einfach locker bleiben" will Jana Fischer (18) vom SC Löffingen. Angespannter wirkt Paul Berg, weil er am Seebuck etwas gutzumachen hat "nach diesem verpatzten Ding im vergangenen Jahr". Die wohltuend unaufgeregte Bräunlingerin und der Konstanzer Breitbrett-Könner sind von heute bis Sonntag die Stars aus Schwarzwälder Sicht bei der nun schon dritten Auflage des Snowboardcross-Weltcups auf einem 770 Meter langen, spektakulären Kurs am Seebuck. Es ist die Olympia-Generalprobe.

Ein bisschen atemlos wirkt Paul Berg an diesem Morgen nach seiner ganz persönlichen Schneekontrolle. Dem dichten Nebel zum Trotz ist er den aus zigtausend Tonnen Naturschnee modellierten Kurs abgeritten, der vom Start in Sichtweite des Bismarckturms durch vier Steilkurven und "Banks" und "Roller" genannte Wellen bis zur Talstation des Resilifts hinunterführt, wie eine dicke, 770 Meter lange Schlange. Ein wenig verwuschelt sitzt er jetzt auf dem Podium, die Umrandung der Skibrille, ohne die es für den Snowboardcrosser aus Konstanz bei jedem Wetter keinen Durchblick gibt, hat wie der Abdruck eines Brenneisens Spuren hinterlassen über seinen Augen.

"Der Kurs passt", sagt Berg und sorgt für erkennbare Erleichterung – bei Hanns-Michael Hölz, 28 Jahre lang Chef des Skiverbands Schwarzwald Nord und jetzt Präsident des Verbands "Snowboard Germany", der sich ohne Anglizismen hörbar verbeugt vor den Veranstaltern "und vor allem den 200 Helfern". Und natürlich bei Thorsten Rudolph, Vordenker der Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG), die den nun schon dritten Snowboardcross-Weltcup auf dem Seebuck zusammen mit anderen Partnern mit rund 250 000 Euro alimentiert und auch das in Eigenregie produzierte Fernsehsignal bezahlt, das via ZDF ausgestrahlt wird.

Paul Berg weiß, was er am Samstag und Sonntag am Seebuck bei den zwei Weltcup-Rennen in den Vierer-Heats, beim Kampf Board gegen Board, will: nicht so fahren wie im vergangenen Jahr, als er am Seebuck in der Qualifikation scheiterte. Sondern so fahren wie Mitte Dezember bei seinem Weltcupsieg im französischen Val Thorens. Zeigen will er, dass er reif ist für Olympia.

Wohltuend zurückhaltend wirkt Jana Fischer, die am kommenden Mittwoch zusammen mit Berg als jüngste Sportlerin der Schwarzwälder Skigeschichte per Flugzeug zu ihren ersten Olympischen Spielen abheben will. Der Sturz, bei dem sich die 18-jährige Bräunlingerin vor knapp zwei Wochen im Training beim Weltcup im türkischen Erzurum Prellungen und eine Gehirnerschütterung zugezogen hat, wirkt noch nach, doch die blauen Flecken sind verblasst. Das ihr geltende Medieninteresse ist der Zwölftklässlerin, die im Mai am Skiinternat Oberstdorf das Abitur machen will, einen verwunderten Augenaufschlag wert. Natürlich freue sie sich riesig auf das Heimspiel "und darauf, dass hoffentlich viele Freunde aus der Heimat zuschauen können". Ganz gern ins Halbfinale vorstoßen wolle sie. Das könnte gelingen, "weil ich ganz ohne Druck und befreit starten kann", so Fischer. "Und natürlich freu’ ich mich auf den freien Fall", sagt die Snowboardcrosserin des SC Löffingen.

Es ist der sogenannte Drop, ein Sprung aus zwei Metern Höhe vom Startpodest, der ihr bei ihrer Weltcup-Premiere vor einem Jahr auf dem Feldberg ein bisschen Sorge gemacht hatte. "Ich wusste nicht, ob ich da wirklich runter will", blickt Fischer zurück, "aber jetzt macht der Drop einfach Riesenspaß".

Der Snowboardcross-Weltcup am Feldberg beginnt an diesem Freitag mit der Qualifikation der Männer (10.30 Uhr) und Frauen (13.15 Uhr). Am Samstag, 3. Februar, werden die Rennen um 12 Uhr gestartet. Die Qualifikation für den zweiten Wettbewerb beginnt am Sonntag, 4. Februar, um 9 Uhr. Die Finals sollen um 12 Uhr gestartet werden (die Uhrzeiten können wetterbedingt abweichen). Das ZDF überträgt die Highlights.

Alle Informationen und Zeiten auf http://www.hochschwarzwald.de