Vorbereitungen

So präpariert das Schanzenteam die Rothaus-Schanze für den Frauen-Weltcup

Dieter Maurer

Von Dieter Maurer

Fr, 15. Dezember 2017

Skispringen

Schwerstarbeit kommt am heutigen Freitag auf die Helfer des Skiclubs Hinterzarten zu. In einer gemeinsamen Anstrengung von Mensch und Maschine erfährt die Rothaus-Schanze ihren „Feinschliff“, damit pünktlich um 16 Uhr das offizielle Training und zwei Stunden später die Qualifikation für den Frauen-Weltcup im Skispringen stattfinden können.

SKISPRINGEN. Mit 70 Weltklasseathletinnen aus 15 Nationen weist Hinterzarten am Samstag beim Teamspringen (12.30 Uhr) und im Einzelwettkampf am Sonntag (15.30 Uhr) ein Rekordmeldeergebnis auf.

Rund acht Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Südkorea ist der Wintersportort im Hochschwarzwald nach dem Triple in Norwegen die zweite Station im Weltcup. Im Adler-Skistadion gibt es mit dem ersten Team-Wettkampf der Frauen eine Weltpremiere. "Darauf sind wir besonders stolz", sagt die Skiclub-Vorsitzende Tanja Metzler. Nach dem guten Abschneiden der Weltcup-Führenden Katharina Althaus aus Oberstdorf, die beim Weltcupauftakt zwei Siege und einen zweiten Platz auf dem Lysgardsbakken in Lillehammer feierte, sowie den guten Plätzen der vierfachen Weltmeisterin und Olympiasiegerin von Sotschi, Carina Vogt (Degenfeld), hofft Metzler auf regen Zuschauerzuspruch. Mit Svenja Würth (Baiersbronn) und Ramona Straub (Langenordnach) stehen zwei Schwarzwälderinnen im Aufgebot von Bundestrainer Andreas Bauer. Die 24-jährige Skispringerin vom SC Langenordnach steigt in Hinterzarten erstmals in das Weltcup-Geschehen ein und hofft, sich mit guten Platzierungen für die nächsten Wettbewerbe im Januar in Rumänien und Japan zu empfehlen.

Kopfschmerzen bereiten den Veranstaltern in diesen Tagen vor allem die Wetterkapriolen. Dabei hat das Schneeteam um Wolfgang Steiert die kalte und trockene Luft im November genutzt. Schneilanzen und Schneekanonen produzierten einige tausend Kubikmeter Maschinenweiß. Doch der ständige Wechsel zwischen Kälte und Wärme, Schneefall und Dauerregen, verbunden mit starken Winden, ließ eine Präparierung der großen Rothausschanze nicht zu. "Das ist einfach katastrophal. Wir können die Anlage nicht fertig herrichten", klagte Stadionchef Michael Lais am Mittwoch.

Gemeinsam mit zehn Stützpunkt-Trainern hat Lais im gut 80 Meter langen und steilen Anlauf ausreichend Schnee gleichmäßig verteilt. Die im Sommer benutzte Keramikspur auf dem Anlaufturm wird im Winter mit einem Netz überspannt und mit Schnee bedeckt. "Wir können momentan aber keine Spur fräsen, weil die Kanten bei den wechselnden Bedingungen sofort wegbrechen. Es wäre vergebliche Mühe", so Lais. Nichtstun, den Schnee einfach liegen lassen, war angesagt.

Im Auslauf schob zu Beginn dieser Woche eine Pistenraupe einige tausend Kubikmeter Natur- und Kunstschnee auf eine Freifläche. Die eigentliche Präparierung des Auslaufs ist erst für den heutigen Freitagmorgen vorgesehen. Ein Tretkommando mit einem Dutzend Helfern soll mit Alpinskiern für eine plane und griffige Landebahn sorgen, auf der die Athletinnen sicher aufsetzen können. Von der Hochfirstschanze in Neustadt wurde einiges Equipment ins Adler-Skistadion transportiert. Dazu zählten zwölf Wachs- und Umkleidecontainer.

Auf dem unbefestigten, teilweise vereisten oder vom Regen aufgeweichten kurvigen Sandweg bis zum Parkplatz neben dem Betriebsgebäude gerieten die schweren Lastzüge ins Rutschen und mussten mit Kettenfahrzeugen hochgeschleppt werden. Bereits aufgebaut ist ein großes VIP-Zelt, das einen guten Blick auf die Anlage bietet. Inzwischen sind auch die Übertragungswagen für das Fernsehen positioniert. Das ZDF wird live vom Weltcup in Hinterzarten berichten. Die Teams aus Frankreich, Polen und Japan mit Schanzenrekordhalterin Sara Takanashi (109,5 Meter) wollten bereits Mitte dieser Woche in Hinterzarten trainieren. Lais, der auch Wettkampf-Chef ist, bedauerte: "Wir mussten leider absagen."

Doch für die Wettbewerbe ist alles vorbereitet. "Wir haben ein seit Jahrzehnten eingespieltes Team, das für einen reibungslosen Ablauf sorgen wird", so Michael Lais. Der Frauen-Weltcup gastiert nach 2012 und zweimal 2013 nun zum vierten Mal in Hinterzarten. "Wir werden alles tun, damit sich die Athletinnen bei uns wohl fühlen und die Zuschauer spannende Wettkämpfe auf hohem Niveau erleben", verspricht die Skiclub-Vorsitzende Tanja Metzler.

Zeitplan Frauen-Weltcup
Freitag, 16 Uhr offizielles Training auf der Rothaus-Schanze; 18 Uhr Qualifikation für den Einzelwettbewerb am Sonntag. Samstag: 11.30 Uhr Probedurchgang, 12.30 Uhr Teamwettkampf, 17.30 Uhr Siegerehrung auf dem Weihnachtsmarkt unter der Ravennabrücke. Sonntag: 14.30 Uhr Probedurchgang, 15.30 Uhr Einzelwettbewerb auf der Rothaus-Schanze.