Sprünge in die Herzen der Fans

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Mo, 30. Juli 2018

Skispringen

Hinterzarten präsentiert sich beim Sommer-Grandprix als perfekter Gastgeber für die Männer und Frauen der Weltelite.

SKISPRINGEN. Gleiche Rechte, gleiche Chancen: Die Skispringerinnen werden im kommenden Winter so viel Aufmerksamkeit bekommen wie noch nie. Sie dürfen bei 28 Weltcupspringen an den Start gehen, zehn mehr als in der vergangenen Saison. Aber das allein ist nicht das Entscheidende: ARD und ZDF weiten ihre Sendezeit aus, es wird viel mehr Live-Berichte geben. Die Zahl der Journalisten, die über die Wettkämpfe am gleichen Wochenende am gleichen Ort von der gleichen Schanze berichten, wird wachsen.

Und dann stehen die Reporter vor der Wahl: Wird eine Frau auf dem Podest künftig genauso viel öffentliche Aufmerksamkeit erfahren wie ein Mann? Genau so müsste es in Zukunft sein. Wie das im Detail funktioniert mit der neuen Gleichberechtigung im Schanzensport, konnten mehrere tausend Fans und die professionellen Beobachter am vergangenen Wochenende in Hinterzarten schon einmal hautnah miterleben. Ramona Straub vom SC Langenordnach erfreute die Herzen der Zuschauer mit Rang drei, der Oberstdorfer Karl Geiger wurde im Männer-Springen auf bewässerten Matten Zweiter. Es passt ganz gut zu dem neuen Format, dass in der Skisprung-verrückten Gemeinde nun auch eine Pressechefin die Regie übernommen hat: Sophie Hargesheimer führte souverän durch den Wettkampf-Marathon am Samstag.

Dass die internationale Elite ihren Auftritt in Hinterzarten praktisch problemlos meisterte, überraschte ein wenig. Windböen, die immer wieder scharf durchs Stadion pfiffen, ließen am Mittag zunächst nichts Gutes erwarten, und eine tiefblaue Gewitterwolke hatte es sich hoch über der Adlerschanze gemütlich gemacht. Aber die Wolke hielt dicht, zum Abend hin ließ der Wind nach, und beide Wettkämpfe gingen ohne große Verzögerungen über die Bühne. Das hatte natürlich auch viel damit zu tun, dass Walter Hofer, der Renndirektor des Internationalen Ski-Verbands, einmal mehr auf das bewährte Schanzenteam des SC Hinterzarten vertrauen konnte. Schon seit 1982 geht die internationale Skisprung-Elite im Hochschwarzwald regelmäßig vom Bakken. Kein Standort hat mehr Erfahrung bei der Austragung von Sommer-Wettkämpfen. Und das Publikum begeistert sich für Top-Leistungen aller Starter aus allen Nationen, schaut nicht nur durch die nationale Brille. Dass Kamil Stoch, der von Stefan Horngacher aus Titisee-Neustadt gecoachte Über-Adler aus Polen, mit seinem Flug auf 110 Meter die Anlage wirklich aufs Äußerste ausreizte, wurde beim Wettkampf der Männer mit Staunen und Applaus bedacht.

Die beiden bestplatzierten Frauen aus Japan, Sara Takanashi und Yuki Ito, schwärmten so sehr von den Schwarzwäldern ("Ich liebe das Publikum hier"), dass man schon ein bisschen stolz sein konnte auf die Weltoffenheit der Sportfans in der Region. Genau so kann Hinterzarten weitermachen – und wird, wenn die alte Dame Adlerschanze runderneuert ist, noch eine lange Zukunft als renommierter Sprung-Standort vor sich haben.