Olympische Winterspiele

STANDPUNKT: Gute Tage für Thomas de Maizière

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 18. Februar 2018

Wintersport

Weil der Bundesinnenminister seines Amtes wegen der oberste Medaillenzähler Deutschlands ist, darf behauptet werden, Thomas de Maizière hat eine wunderbare Woche hinter sich. Rodler und Biathleten, Skispringer und nordische Kombinierer sowie ein famoses Eiskunstlaufpaar bescherten bei den Winterspielen in Pyeongchang dem Noch-Chef der Sportförderung einen Medaillenregen und ließen nicht nur die Bild-Zeitung über "Goldschland" jubeln.

Seit der Wiedervereinigung errangen die deutschen Wintersportler bei Winterspielen im Durchschnitt mindestens 30 Medaillen und standen stets ein Dutzend Mal auf dem höchsten Treppchen. Das ist der Standard – der der Erwartungshaltung des Innenministers, der Medien und dem Gros der Fans entspricht. Nur vor vier Jahren war es anders: In Sotschi stellte das bergfreie Holland ebenso viele Olympiasieger wie der Schwarzwald, Bayern und Thüringen. Ein solches Debakel dürfte sich in Südkorea nicht wiederholen, forderte Thomas de Maizére vor der Eröffnungsfeier in Pyeongchang – nahezu alles spricht dafür, dass der Minister am kommenden Sonntag zufrieden die Medaillen zählt.

Das ist deshalb erwähnenswert, weil vom Medaillenspiegel die Sportförderung und mehr noch deren Reform abhängt.

Und: Wenn immer nur die erfolgreichen Sportarten mehr Geld erhalten, schafft die Sportpolitik eigentlich das – was sie nicht will: holländische Verhältnisse. Denn die Niederländer gewinnen ihre vielen Medaillen in einer einzigen Disziplin, dem Eisschnelllaufen. Mehr Geld bräuchten in Deutschland somit alle Sportler, die in Pyeongchang chancenlos sind. Und derer gibt es genug in vielen Sportarten.