Zahlreiche vermeidbare Fehler

dpa

Von dpa

Fr, 06. Juli 2018

Tennis

Nur mit Mühe rettet sich Angelique Kerber in die dritte Runde von Wimbledon / Vorjahresfinalist Cilic scheidet überraschend aus.

LONDON (dpa). Nach ihrem knapp vermiedenen Tiefschlag in Wimbledon wirkte Angelique Kerber ernst und und leicht zerknirscht. Die 30-Jährige wusste genau, dass sie sich steigern muss, soll ihr Weg bei dem berühmten Rasen-Tennisturnier nicht schon am Samstag enden. Nur mit einem mühevollen Sieg über drei Sätze rettete sich die Wimbledon-Finalistin von 2016 gegen das erst 18 Jahre alte US-Talent Claire Liu in die dritte Runde. "Ich kam überhaupt nicht in mein Spiel rein", haderte die Kielerin.

Das 3:6, 6:2, 6:4 wollte Kerber schnell abhaken. Sie war weit entfernt von ihrem besten Tennis. Die Nummer 237 der Welt hatte ihr an diesem Tag in der zweiten Runde arge Probleme bereitet. "Es war einfach ein Match, das ich gewonnen habe", sagte die zweimalige Grand-Slam-Siegerin. Am Samstag hat sie die Chance, wie im vergangenen Jahr das Achtelfinale von Wimbledon zu erreichen. Aber Naomi Osaka wird sie deutlich mehr fordern.
Gegen die Japanerin hatte die Linkshänderin im vergangenen Jahr bei den US Open in New York eine schmerzhafte Niederlage erlebt, als sie als Titelverteidigerin verunsichert in der ersten Runde scheiterte. Das Match war ein negativer Höhepunkt in ihrem frustrierenden Jahr 2017.

"Das waren ganz andere Umstände. Das war 2017, daran denke ich nicht mehr", behauptete Kerber. "Ich weiß, was auf mich zukommt. Sie wird versuchen, das Match zu dominieren. Da muss ich gegenhalten. Ich weiß, dass ich mehr riskieren muss als heute."

Gegen Liu ersparte sich die zweimalige Grand-Slam-Siegerin auch dank ihrer Kämpferqualitäten ein frühes Aus, das schon etliche andere Topspielerinnen im Damen-Feld überraschend ereilt hat. "Das war spielerisch nicht das, was wir erwartet haben", bilanzierte Kerbers Trainer Wim Fissette. "Gut kann man nicht immer spielen, aber kämpfen schon, das hat sie getan."

Liu war am Donnerstag als 237. der Weltrangliste die am niedrigsten platzierte Spielerin, die im Feld verblieben war. Äußerst kritisch ging Kerber mit sich während des Spiels gegen die Junioren-Wimbledonsiegerin des Vorjahres um. Sie stampfte verärgert mit dem Fuß auf den Boden, schlug sich verzweifelt mit der Hand auf den Oberschenkel, zuckte mit den Schultern. "Es geht nichts", schrie sie nach einem ihrer zahlreichen vermeidbaren Fehler. Sie haderte sogar noch mit sich, als sie nur zwei Punkte vom Sieg entfernt war.

Der Belgier Fissette monierte diesen Hang zum Negativen, der so oft in Kerbers frustrierender Saison 2017 zu sehen gewesen war. "Sie muss lernen, ihre negativen Emotionen besser unter Kontrolle zu halten", forderte Fissette.

Ein Schlüssel für Kerber war, dass sie sich im entscheidenden Moment auf ihren Aufschlag verlassen konnte und sich so bei 5:4 im dritten Satz die letzten Punkte gegen Liu sicherte. Einen Matchball hatte die ehemalige Nummer eins der Welt schon bei 5:3 ausgelassen, ehe ihr lautes "Come on" nach der genutzten zweiten Chance über den Platz hallte.

Vorjahresfinalist Marin Cilic ist in der zweiten Runde von Wimbledon überraschend gescheitert. Der Kroate verlor gegen den argentinischen Außenseiter Guido Pella in fünf Sätzen 6:3, 6:1, 4:6, 6:7 (3:7), 5:7. French-Open-Gewinner Rafael Nadal blieb dagegen beim ungefährdeten 6:4, 6:3, 6:4 gegen den Kasachen Michail Kukuschkin ohne Satzverlust. Der Spanier wird gegen den Australier Alex De Minaur um den Einzug ins Achtelfinale spielen.

Weitere Ergebnisse, 2. Runde, Frauen: Halep (Rumänien/Nummer 1 der Setzliste) – Zheng (China) 7:5, 6:0; Kassatkina (Russland/14) – Putinzewa (Kasachstan) 6:2, 6:3; Mertens (Belgien/15) - Vickery (USA) 6:1, 6:3; Barty (Australien/17) - Bouchard (Kanada) 6:4, 7:5; Osaka (Japan/18) – Boulter (Großbritannien) 6:3, 6:4; Cibulkova (Slowakei) - Konta (Großbritannien/22) 6:3, 6:4; Strycova (Tschechien/23) - Zurenko (Ukraine) 6:1, 6:4. Männer: Del Potro (Argentinien/5) - Lopez (Spanien) 6:4, 6:1, 6:2; Anderson (Südafrika/8) - Seppi (Italien) 6:3, 6:7 (5:7), 6:3, 6:4; Isner (USA/9) – Bemelmans (Belgien) 6:1, 6:4, 6:7 (6:8), 6:7 (3:7), 7:5; Djokovic (Serbien/12) - Zeballos (Argentinien) 6:1, 6:2, 6:3; Vesely (Tschechien) - Schwartzman (Argentinien/14) 6:3, 6:4, 7:6 (7:3); Kyrgios (Australien/15) - Haase (Niederlande) 6:3, 6:4, 7:5; Nishikori (Japan/24) - Tomic (Australien) 2:6, 6:3, 7:6 (9:7), 7:5.