Zwei Hartings – doch nur einer ist im Finale

dpa

Von dpa

Mi, 08. August 2018

Leichtathletik

Drei Mal ungültig: Christoph Harting scheitert in der Quali.

BERLIN (dpa/BZ). Frühaufsteher Robert Harting (33) war einfach nur happy, Bruder Christoph (28) stinksauer. Lust und Frust, besser könnte man die unterschiedliche Stimmung bei den beiden Diskuswurf-Olympiasiegern kaum schildern. Robert freute sich riesig auf sein letztes Finale bei einer Leichtathletik-Europameisterschaft. Christoph verstand am Dienstag die Welt nicht mehr. Dreimal blieb seine Zwei-Kilo-Scheibe bei der Qualifikation im Netz hängen. Aus und vorbei, EM adé. Bruder Robert ist nun an diesem Mittwoch (20.20 Uhr) im Berliner Olympiastadion der einzige deutsche Finalist.

"Ich kann es mir nicht erklären, woran es heute gelegen hat: Ich hab’ eine super Fitness, ich hab’ ein top Gefühl, ich bin stark und schnellkräftig", sagte Christoph Harting, der Olympiasieger von 2016, in den Katakomben des Stadions. Sein Trainer Torsten Lönnfors schlug nach dem dritten Patzer die Hände vors Gesicht. "Mann, Mann! Er hat dreimal denselben Fehler gemacht, dreimal ins Netz. Das ist jetzt erst mal ein kleiner Schock", sagte der Coach. Wahrscheinlich war es sogar ein großer Schock. "Vermutlich wird hier kein Deutscher im Diskuswurf eine Medaille holen", prophezeite Lönnfors.

"63 Meter werfe ich auch aus dem Stand – darum geht’s nicht. Es ist einfach das Problem, das nicht abrufen zu können", sagte der als sehr eigenwillig geltende Christoph Harting. "Ich stand da mit einer Riesen-Waffe, aber ohne Munition. Wahrscheinlich habe ich zu früh gezogen." Eine Frage zur WM 2019 in Katar wies er brüsk und sich abwendend zurück. Sein nächstes großes Ziel, das sagt er oft, sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Auch Bruder Robert traf in der Qualifikation nicht ins Schwarze – doch 63,29 Meter reichten am Ende locker fürs Finale. 71 Zentimeter mehr – und der Publikumsliebling wäre direkt durch gewesen. So oder so: In seinem "Wohnzimmer" wird der 33-Jährige an diesem Mittwoch noch einmal gefeiert. Beim Berliner ISTAF will sich der dreimalige Weltmeister und zweimalige Europameister am 2. September mit dem letzten Wurf von seinen Fans verabschieden. Motto der Farewell-Party: "Der letzte Schrei." Dies war die Quali noch nicht. "Die Würfe waren alle ein bisschen zu brav, ein bisschen zu viel wie ein Trainingswurf", analysierte der Olympiasieger von 2012.