DEB will das Olympia-Silber vergolden

dpa

Von dpa

Di, 27. Februar 2018

Olympische Spiele

Beim Verband gibt es schon ziemlich genaue Vorstellungen, wie der Hype um die Eishockey-Nationalmannschaft genutzt werden soll.

PYEONGCHANG (dpa). Das Eishockey-Wunder von Pyeongchang soll in der Heimat vergoldet werden. Nach dem Silber-Wahnsinn und einer wilden Partynacht stellte sich das Olympia-Sensationsteam von Bundestrainer Marco Sturm beim Rückflug nach Frankfurt auf einen neuen Hype ein.

Anders als nach dem Coup mit Platz vier bei der Heim-WM 2010 soll der Boom diesmal wirkungsvoll genutzt werden. "Wir wollen besser werden, wir wollen wachsen, größer werden. Ich glaube schon an einen Schub", sagte der Präsident des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB), Franz Reindl, nach dem knapp verpassten Olympiasieg und betonte: "Wir sind vorbereitet. Wir sind auf einem ganz anderen Weg als 2010."

Auch die Nationalspieler wie Verteidiger Moritz Müller setzen auf eine "Signalwirkung" fürs Eishockey: "Wir mögen schon auch alle Fußball, aber wir glauben, dass Deutschland ein Land ist, in dem mehr Platz ist als für eine große Sportart." Abwehr-Star Christian Ehrhoff, Fahnenträger bei der Schlussfeier, sagte nach dem größten Erfolg des Verbands: "Melden sich jetzt am Montag viele Kids zum Eishockey an? Das ist natürlich die Hoffnung."

Versäumnisse wie 2010, als die Euphorie schnell verpuffte, will der DEB unbedingt vermeiden. "Wenn man das nicht vergoldet, dann wäre das der größte Fehler überhaupt", sagte Sportdirektor Stefan Schaidnagel und kündigte Gespräche an: "Wir setzen uns definitiv nach Olympia noch mal zusammen. Wir müssen uns überlegen, wie wir uns nachhaltig erfolgreich aufstellen."

Finanziell ist der DEB inzwischen konsolidiert

Auch hinter den Kulissen hat sich seit der Heim-WM vor acht Jahren beim Verband vieles gewandelt. Im Sommer 2014 löste Reindl, Olympia-Bronzemedaillengewinner von 1976, den umstritten Uwe Harnos als Präsidenten ab. Der frühere Nationalspieler richtete ein neues Präsidium mit Daniel Hopp, Berthold Wipfler und Marc Hindelang ein, entwickelte neue Ideen und ehrgeizige Ziele. Inzwischen ist der DEB, der lange in finanziellen Problemen steckte, konsolidiert.

Wie der Gewinn von der Heim-WM 2010 schnell aufgebraucht werden konnte und Minusbeträge in sechstelliger Höhe zustande kamen, hatte sich Reindls Vorgänger Harnos selbst bei seiner Amtsablösung nicht erklären können. Die Einnahmen der Heim-WM 2017, laut Reindl 1,8 bis zwei Millionen Euro, werden nun unter anderem in Fördermaßnahmen für den Nachwuchs, Personal und Trainer gesteckt.

Den Schwung will auch die Deutsche Eishockey Liga in den Alltag übertragen, der bereits am Mittwoch weitergeht. Die sieben Spieler von Tabellenführer München dürfen nach dem "Wunder von Pyeongchang" bis einschließlich Freitag frei machen, die um die Playoffs bangenden Mannheimer um Kapitän Marcel Goc sind gleich wieder gefordert.

Reindl setzt auf eine höhere Wertschätzung für die heimischen Profis bei den Klubs und rechnet mit Besuchen der Silbergewinner in TV-Studios. "Hoffentlich gibt es einen Boom. Für das deutsche Eishockey ist das extrem wichtig und hoffentlich eine Motivation an die Jugend, die wir auch brauchen", sagte Bundestrainer Marco Sturm nach dem mit 3:4 nach Verlängerung verlorenen Endspiel gegen die Russen.

Kölns Spieler Müller wünschte sich nach den Siegen über die starken Eishockey-Nationen Schweden und Kanada einen Imagegewinn: "Oft ist Eishockey ja ein bisschen verrufen als Holzfäller-, Hacker-Sport. Ich glaube, man hat gesehen, dass Eishockey ein ganz toller, technischer, taktisch geprägter Sport ist."

Im Team steht ein Umbruch bevor

Dass die neuen deutschen Sportlieblinge in der Konstellation von Pyeongchang auch in Zukunft begeistern werden, ist allerdings unwahrscheinlich. Vermutlich feierten sie mit dem US-amerikanischen Ski-Star Lindsey Vonn Silber deswegen so ausgelassen, weil sie so zusammengestellt kaum mehr gemeinsam spielen werden. Obwohl direkt nach dem Finale erwartete Rücktritte vorerst ausblieben, steht wohl ein Umbruch bevor, vielleicht schon bei der Weltmeisterschaft in Dänemark (4. bis 20. Mai): Denn 11 der 25 Olympia-Silbermedaillengewinner sind 30 Jahre oder älter.