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07. August 2012
Umstrittene Entscheidungen und fragwürdige Ergebnisse
Irrtümer von Kampfrichtern sorgen bei den Olympischen Spielen für Diskussionsstoff unter Athleten und Trainern.
LONDON (dpa). Silbermedaillengewinnerin Lilli Schwarzkopf bescherte das Kampfgericht die Hölle, die deutschen Fechter fühlten sich vom Obmann betrogen. Wiederholt standen olympische Unparteiische bei deutschen Auftritten in London im Fokus. Für das Bahnradteam endete ihr Eingreifen mit Gold, Siebenkämpferin Schwarzkopf durfte nach langer Wartezeit doch noch Silber bejubeln. Degenfechterin Britta Heidemann freute sich nach wahrer Psychoqual auf der Planche über den Endkampf-Einzug, dagegen wurden die Fecht-Herren um das Gold-Gefecht gebracht. Ungerecht bewertet fühlte sich auch Turnerin Janine Berger: Rang vier statt Bronze.
In den umstrittenen Jury-Entscheidungen bei den Olympischen Spielen sieht Bernhard Schwank dennoch kein besonderes Problem. "Das gab es und gibt es immer wieder und wird es auch in Zukunft geben", sagte der Leistungssportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Seiner Meinung nach "verteilt sich das dann nach Glück und Unglück auf alle Sportlerinnen und Sportler.
Als Beispiel für den Ausgleich von Glück und Pech könnten die Fechter herhalten, auch wenn das die Florett-Männer kaum trösten wird. Im Halbfinal-Degendrama der späteren Olympia-Zweiten Heidemann war Südkoreas Shin A-Lam die Leidtragende der umstrittenen Entscheidung zum 5:6. Fünf Tage später mutmaßte Florett-Bundestrainer Ulrich Schreck, dass beim Urteil gegen seine Jungs vielleicht keine Neutralität geherrscht hatte.
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In einem Halbfinal-Krimi hatten die Deutschen am Sonntag gegen Japan 40:41 verloren. Der Obmann hatte vermeintliche Siegtreffer von Peter Joppich auch nach dem Studium der Videoaufnahmen nicht gegeben. "Die ersten zwei Punkte von Peter waren eindeutig. Ich kann es nicht verstehen", kritisierte Teamkollege Benjamin Kleibrink nach Bronze.
Die 16 Jahre alte Turnerin Janine Berger konnte ebenfalls keiner trösten. Die jüngste Athletin des deutschen Olympia-Teams fragte sich nach Rang vier in der Sprung-Konkurrenz, wie man sich freuen soll, "wenn die Kampfrichter die Russin so bevorteilen". Den Kampfrichtern war ein Fehler unterlaufen, als sie das Heraustreten von Maria Passeka aus der Landezone beim ersten Sprung nicht mit dem dafür vorgesehenen Abzug von 0,5 Punkten ahndeten.
Trost für die Fechter und für Janine Berger gab es von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière, der am Sonntagabend in der North Greenwich Arena war. "Die Umstände waren ärgerlich", sagte der Politiker am Montag zu den zweifelhaften Entscheidungen.
Schwarzkopf bescherte die Wartezeit nach einer Disqualifikation im abschließenden 800-Meter-Lauf ungeahnte und unnötige Qualen. Am Ende durfte sie trotzdem feiern. "Es passieren Fehler, das ist menschlich, aber so ein Irrtum dürfte eigentlich nicht sein", erklärte die 28-Jährige. Track-Cheftrainer Idriss Gonschinska konnte sich den Wertungs-Fauxpas auch nicht wirklich erklären.
Freuen durfte sich auch das Bahnrad-Duo. Weil die im Finale schnelleren Chinesinnen wegen eines Wechselfehlers zurückgestuft wurden, waren Welte und Vogel Goldmedaillengewinnerinnen. "So viel Glück auf unserer Seite – komisch", wunderte sich Vogel. Schon vor dem Finale hatte das deutsche Frauen-Paar vom Pech der Konkurrenz profitiert. Großbritannien war, wie später China, schneller unterwegs, wurde aber ebenfalls wegen eines Wechselfehlers bestraft.
Auf dem Prüfstand stehen die Wertungsumstände und Regelauslegungen aber allemal. "Wir kennen die Diskussion um den Torbeweis im Fußball", sagte Schwank. "Es wird Weiterentwicklungen geben, in allen Sportarten".
Schon in London gab es nach fragwürdigen Ergebnissen Konsequenzen. Im Badminton wurden acht Doppel-Spielerinnen aus China, Südkorea und Indonesien nach versuchten Spielmanipulationen aus dem Turnier ausgeschlossen. Im Boxen wurden mehrere Fehlurteile korrigiert sowie ein Ringrichter und ein Funktionär nach Hause geschickt.
Autor: dpa



