30 statt 100 Millionen Euro

sid

Von sid

Sa, 05. Mai 2018

Radsport

Der Deutsche Olympische Sportbund erhält vom Bund in den nächsten Jahren wohl deutlich weniger Geld als erhofft.

BERLIN (sid). Ein harter Schlag für den deutschen Sport: Die Etaterhöhung in den nächsten Jahren durch das Bundesinnenministerium (BMI) fällt deutlich niedriger aus als erhofft. Die bereits angelaufene Reform zur Förderung des Leistungssports gerät damit in Gefahr.

"Das BMI fördert den Spitzensport ab 2019 jährlich mit zusätzlich 30 Millionen Euro", teilte das BMI mit. Die Rechnung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sah anders aus. Für 2019 erhoffte sich der Dachverband eine Erhöhung um 90 Millionen Euro, für das Olympiajahr 2020 beantragte man sogar 120 Millionen Euro mehr.

Das BMI machte da nicht mit. Schon für das laufende Jahr 2018 hatte der DOSB auf 60 Millionen Euro zusätzlich gehofft, "doch 2018 wird es Stand jetzt keine weitere zusätzliche Erhöhung geben", bestätigte SPD-Wirtschaftspolitiker Martin Gerster. Der derzeitige Etat liegt bei knapp 170 Millionen Euro.

Der Kurs des BMI dürfte die Reformpläne des DOSB durchkreuzen. Mit dem zusätzlichen Geld sollten unter anderem mehr Trainer eingestellt und die beruflichen Perspektiven der Athleten (Duale Karriere) verbessert werden. Der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte gefordert, dass Deutschland bei Großevents wieder mehr Podiumsplätze erreichen müsste.

Wie wichtig dem DOSB eine deutliche Erhöhung schon für 2018 ist, zeigte sich bei einem Streit im vergangenen Jahr. Nachdem der Abteilungsleiter Sport im BMI, Gerhard Böhm, einen Mittelaufwuchs von 39 Millionen Euro für 2018 wegen "fehlender Etatreife" verweigert hatte, reagierte der DOSB empört. DOSB-Präsident Alfons Hörmann knüpfte daraufhin mehrfach eine Umsetzung der Reform an eine signifikante Etataufstockung. Auf die jetzige Entscheidung reagierte der DOSB zunächst verhalten. Hörmann und Co. hoffen, dass sie mit Hilfe intensiver Überzeugungsarbeit noch mehr Geld herausschlagen können. "Jetzt beginnt das parlamentarische Verfahren, und wir werden deshalb in den nächsten Wochen die notwendigen Gespräche mit allen Verantwortlichen führen", sagte die DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker.

Der DOSB hofft noch auf mehr Geld

Im Rahmen des parlamentarischen Verfahrens kommt es in der kommenden Woche im Innenministerium zu einem Treffen mit den Haushältern aller Parteien des Bundestags, an dem auch der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer teilnehmen soll. Für den 27. Juni ist die letzte Bereinigungssitzung vorgesehen, spätestens danach muss der Etat stehen. Der Bundesrechnungshof hatte das BMI im Vorfeld zu einem sparsamen Umgang mit den Fördergeldern aufgerufen. Eine Erhöhung der Fördersumme sei nur berechtigt, wenn es strukturelle Veränderungen durch die bereits angelaufene Reform zur Spitzensportförderung gebe. Dies sei für das Jahr 2018 noch nicht zu erkennen, hieß es. Auch für das Jahr 2019 mahnte der Rechnungshof zur Zurückhaltung.

Stephan Mayer – im BMI für den Sport zuständig, da sich Seehofer bislang mit den Fragen des Sports nicht beschäftigt hat – sieht trotz der geringeren Mittel die geplante Reform nicht in Gefahr. "DOSB und Bundesinnenministerium arbeiten aus beidseitiger Überzeugung an ihrer erfolgreichen Umsetzung", sagte der CSU-Politiker. Dagmar Freitag, Vorsitzende im Sportausschuss des Deutschen Bundestags, spricht von einer angemessenen Erhöhung. "30 Millionen Euro Aufwuchs für 2019 sind eine Summe, mit der der Sport vernünftig arbeiten kann", sagte die SPD-Politikerin und bemerkte: "Diese Zahlen machen deutlich, dass das, was der DOSB aus Frankfurt in Richtung Berlin ruft, nicht einfach so eins zu eins übernommen wird."