Ackermann holt sich das Textil des Meisters

sid

Von sid

Mo, 02. Juli 2018

Radsport

24-jähriger Profi aus der Equipe Bora-hansgrohe düpiert die gesamte Sprintelite / Liane Lippert aus Friedrichshafen bei den Frauen vorne.

EINHAUSEN (sid/doe). Marcel Kittel rollte schwer geschlagen davon, dafür strahlte Außenseiter Pascal Ackermann mit der Sonne um die Wette und freute sich diebisch über seinen neuen Dress in Schwarz-Rot-Gold. In einer wahren Hitzeschlacht sicherte sich der Radprofi aus Kandel vom Team Bora-hansgrohe erstmals den Meistertitel im Straßenrennen der Elite und feierte seinen größten Karriereerfolg.

Der 24-Jährige setzte sich nach 228 Kilometern vor dem lange verletzten John Degenkolb (Gera/Trek-Segafredo), der seinen Ruf als ewiger Zweiter unterstrich, und Max Walscheid (Neuwied/Sunweb) durch.

Damit bleibt das deutsche Meistertrikot im Team Bora-hansgrohe, nachdem im Vorjahr Marcus Burghardt gewonnen hatte. Ackermann musste allerdings nach einem Einspruch quälend lange auf das erlösende Urteil der Jury warten. Bei der bevorstehenden Tour de France wird das deutsche Meistertrikot im Feld allerdings nicht zu bewundern sein. Der endschnelle Ackermann wurde von seiner Equipe nicht für die Frankreich-Rundfahrt (7. Juli bis 29. Juli), nominiert.

Katusha-Topsprinter Kittel kassierte hingegen einen empfindlichen Rückschlag und fuhr als Zehnter deutlich am Podest vorbei. Nach einem bislang eher schwachen Jahr 2018 verpasste der 30-Jährige aus Arnstadt den erhofften Befreiungsschlag. Statt im Meistertrikot fährt der Thüringer ohne Erfolgserlebnis zur Tour.

Gleiches gilt für Andre Greipel. Der dreimalige Meister musste sich mit Platz vier zufriedengeben und setzte ebenfalls eine durchwachsene Saison fort. Kittel wie Greipel zeigten sich nicht in der Form, um am kommenden Samstag um das erste Gelbe Trikot bei der Tour kämpfen zu können.

Auf dem nahezu komplett flachen Kurs über 19 Runden und 228 Kilometer an der Bergstraße hatte sich bereits früh ein sehr flottes Rennen entwickelt, der Temposchnitt der ersten Rennhälfte lag bei 44 Stundenkilometern. Nach einer knappen halben Stunde bildete sich eine achtköpfige Fluchtgruppe – allesamt Fahrer aus unterklassigen Teams.

Als die Ausreißer rund fünf Minuten Vorsprung hatten, machten die Favoriten mit der Verfolgung ernst – 80 Kilometer vor Schluss raste das Feld mit fast 60 Stundenkilometern der Spitzengruppe hinterher. Vor allem Bora-hansgrohe mit Titelverteidiger Burghardt (Zschopau) machte mächtig Druck.

60 Kilometer vor dem Ziel waren die Ausreißer gestellt, doch wenig später bildete sich die nächste Spitzengruppe, wieder mit Außenseitern. Die Favoriten hielten sich bis in die Schlussphase bedeckt – dann sollte Kittels Stunde schlagen, doch der Hüne ist weiterhin ein Schatten seiner Vorjahresausgabe. Teamkollege Tony Martin (Cottbus), der am Freitag zum siebten Mal in Folge das Zeitfahren gewonnen hatte, leistete wertvolle Helferdienste für Kittel, ehe er sich kurz vor dem Ziel zurückfallen ließ. Der Sprintzug Katusha funktioniert weiterhin nicht optimal.

Die in Freiburg lebenden Profis Simon Geschke und Johannes Fröhlinger (beide Sunweb) sowie der Vize-Meister im Zeitfahren, Jasha Sütterlin, hatten mit dem Ausgang des Rennens bei großer Hitze nichts zu tun.

Die Friedrichshafenerin Liane Lippert hatte sich bereits am Samstag das Meistertrikot bei den Frauen gesichert. Nach 132 Kilometern war sie im Ziel Schnellste einer siebenköpfigen Fluchtgruppe. Die 20-Jährige und Junioren-Europameisterin von 2016 war überglücklich: "Das ist der schönste Erfolg meiner Karriere."

Gut unterwegs war die aus Merdingen stammende und für das Team Gesundshop24 startende Annika Teschke, die mit 14 Sekunden Rückstand auf die Siegerin 24. wurde. Corinna König vom SV Kirchzarten kam mit demselben Rückstand auf Rang 29., die Lörracherin Clara Koppenburg mit identischer Zeit Rang 31. Elf Sekunden später beendete die für die RIG Freiburg fahrende Antje Thamm als 49. von 63 ins Ziel gekommenen Fahrerinnen das Rennen. Titelverteidigerin Lisa Klein (Völklingen) konnte wie die anderen Favoritinnen nicht in die Entscheidung um das Meistertrikot eingreifen.