Degenkolb erster deutscher Etappensieger bei Tour 2018

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Von dpa

Mo, 16. Juli 2018

Radsport

Das neunte Teilstück der Frankreich-Rundfahrt nach Roubaix wird von zahlreichen Stürzen überschattet / Van Avermaet weiter in Gelb.

ROUBAIX (dpa). John Degenkolbs Sieg und dramatische Sturz-Serien haben das Roubaix-Spektakel am zweiten Tour-Wochenende geprägt. Im sechsten Jahr klappte es endlich mit dem ersten Tour-Etappensieg Degenkolbs, der den Frühjahrs-Klassiker Paris – Roubaix an gleicher Stelle vor drei Jahren gewonnen hatte. Mitfavorit Richie Porte musste am Sonntag auf der neunten Etappe mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch aufgeben. Der verletzte Tony Martin hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seine Heimreise von der 105. Tour de France angetreten.

Direkt neben dem altehrwürdigen Velodrom siegte Degenkolb, der am Sonntag mit Tränen in den Augen durchs Ziel fuhr, nach 156,6 Kilometern vor Greg Van Avermaet und dessen belgischen Landsmann Yves Lampaert. "Es ist so schwierig, das jetzt in Worte zu fassen. Ich habe eine unfassbar schwere Zeit hinter mir. Meine Familie stand immer hinter mir, und es ist das Beste, was es gibt, und das Schönste auf der Welt, dass ich ihr das jetzt zurückgeben kann", sagte der völlig fertige und dreckverschmierte Sieger in der ARD. Bei einem Unfall im Januar 2016 war Degenkolb schwer verletzt worden, die Karriere des Trek-Segafredo-Profis hing am seidenen Faden.

Degenkolb gewann den Spurt des Trios, das sich auf der drittletzten Kopfsteinpflaster-Passage abgesetzt hatte, aus der ungünstigen Spitzenposition. Olympiasieger Van Avermaet konnte seinen Vorsprung an der Spitze des Gesamtklassements als Etappen-Zweiter ausbauen.

Viele Fahrer gingen beim Roubaix-Wahnsinn über 21,7 Kilometer Buckelpiste zu Boden. Von den Favoriten kamen der ebenfalls gestürzte viermalige Toursieger Chris Froome, Tom Dumoulin und Vincenzo Nibali trotzdem am besten mit den widrigen Umständen zurecht. Mitfavorit Romain Bardet verlor dagegen im Kampf um das Gelbe Trikot durch drei Defekte wertvollen Boden, genau wie der Spanier Mikel Landa durch einen Sturz.

Martin und Porte waren den Tränen nahe. Der Australier musste wie 2017 die Tour vorzeitig verlassen. Bei einem Massensturz 37 Kilometer vor dem ersten Sektor des gefürchteten Kopfsteinpflasters schied der große Herausforderer des viermaligen Toursiegers Froome aus. Zu diesem Zeitpunkt war der am Vortag vor Amiens gestürzte Martin mit einem Rückenwirbel-Bruch schon auf der Heimreise. "Weiterzufahren wäre nicht zu verantworten gewesen. Die Entscheidung fiel mir sehr schwer, die Roubaix-Etappe war eigentlich mein Tour-Highlight", sagte Martin. "Ich bin mit großer Geschwindigkeit auf Kopf und Rücken gefallen – mehr oder weniger ungebremst. Jetzt habe ich erstmal vier Wochen Fahrverbot". Sein WM-Start erscheint gefährdet.

Angesichts der puren Dramatik der neunten Etappe waren die Aufreger des Samstags – Stunk im Team von Marcel Kittel und die Jury-Bestrafung gegen André Greipel – in den Hintergrund gerückt. Greipel fand sich nur schwer mit seiner Zurücksetzung von Rang zwei auf Platz 92 wegen seines Gerangels mit dem drittplatzierten Fernando Gaviria im Schlussspurt der achten Etappe ab. Er fühlte sich "um den Etappensieg beraubt". Den hatte sich in Amiens wieder ziemlich souverän der Niederländer Dylan Groenewegen gesichert, der am Sonntag auch zu den zahlreichen Sturzopfern gehörte.

Kittel, dessen Teamleitung ihm Egoismus und zu wenig Effektivität vorwarf, stellte sich auf der gefährlichen Roubaix-Etappe in den Dienst Ilnur Zakarins. Der zierliche Russe ist bei Katusha-Alpecin der Mann für das Gesamtklassement. Kittel-Manager Jörg Werner will am Ruhetag, also an diesem Montag, in Albertville in einem Gespräch versuchen, die Gemüter zu beruhigen.