Infront

Der Deutsche Mountainbike-Meister Markus Bauer gründet in Freiburg eigene Fahrradmarke

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 03. Juli 2018 um 09:39 Uhr

Freiburg

Im Oktober wurde Markus Bauer deutscher Mountainbike-Meister. Danach löste sich sein Team auf – und Bauer stand ohne Arbeitgeber da. Jetzt bringt der 28-Jährige eine eigene Fahrradmarke auf den Markt.

Manchmal kommt es anders, als man denkt. Im Oktober avancierte Markus Bauer zum deutschen Mountainbike-Meister auf der Marathondistanz. Für den Wahl-Freiburger war dies der Höhepunkt seiner Profilaufbahn als Sportler – und ihr Schlusspunkt. Denn im Anschluss löste sich sein Team auf. Trotz des Erfolgs stand Bauer ohne Arbeitgeber da. Der 28-jährige studierte Wirtschaftsingenieur macht aus der Not eine Tugend und gründet seine eigene Radmarke. Damit gewinnt die Region als Fahrradtechnik-Standort weiter an Bedeutung.

"Der Mountainbike-Profisport ist im Umbruch", erklärt Markus Bauer, "denn während für die Hersteller die E-Bikes wirtschaftlich immer wichtiger werden, verliert der MTB-Sektor an Bedeutung – und die Neigung der Hersteller, Geld für den Unterhalt von Radteams bereitzustellen, schwindet." Bauer erlebte die Folgen am eigenen Leib. Das Kreidler-Werksteam, für das er drei Jahre lang unterwegs war, wurde vom Sponsor, dem Oldenburger Radhersteller Cycle Union, Ende 2018 aufgelöst.

Zusammengebaut werden die Räder in Oldenburg

Der studierte Wirtschaftsingenieur, der gegenwärtig an der Hochschule Furtwangen zusätzlich einen Masterabschluss mit dem Schwerpunkt Produktinnovation macht, musste beruflich umsatteln. Nun hat er die Fahrradmarke Infront-Bikes gegründet. "Da kann ich meine Erfahrung aus dem Rennsport und das Know-how aus meinem Studium mit einbringen", erklärt Bauer, der ursprünglich aus dem Städtchen Lohr am Main zwischen Würzburg und Aschaffenburg stammt, aber seit neun Jahren in der Region lebt.

Der Clou: Infront-Bikes startet als Elektro-MTB-Marke – und arbeitet mit Cycle Union zusammen. "Wir hier in Freiburg konzipieren und konstruieren die Räder, gefertigt werden sie Oldenburg", berichtet der Jungunternehmer. Seinen Sitz hat Infront in der USK-Fabrik in Littenweiler, Am Kreuzsteinacker 2-8. "Ich habe nichts gegen die E-Bike-Technik, im Gegenteil", sagt Bauer, "ich finde E-Bikes haben eine sozial positive Wirkung, denn sie erleichtern es, gemeinsam Rad zu fahren, auch wenn das Niveau unterschiedlich ist, und sie bringen Menschen aufs Rad zurück, die ohne Elektrounterstützung gar nicht mehr fahren würden."

Nicht die einzige Radmarke aus der Region

Das erste Infront-Rad – es ist bereits zu ordern – ist das IF-1, ein All-Mountain-MTB mit Federgabel und Elektromotor für rund 3500 Euro. "Nun geht es darum, dass wir die Marke Schritt für Schritt aufbauen", so der Firmengründer, der von einem dreiköpfigen Mitarbeiterteam unterstützt wird. "Parallel arbeiten wir an einem E-Fully", so Bauer weiter – also einem E-MTB mit Vorder- und Hinterradfederung.

Infront ist nicht die einzige Radmarke aus der Region Freiburg. Im Jahr 2005 schon hat der Wirtschaftsingenieur Oliver Römer die Firma Tout Terrain gründet, die er gemeinsam mit seiner Frau Stephanie leitet und die in Gundelfingen Fahrräder unterschiedlicher Typen mit und ohne E-Unterstützung sowie Radanhänger produziert. Anders als bei Infront werden die Räder nicht nur vor Ort entwickelt, sondern auch zusammengebaut und vertrieben.

"Wir hier in Freiburg konzipieren und konstruieren die Räder, gefertigt werden sie Oldenburg." Markus Bauer

Daneben haben sich in der Region Freiburg noch etliche weitere Betriebe etabliert, die mit Fahrradtechnik und Fahrradteilen Geschäfte machen. Von Merzhausen bedient das 2003 gegründete Unternehmen Trickstuff den Markt mit selbst entwickelten Bremsen, Bremselementen und Antriebselementen für Fahrräder. Anders Skantz fertigt in Gundelfingen Hochleistungslaufräder für MTB und Rennräder.

Die Firma Denk Engineering unter Leitung von Peter Denk in der Brombergstraße 2a, Wiehre, hat sich seit der Gründung im Jahr 1997 international einen Namen als unabhängiges Design- und Entwicklungsbüro für Fahrräder und Fahrradkomponenten erarbeitet und zählt Marken wie Cannondale, Scott und Specialized zu seinen Kunden. Peter Denk hält bewusst an Freiburg als Standort für Fahrradtechnik-Entwicklung fest. Hier könne man Produkte perfekt testen – wegen der vielen hier lebenden Radprofis und wegen der topografischen mit Flachstrecken und Schwarzwaldpässen gleich um die Ecke.

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