Die Belohnung einer Unbeugsamen

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Di, 24. Juli 2018

Mountainbike

Mountainbikerin Adelheid Morath gewinnt DM-Silber / Kirchzartener Lexware-Team in St. Ingbert mit Vierfach-Erfolg in der U 23.

MOUNTAINBIKE. Sie hatte an ihrer Form gezweifelt, mit sich und ihrem momentanen Können gehadert – und wurde für so viel Selbstkritik belohnt: Die St. Märgenerin Adelheid Morath gewann bei der deutschen Meisterschaft in St. Ingbert die Silbermedaille. Georg Egger vom Kirchzartener Lexware-Team wurde im Eliterennen der Männer Vizemeister. In der Altersklasse U23 gab es für das Kirchzartener Team einen Vierfach-Erfolg.

Es war ein großes Handicap. Die St. Märgenerin bestritt bei der DM nach zwei Knochenbrüchen in Folge und jeweils wochenlanger Verletzungspause bei den nationalen Titelkämpfen erst das zweite Cross-Country-Rennen in dieser Saison. Und so wollte Adelheid Morath eigentlich erst mal "einfach nur am Hinterrad bleiben." Am besten an dem der DM-Favoritin Elisabeth Brandau (Schönaich). Doch Nadine Rieder aus Sonthofen durchkreuzte diese Pläne bereits in der ersten von sechs Runden, als sie vor Morath fahrend vor einem Doppelsprung aus dem Pedal rutschte und beinahe stürzte. Die Freiburgerin verlor den direkten Kontakt zu Brandau, kurbelte aber stabil auf Rang zwei. Der Abstand blieb lange bei 30 Sekunden, doch näher heran an Brandau, die sich erstmals den DM-Titel sicherte, kam Morath nicht mehr.

So überquerte die knapp 34-Jährige mit 54 Sekunden Rückstand auf Brandau (1:25:42) als Deutsche Vizemeisterin die Ziellinie. "Ich habe versucht, das sicher durchzuziehen und bin happy über Silber. Lisa hat in dieser Saison super Leistungen gezeigt und sich das Meistertrikot verdient", kommentierte Morath ihr Resultat einigermaßen erleichtert darüber, dass sie auf den "Bomb Trails" das Ziel erreicht hatte. "Es fehlt mir schon noch einiges", konstatierte die St. Märgenerin.
Dritte wurde Nadine Rieder mit genau drei Minuten Rückstand.

Im Eliterennen der Männer entwickelte sich im Kampf um die Medaillen ein spannendes Rennen, in dem Lexware-Fahrer Georg Egger (Aichen) eine ebenso bravouröse wie kuriose Vorstellung bot. Favorit Manuel Fumic (Kirchheim/Teck) hielt sich zu Beginn des Cross-Country-Rennens im Spitzenquartett erst einmal zurück und trat erst drei Runden vor Schluss an vorderster Position in Erscheinung, als sich Egger, der Freiburger Martin Gluth und der Essener Ben Zwiehoff müde gefahren hatten. Dem robusten Antritt des Schwaben konnte zuerst nur Egger folgen, Zwiehoff musste zehn Sekunden Rückstand hinnehmen und Gluth weitere fünf.

Weil Fumic den 23-Jährigen Begleiter nicht abschütteln konnte, begann er in der Schlussrunde zu taktieren. So kam Zwiehoff nochmals heran. Fumic hielt das Tempo jedoch so hoch, dass keine Attacke mehr kam. Allerdings kam sie von Georg Egger nicht, weil ihm ein folgenschwerer Lapsus unterlief. Egger dachte, es wäre noch eine Runde mehr zu fahren. Die Glocke zur Schlussrunde hatte er überhört und fuhr mit einer Sekunde Rückstand als Zweiter hinter Fumic (1:23:27) konsterniert über die Ziellinie. "Ich habe mich super gefühlt und wollte mich auf die letzte Runde fokussieren. Ist natürlich meine Schuld, das ist ärgerlich", so Egger sichtlich zerknirscht. Zu gerne hätte er gewusst, ob er den 36-jährigen Fumic hätte vom Thron stoßen können. "Aber Silber ist auch total geil", konnte er auch dieser Medaille im ersten Elite-Jahr etwas abgewinnen. Ben Zwiehoff wurde mit einer weiteren Sekunde Rückstand Dritter.

Pascal Ketterer vom RSV Hochschwarzwald fuhr mit einer Runde Rückstand auf den 25. Platz, Heiko Hog vom Breitnauer Team Freiburger Pilsner-Merida wurde mit zwei Runden Rückstand aus dem Rennen genommen und auf Rang 28 gewertet. Mehr war fünf Tage vor der Sprint-Europameisterschaft nicht drin für Hog. An einem Baum endete das Rennen für seinen Teamgenossen Simon Gutmann. Bei der Kollision ging das Bike des Breitnauers zu Bruch. Im Rennen der U23 feierte das Lexware-Team einen Vierfach-Triumph. Max Brandl konnte nach einer Attacke in Runde zwei die entscheidende Lücke reißen. "Es ist natürlich wunderschön, den Titel zu verteidigen", freute sich der Freiburger. Dass hinter ihm mit Luca Schwarzbauer (+0:45) und Vinzent Dorn aus Kirchzarten (+0:50) zwei weitere Lexware-Fahrer die anderen Medaillen abräumten und mit dem Freiburger Jannick Zurnieden auch noch ein weiterer Lexware-Fahrer Vierter (+1:33) wurde, das machte die DM-Titeljagd noch runder.

Luca Girke U23-Elfter, Lina Riesterer auf Rang acht

Auch beim Breitnauer Team Freiburger Pilsner sah man zufriedene Gesichter. Der Grafenberger Luca Girke fuhr in seinem ersten U23-Jahr gleich auf Platz elf. "Nach meinen Knieproblemen in den vergangenen Wochen bin ich mehr als zufrieden. Ich bin mein Ding gefahren und es hat sehr gut gepasst", so Girke. Sein Teamkollege Florian Reichle landete auf Rang 21 (+8:23).

Für das Team Lexware holte Lars Hemmerling in der U19 eine Bronzemedaille, 1:06 Minuten hinter Leon Kaiser (Monheim). Für die Pilsner-Merida-Truppe fuhr Jakob Niemeyer mit 3:39 Minuten Rückstand auf Kaiser (1:01:59) als Siebter über die Ziellinie. "Das war das, was realistisch war", befand Niemeyer nach der x-ten Mandelentzündung in diesem Jahr.
Teamkollege Ben Grupp fuhr auf Rang 15 (+6:51), Sören Schneider wurde als 30. gewertet. Am ersten DM-Tag hatte Thore Hemmerling für das Team Lexware den ersten Titel eingefahren. Er gewann die U17-Kategorie 30 Sekunden vor Louis Krauss aus Neckartailfingen.

Die Breitnauerin Lina Riesterer hatte sich im U17-Rennen mehr erhofft als Rang acht, 2:18 Minuten hinter der neuen Deutschen Jugendmeisterin Luisa Daubermann (Gessertshausen). Zu Beginn des Rennens kurbelte sie in einer fünfköpfigen Spitzengruppe, doch das Tempo konnte sie nicht halten. "Ich habe den Anschluss verpasst und musste dann viel alleine fahren", so die Breitnauerin. In der Altersklasse U15 überzeugte Jeremy-Cedric Steiner vom RSV Hochschwarzwald mit Rang fünf. Vereinskollege Mika Webs wurde 18.