Moutainbike

Die Breitnauer Hog und Gutmann fahren zur WM nach China

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mi, 08. November 2017

Mountainbike

Die Breitnauer Mountainbiker Heiko Hog und Simon Gutmann starten bei der Sprint-Weltmeisterschaft im chinesischen Chengdu.

MOUNTAINBIKE. Das Beste kommt zum Schluss. Heiko Hog (22), vor zwei Jahren Vize-Europameister im MTB-Sprint und Simon Gutmann (21), daheim in der Wintersporthochburg Breitnau und Teammitglieder des von Andrea Gutmann geführten Freiburger-Pilsner-Merida-Teams, erwartet in China der absolute Saisonhöhepunkt. Am Sonntag zählen die beiden Hochschwarzwälder bei der Weltmeisterschaft im Eliminator-Sprint in der Elf-Millionenstadt Chengdu zum erweiterten Favoritenkreis.

Sie hätten in diesen grauen Novembertagen, wie viele ihrer Profi- und Hobbykollegen, einfach die Beine hochlegen und sich entspannen können nach einer harten, langen, kraftraubenden Saison mit zig Mountainbike-Rennen. "Nix da, ausruhen können wir auch später", sagt Heiko Hog. Die Chance, bei der Weltmeisterschaft im Eliminator-Sprint in die Pedale treten zu dürfen, empfinden sie als Geschenk. Bezahlen müssen sie es freilich selbst. Rund 1800 Euro pro Kopf kosten Hin- und Rückflug nach China. Freunde und Gönner des Breitnauer MTB-Rennstalls unterstützen die zwei Hochschwarzwälder, die am Montag aus Frankfurt per Jumbo in den fernen Osten starteten und nach einem Zwischenstopp in Shanghai und drei weiteren Stunden Flug am Ort ihrer WM-Träume landeten.

"Weltmeister und

Vizeweltmeister,

das wär’s."

Hog und Gutmann über ihre Träume
Chengdu ist die Hauptstadt der Provinz Sichuan und liegt in der Ebene des Roten Beckens im Westen von China. Ein Ort, der für Hog und Gutmann bis vor ein paar Wochen noch ein weißer Fleck auf der Landkarte war. Jetzt wissen sie ein bisschen mehr, auch wenn sie beim Abflug noch keine Ahnung hatten, was für eine Strecke sie in der Elfmillionenstadt erwartet, ob der Kurs eckig oder rund, fair oder fies und vielleicht viel zu eng ist.

Pflicht ist für die beiden vor der WM-Kür ein Zoobesuch. Chengdu ist die Heimat des Pandabären, die 1987 errichtete Kolonie der extrem seltenen Tiere ist die größte Aufzuchtstation der Welt, in der mehrere Dutzend Pandabären leben.

Nur ein paar Tage Pause hatten sich die beiden Trainingskumpel Hog und Gutmann Ende September gegönnt, ehe die gezielte WM-Vorbereitung mit Treppenläufen und Schnellkrafttraining begann. Bei einem Ampelstart könnten sie jetzt mit wie Trommelstöcken wirbelnden Beinen auf den ersten zwanzig Metern einem Porsche davonfahren. Wettkämpfe im Eliminator-Sprint sind Kraftverschwendung. Ungebremst. Jenseits der Belastungsgrenze. Binnen zwei Minuten heißt es in Chengdu im Einzelzeitlauf der Qualifikation und den Platzierungsläufen, bei denen immer vier Sprinter (die besten zwei erreichen die nächste Runde) gemeinsam Rad an Rad über den Kurs hetzen, alle Kraft, die in Oberschenkeln und sehnigen Waden steckt, auf dem Pedal zu verprassen.

Eine Knieentzündung, die Heiko Hog bis vor zwei Wochen zwickte, ist abgeklungen, "die Form ist gut", sagt der Student. Hog versucht gelassen zu wirken. Es mag nicht recht gelingen. Schließlich weiß er genau, was ihn und Simon Gutmann erwartet. Hochspannung. Ein Kampf um alles oder nichts. "Im Sprint herrscht zwei Minuten lang Alarmbereitschaft", so Hog, "vom Start bis ins Ziel kann da alles passieren". Am besten so wie vor zwei Jahren, als der Hochschwarzwälder bei der Sprint-Europameisterschaft in Italien sensationell EM-Silber gewann. Ein Erfolg, der wie ein Edelstein im Rennfahrerhirn des Breitnauers verankert ist. "Ich weiß, wie’s geht", sagt Hog leise aber bestimmt. In Chengdu wird er mit Simon Gutmann bewusst am kleinen Rad drehen. Die bei Cross-Country-Rennen eingesetzten, auf 29 Zoll großen Reifen rollenden Mountainbikes sind nicht agil genug für ruppige Sprintkurse – und so werden die beiden Breitnauer auf 27,5-Zöllern ins WM-Rennen starten. Mit robustem Selbstvertrauen, ohne Zögern. "Ziel ist auf jeden Fall das Halbfinale", sagt Hog und damit eine Platzierung unter den Top-Acht, "der Rest ist Bonus".

Ein Bonus, auf den auch Simon Gutmann scharf ist. "Die Form ist richtig gut", entscheidend sei jetzt, dass er in Chengdu sein Leistungsvermögen abrufen könne. "Im Sprint brauchst du einfach Glück", weiß Gutmann. Glück und Können am besten kombiniert hat in dieser Saison der Aalener Simon Gegenheimer, der als Weltcup-Gesamtsieger in China Topfavorit auf den WM-Titel im Eliminator-Sprint ist. Vielleicht hat Fortuna aber ganz was anderes im Sinn. "Weltmeister und Vizeweltmeister, das wär’s", feixen Hog und Gutmann unisono.