Die Fesseln der Mathematik

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Di, 10. Juli 2018

Mountainbike

Alle wollen bei den MTB-Weltcups unter die Besten, was jedoch nicht möglich ist / Brandl nach Sturz in Val di Sole Zwölfter.

MOUNTAINBIKE. Beim Mountainbike-Weltcup im italienischen Val di Sole hat der Deutsche U-23-Meister Max Brandl vom Lexware-Team den zwölften Platz in der Klasse U 23 belegt. Teamkollege Georg Egger kam in der Eliteklasse der Männer auf den 45. Platz.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffen in der Welt des Sports manchmal große Lücken. "Beim Fußball verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft", hat Philosoph Jean-Paul Sartre mal zum Besten gegeben. Im Cross-Country-Mountainbikesport sind es die Konkurrenten, die neben, hinter und vor einem das Gleiche wollen: weiter nach vorne, eine bessere Platzierung. Prognosen sind deshalb immer schwierig und sehr vage. Georg Egger vom Lexware-Team aus Kirchzarten hat nach einem starken Frühjahr und einem 22. Platz beim Weltcup in Nove Mesto Selbstbewusstsein getankt und wollte das Resultat gerne im Trentino wiederholen. So ging er das Rennen in Val di Sole an. Allerdings wollen mehr als 50 Fahrer unter die ersten 25, was nach den Gesetzen der Mathematik einfach nicht geht. Georg Egger fuhr von Position 54 nach der 2,8 Kilometer langen Startrunde und der nächsten Schleife bis auf Platz 42 nach vorne. Nach vier von acht Runden lag er an 35. Stelle. "Ich wollte Richtung Top 25, daran habe ich mein Tempo ausgerichtet. Vielleicht habe ich etwas überzogen", sagte er im Ziel selbstkritisch. Tatsächlich hatte er in Runde vier die 19. Zeit abgeliefert. Danach fiel er wieder zurück. Und auch als der Deutsche Meister Manuel Fumic (Kirchheim/T.), der mit Rückenproblemen kämpfte, von hinten kam, konnte Egger in dieser Gruppe nicht mitfahren. "Die letzten beiden Runden waren nur noch Kampf", sagte Egger, der schließlich mit 6:54 Minuten Rückstand auf Weltmeister Nino Schurter das Ziel als 45. erreichte. Er war immerhin noch zweitbester Deutscher.

So richtig rund lief es auch bei den U-23-Startern des Teams Lexware in Val di Sole nicht, doch eine Steigerung gegenüber Nove Mesto war zu erkennen. "Es wäre mehr drin gewesen." Diesen Satz sagte Max Brandl im Ziel, das er als Zwölfter mit 1:56 Minuten Rückstand auf den siegreichen Norweger Petter Fagerhaug erreichte. Dass sein Ergebnis nicht besser war, lag an einem Sturz in Runde drei. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Brandl gerade von Position 13 auf sieben nach vorne gefahren und Platz vier lag nur wenige Sekunden vor ihm. "Ich bin ein wenig zu weit außen gefahren und deshalb weggerutscht", sagte der Freiburger Student. "Der Sturz war unnötig und ärgert mich."

Das Malheur war richtungsweisend für den Rest des Rennens. Er verlor zwar nur rund zehn Sekunden, aber gleich fünf Positionen. Um das wieder zu korrigieren, musste Brandl viel Energie aufwenden. Zwischenzeitlich lag er auf dem 15. Platz. So schnell wie vor dem Sturz war er danach nicht mehr. Die Gruppe um Rang sieben war nicht weit weg, doch den Anschluss konnte der 21-Jährige nicht mehr herstellen. "Schade, ich habe mich super gefühlt", so Brandl.

Lexware-Teamkamerad Luca Schwarzbauer nannte seine Leistung "halbwegs solide". Das Ergebnis entsprach nicht der Leistung, denn er hatte mit einem losen Lenker zu kämpfen. Schon in Runde eins verdrehte sich die Steuereinheit. Weil er bei einem Stopp viele Positionen verloren hätte, versuchte er selbst den Lenker wieder gerade zu biegen. Das klappte nur kurzfristig. Als sich die Reihen halbwegs gelichtet hatten, hielt Schwarzbauer in der technischen Zone an und ließ den Lenker festziehen. Das kostete ihn mehr als zehn Positionen. Von Rang 41 legte er den Vorwärtsgang ein und fuhr noch bis auf Rang 28 nach vorne. Mit 4:02 Minuten Rückstand erreichte er das Ziel, was schon eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Weltcup in Nove Mesto war.

Seine erst 18-jährigen Lexware-Teamkollegen Jannick Zurnieden und David List kamen in der U-23-Klasse auf die Plätze 52 (6:38 Minuten zurück) und 58 (7:26 Min.) und waren darüber nicht wirklich glücklich. Vor allem List, der über Atemprobleme klagte. Und darüber, dass einige Konkurrenten in der heiklen Startphase durch fehlerhaftes Einklicken ins Pedal die Situation verkomplizierten. Vinzent Dorn gab wegen einer schon vorher lädierten Rippe auf.