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04. Juli 2008

Die Radler auf dem Prüfstand

Die 95. Tour de France will wieder großen Sport bieten – und glaubt dafür die Voraussetzungen geschaffen zu haben

  1. Allez, allez: Bei der Tour de France geht es in diesem Jahr in erster Linie um die Glaubwürdigkeit des Radsports. Foto: roth

BREST/FREIBURG. Es geht um die Glaubwürdigkeit und damit zumindest ein Stück weit um die Zukunft des Profiradsports. "Wir haben alles getan, um ein sauberes Feld an den Start zu bringen", sagt Christian Prudhomme, der Direktor der Tour de France, die an diesem Samstag in Brest in der Bretagne zum 95. Mal gestartet wird. Nach zwei mehr oder weniger Katastrophen-Jahren, die gekennzeichnet waren durch dreiste Doping-Manipulationen und uneinsichtige Fahrer und Teamchefs, dazu zehn Jahre nach dem schlagzeilenträchtigen Festina-Skandal, versucht die Tour in diesem Sommer ein neues Kapitel im Radsport einzuläuten.

Dazu, keine Frage, wurde einiges getan: Das zumindest in der Vergangenheit höchst dubiose Astana-Team mit Titelverteidiger Alberto Contador und der deutschen Tour-Hoffnung Andreas Klöden, wurde gleich gar nicht nach Frankreich eingeladen. Der belgische Supersprinter Tom Boonen muss wegen erwiesenen Kokain-Konsums zu Hause bleiben, dazu der Weltverband UCI vor die Tür gesetzt. Die Tour möchte sich nicht mehr reinreden lassen von UCI-Präsident Pat McQuaid und Konsorten, die nach Ansicht von Prudhomme und seinen Mitstreitern nicht genug gegen Doping unternehmen. Gleichwohl geht es auch um die Vermarktung, ums Geld also. Die Tour-Veranstalterin ASO möchte die Tour – wie auch andere von ihr organisierte Rennen – selbst vermarkten und deshalb auch selbst bestimmen, welche Fahrer und Mannschaften bei ihr an die Startlinie rollen dürfen.

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Ein umfangreicher Strafenkatalog mit bis zu 100 000 Euro Buße und neue Tests auf Wachstumshormone, die ein Labor im eidgenössischen Lausanne binnen 24 Stunden auswerten kann, sollen in diesem Jahr die Manipulateure im Sattel abschrecken. Zwei Tage vor dem Start mussten sich gestern zudem alle 180 Fahrer umfangreichen Bluttests unterziehen. Während der Rundfahrt soll es mehr unangemeldete Kontrollen als bisher geben, zudem mussten sich die Team verpflichten, täglich zwischen sechs Uhr morgens und 21 Uhr abends in den Hotels für Dopingtests zur Verfügung zu stehen. Auch Haar- und Nagelproben sollen dann genommen werden. Für den Deutschen Jens Voigt steht fest: "Umfangreichere Kontrollen gibt es in keiner anderen Sportart."

Gleichwohl sind die dunklen Schatten der Vergangenheit nicht ohne weiteres abzuschütteln. Als einer der großen Favoriten der "großen Schleife" gilt der Spanier Alejandro Valverde. Alle dubiosen Dementis des 28-Jährigen konnten jedoch den Verdacht nicht entkräften, wonach auch Valverde "Patient" von Doping-Arzt Eufemiano Fuentes war. Es wird interessant sein zu beobachten, wie der bunte Tross mit Valverde umgehen wird.

Für einige deutsche Fahrer, dürfte die Tour zu einer Art Bewerbungsstrampeln werden. Hans-Michael Holczer, Chef der Equipe Gerolsteiner, hat noch keinen Nachfolger für den als Sponsor aussteigenden Mineralwasser-Abfüller aus der Eifel gefunden – die Fahrer, darunter die beiden in Freiburg lebenden und bei der Tour startenden Fabian Wegmann und Heinrich Haussler – müssen sich also nach Alternativen umschauen. Interessenten, so heißt es, hätten schon angeklopft.

Dem spektakulären Ausstieg von 2007 zum Trotz, wird das Fernsehen bei dieser Tour wieder mit von der Partie sein. Sowohl ARD/ZDF wie Eurosport übertragen – und wollen auch bei erneuten Doping-Exzessen nicht aussteigen. Vielmehr möchte man sich mit Fachleuten des explosiven Themas annehmen.

Autor: Michael Dörfler