"Es ist sicher keine Schande, gegen Gaviria zu verlieren"

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Von dpa

Mi, 11. Juli 2018

Radsport

André Greipel belegt auf der vierten Etappe der Tour de France im Sprint den dritten Platz / Greg Van Avermaet weiter Gesamterster.

SARZEAU (dpa). André Greipel trat mit letzter Kraft in die Pedale, dann schlug er vor Ärger auf den Lenker. Alle Mühe war wieder umsonst. Fernando Gaviria ist der neue Sprintkönig der Tour de France, gegen den Kolumbianer sind die deutschen Sprintasse derzeit ohne Chance. Der vollbärtige Kolumbianer holte sich am Dienstag seinen zweiten Etappensieg bei der 105. Tour de France und verwies den dreimaligen Weltmeister Peter Sagan und Greipel auf die Plätze. Olympiasieger Greg Van Avermaet aus Belgien (BMC Racing Team) verteidigte sein Gelbes Trikot.

Auch der in Frankreich als "Le Kaiser" verehrte Marcel Kittel sprintete vergeblich um den Tagessieg. Der Thüringer, der im vergangenen Jahr noch fünfmal triumphierte, musste sich auf der vierten Etappe nach 195 Kilometern in Sarzeau mit Rang fünf begnügen. Auffällig auch diesmal: die Abstimmung in seinem Katusha-Alpecin-Team läuft weiter alles andere als optimal. "Mit der Brechstange geht es nicht, ich war 600 Meter vor dem Ziel eingebaut", haderte Kittel.

Besser postiert war Greipel. Vier Meter vor dem Ziel sah der gebürtige Rostocker wie der Sieger aus. Dann kam aber noch der unwiderstehliche Tour-Neuling Gaviria und mit einem Tigersprung auch Sagan. Der 35 Jahre alte Greipel kämpft bei seinem Lotto-Soudal-Rennstall um eine Vertragsverlängerung – dem Vernehmen nach ist der dreimalige deutsche Meister für die nächste Saison schon woanders untergekommen.

Nach der Zieldurchfahrt hatte sich der gebürtige Rostocker, der wegen seiner Kräfte auch "Gorilla" genannt wird, schnell wieder beruhigt. "Ich bin einen guten Sprint gefahren. Es ist sicher keine Schande, gegen Gaviria zu verlieren", sagte Greipel.

Gaviria freute sich über seinen zweiten Streich: "Das war ein sehr schwieriger Sieg. Wir hatten nicht soviel Hilfe, um die Ausreißer zu kontrollieren. Die Mannschaft musste hart arbeiten. Wir wissen, dass Sagan der beste Fahrer im Peloton ist. Er hat ein sehr starkes Level."

Passend zum Fußball-WM-Halbfinale bildeten jeweils zwei Belgier und zwei Franzosen die Ausreißergruppe des Tages. Aber das Quartett wurde – wohl dosiert – erst 1200 Meter vor dem Ziel gestellt.

Erstmals in der Tour-Geschichte war Sarzeau Etappenort. Der Bezug zum Radsport war für das 10 000 Einwohner große Städtchen vielleicht bei der Bewerbung nicht hinderlich: Weltverbands-Präsident David Lappartient ist Bürgermeister der bretonischen Gemeinde. Sky-Teamchef Sir Dave Brailsford ist auf den Funktionär indes nicht gut zu sprechen. Der Brite wirft ihm in der Salbutamol-Affäre Parteinahme gegen Christopher Froome vor und gab Lappartient Mitschuld an der aufgeheizten Stimmung unter den Fans gegen den Seriensieger, der unmittelbar vor dem Tourstart vom Dopingverdacht freigesprochen worden war. "Er hat Öl ins Feuer gegossen", sagte Brailsford englischen Medien. "Lappartient muss sich entscheiden, will er Chef eines internationalen Sportverbandes oder Bürgermeister einer Kleinstadt sein. Der Blick durch die französische Brille reicht nicht. Er muss unparteiisch sein", bemängelte Brailsford. Er möchte die Diskussion "nicht personalisieren", antwortete Lappartient in der französischen Sportzeitung L’Équipe.

Tour am Mittwoch: 5. Etappe, Lorient - Quimper über 204,5 Kilometer.

Gesamtwertung nach der 4. Etappe: 1. Van Avermaet (Belgien) 3:33:56 Std.; 2. Van Garderen (USA) – beide BMC Racing Team + 0 Sek.; 3. Thomas (Großbrit.) -Team Sky + 3 Sekunden; 23. Degenkolb (Frankfurt) -Trek - Segafredo + 1:16 Min.; 31. Geschke (Freiburg) -Team Sunweb + 1:33; 102. Greipel (Hürth) -Lotto-Soudal + 4:58; 122. Martin (Cottbus) -Katusha-Alpecin + 6:54; 131. Kittel (Erfurt) -Katusha-A. + 8:11.