Mountainbike

Furioses Rennen auf rutschigem Grund: Cross-Country-Weltcup in Albstadt

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Di, 22. Mai 2018 um 11:23 Uhr

Mountainbike

Die Mountainbikerin Elisabeth Brandau glänzt beim Weltcup in Albstadt mit Rang fünf, Sabine Spitz muss das Rennen aufgeben. Der rutschige Untergrund sorgte für zahlreiche Stürze und Verletzungen.

Im Jahr 2020 wird die Weltmeisterschaft der Mountainbiker in der olympischen Cross-Country-Disziplin in Albstadt ausgetragen – 25 Jahre nach den famosen Titelkämpfen in Kirchzarten erstmals wieder in Deutschland. Dieser Umstand, die lautstarken rund 10.000 Zuschauer und die Extra-Motivation Heimrennen machten den Weltcup auf der Schwäbischen Alb für Sabine Spitz und Co. zu einem Highlight im Kalender.

Krämpfe wegatmen und sich selbst Mut zusprechen

Zum sechsten Mal traf sich die Weltelite im Tailfinger Bullentäle, und diesmal war es eine Schwäbin, die das Publikum begeisterte. Elisabeth Brandau fuhr von Startposition 46 aus auf den fünften Platz und durfte sich damit auf dem Podium feiern lassen. Die Schönaicherin kämpfte bisweilen sogar an dritter Stelle, doch am Ende musste sie "mit mir selber sprechen" und Krämpfe "wegatmen", wie sie sagte. Es scheint funktioniert zu haben, denn den Angriff der Schweizerin Linda Indergand konnte sie abwehren und mit 2:49 Minuten Rückstand auf Weltmeisterin Jolanda Neff (1:36:17) ihren bisher größten Erfolg feiern. Als zweifache Mutter im Alter von 32 Jahren.

Brandau minimiert vor allem das Risiko – zu Recht

Man wusste von der Schönaicherin schon immer, dass sie mächtig Druck auf die Pedale bringen kann, doch zum Cross-Country-Sport gehört auch fahrtechnisches Können. Und da klafft im Vergleich zur Weltspitze bei ihr eine Lücke, zumal sie als Juniorin Straßenfahrerin war und erst Anfang 20 erste Versuche auf dem Bike machte. Jetzt scheint sie sich deshalb auch keinen Stress mehr zu machen und vor allem das Risiko zu minimieren. In Albstadt fuhr sie bei schwierigen, weil durch den Regen sehr rutschigen Bedingungen, in einer technischen Passage konsequent die B-Linie, die sechs, sieben Sekunden länger in Anspruch nahm. An dieser Stelle gab es sehr viele Stürze, weil doch die A-Linie riskiert wurde. Die meisten gingen glimpflich aus. Brandau aber tat gut daran, den Umweg zu wählen. "Die Form stimmt und die vielen Zuschauer waren da eine gute Unterstützung", sagte die deutsche Cyclo-Cross-Meisterin.

Die Freiburgerin Morath brach sich das Schlüsselbein

Sabine Spitz (Murg-Niederhof) gab das Rennen auf, freiwillig. Auch ein Wechsel der Reifen brachte nicht die gewünschte Sicherheit. "Ich bin einfach nicht gut ins Rennen und mit den rutschigen Bedingungen nicht zurecht gekommen. Es war einfach nicht mein Tag", sagte Spitz. Der Freiburgerin Adelheid Morath erging es noch schlechter. Im ersten Rennen nach ihrem Kahnbeinbruch kam sie an einer eher ungefährlichen Stelle zu Fall – und brach sich das Schlüsselbein. Es ist eine weitere von unzähligen Verletzungen, die Morath in ihrer Karriere in Kauf nehmen musste.

Auch die Männer sind mit ihren Ergebnissen zufrieden

Bei den Männern siegte mit Nino Schurter ebenfalls der Weltmeister aus der Schweiz. In 1:28:07 Stunden feierte er seinen 27. Weltcupsieg und rückte damit dem Rekordsieger Julien Absalon (33) aus St. Amé in den Vogesen ein Stück näher. Absalon hatte am Montag überraschend seinen sofortigen Rücktritt erklärt, weil sich seine Pollenallergie ausgedehnt hat. Der deutsche Meister Manuel Fumic aus Kirchheim/Teck belegte Rang neun (+2:24). Das lag voll im Bereich seiner eigenen Erwartungen, denn seit einem Sehnenriss im Ringfinger fährt er mit einer Schiene, die ihn beim Greifen um den Lenker doch stark beeinträchtigt. "Ich denke, ich bin ein gutes Rennen gefahren und habe mein Ziel erreicht. Ich hoffe, es geht nächstes Wochenende in Nove Mesto noch besser", so Fumic.

Der für das Kirchzartener Lexware-Team fahrende Georg Egger (Obergessertshausen) belegte im 145 Fahrer starken Feld bei seinem zweiten Elite-Weltcup den 43. Rang (+7:24) und holte damit erstmals Punkte. Damit konnte der 23-Jährige durchaus zufrieden sein, hatte er seine Startposition doch um 16 Plätze verbessert. "Vom Kopf her war ich super da und angriffslustig", meinte er erfreut. "Die Arbeit der letzten Wochen hat sich ausgezahlt." Der Freiburger Martin Gluth wurde nach einem Reifendefekt noch 44. (+7:24) und der Münstertäler Julian Schelb (+7:54) wurde 47. Für sie alle lagen die Ergebnisse im Bereich der Erwartungen. Bis 2020 haben sie noch Zeit, sich weiterzuentwickeln, um dann eine WM vor heimischem Publikum bestreiten zu können.