Großer Kampfgeist wird nicht mit Medaille belohnt

dpa

Von dpa

Fr, 10. August 2018

Schwimmsport

Die deutsche Trathletin Laura Lindemann wird bei der EM trotz eines Sturzes Vierte / Die Olympiasiegerin gewinnt.

GLASGOW (dpa). Schwer gestürzt, aufgestanden und alles gegeben: Laura Lindemann hat trotz einer großen kämpferischen Leistung eine Medaille bei der Triathlon-EM in Glasgow verpasst. Auf dem blauen Teppich im Strathclyde Country Park lief die 22-Jährige am Donnerstag als Vierte dennoch mit einem leichten Lächeln nach 1,5 Kilometern Schwimmen, 40 Kilometern Radfahren und 10 Kilometern Schwimmen ins Ziel.

"Es war ein extrem hartes Rennen", sagte Lindemann. "Nach dem Schwimmen war es noch nicht so aussichtslos, nach dem Sturz ging es auf und ab. Beim Laufen habe ich alles gegeben, was ging", kommentierte sie ihren beherzten Auftritt zum Auftakt der Triathlon-Wettbewerbe bei den European Championships in Schottland.

Auf Rang drei und die erhoffte Medaille fehlten ihr nach dem Kraftakt auf der Rad- und Laufstrecke 45 Sekunden. Den Sieg sicherte sich Rekordeuropameisterin und 2012-Olympiasiegerin Nicola Spirig aus der Schweiz mit ihrem sechsten Titel vor der Vorjahresgewinnerin Jessica Learmonth aus Großbritannien und der Französin Cassandre Beaugrand.

Es passierte kurz nach dem Wechsel auf die Radstrecke. Auf dem engen und hügeligen Kurs wurde Lindemann in einen Sturz von mehreren Konkurrentinnen verwickelt. Kopfüber stürzte die Sprint-Europameisterin von 2017 über ihr Rad, konnte sich aber mit den Händen auf dem Asphalt abfangen. "Ich lag unter anderen drunter und musste mich frei kämpfen", schilderte sie. Lindemann stand auf und fuhr weiter.

Im Hamburg beim Sprint-Weltcup Mitte Juli hatte sie eine famose Aufholjagd hingelegt und es bis auf den zweiten Platz geschafft, nachdem sie Probleme beim Anziehen des Laufschuhs gehabt hatte. Diesmal zeigte sie wieder große Moral, teilweise führte Lindemann das 23-köpfige Verfolgerfeld auf dem Rad schon wieder an.

Vorne war die Entscheidung letztlich früh gefallen. Spirig zog auf den ersten Metern der Laufstrecke das Tempo an, Learmonth hielt zwar Blickdistanz zur Schweizerin, ran kam sie aber nicht mehr. Die Frage war, ob die Französin Beaugrand ihren dritten Platz nach dem kraftzehrenden Radkurs halten könnte oder Lindemann noch rankommen würde. Der Rückstand für Letztere war aber zu groß.

Die Lagen-Staffel über 4x100 Meter hat den deutschen Beckenschwimmer zum EM-Abschluss mit Bronze eine weitere Medaille beschert. Der angeschlagene Damian Wierling schlug am Donnerstagabend als Schlussschwimmer des Quartetts mit einem Vorsprung von 18 Hundertstelsekunden vor den viertplatzierten Litauern an. Christian Diener, Fabian Schwingenschlögl, Marius Kusch und Wierling mussten sich in Schottland mit ihrer Zeit von 3:33,52 Minuten nur Großbritannien und Russland geschlagen geben. Freistilschwimmerin Sarah Köhler verpasste ihre dritte Medaille und schlug über 400 Meter als Fünfte an. Insgesamt holten die deutschen Beckenschwimmer bei den European Championships achtmal Edelmetall.

Auch Freiwasserschwimmer Rob Muffels freute sich nach zehn Kilometern im Loch Lomond über EM-Bronze.

Nach 131 von 187 Wettbewerben der European Championships führt im Medaillenspiegel Russland (24 Gold/15 Silber/12 Bronze) vor Großbritannien (18/17/14) und den Niederlanden (12/10/10). Deutschland (9/13/16) ist Sechster.