Hoch und Tief auf dem MTB

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Mo, 23. April 2018

Mountainbike

Lexware-Duo Brandl und Schwarzbauer mit Doppelsieg/ Stiebjahn bei Marathon-EM nur 28.

MOUNTAINBIKE. Die Marathon-Europameisterschaft im italienischen Spilimbergo endete für den Langenordnacher Mountainbike-Profi Simon Stiebjahn nur auf Rang 28. Viel hatte er sich nicht erwartet, doch dieses Ergebnis bezeichnete er selbst dann doch als enttäuschend. Beim hoch dotierten Rennen im österreichischen Haiming konnten derweil Max Brandl und Luca Schwarzbauer vom Kirchzartener Lexware-Team einen überraschenden Doppelsieg feiern.

"Enttäuschend, das ist das richtige Wort", meldete sich Stiebjahn aus Italien. Als Höhepunkt hatte der Schwarzwälder die früh terminierte Europameisterschaft nicht bezeichnet, dennoch hatte er sich "mehr erhofft". Nach 37 Kilometern, als auf der 104-Kilometer-Distanz der erste längere Anstieg im Weg stand, geriet Stiebjahn erstmals in Schwierigkeiten. Vorne machte der spätere Europameister Alexei Medvedev aus Russland Tempo und die große Spitzengruppe fiel auseinander. "Bis dahin bin ich ganz okay mitgekommen, aber mir hat der Biss gefehlt. Gelegenheiten, um Positionen gutzumachen, habe ich nicht genutzt", so Stiebjahn. "Mit dem Kopf" sei er "nicht hundertprozentig" bei der Sache gewesen.

"Ich hatte schon Motivation, nach dem Cape Epic will man solche Rennen schon gut fahren", so Stiebjahn. Das hat in Italien nicht funktioniert, sondern endete mit 16:07 Minuten Rückstand auf Medvedev (4:19:48), der 1:35 Minuten vor dem Italiener Samuele Porro und 3:11 Minuten vor dessen Landsmann Fabian Rabensteiner zum zweiten Mal nach 2013 Marathon-Europameister wurde. Medvedev war von der russischen Anti-Doping-Behörde 2017 wegen Verstoß gegen die Anti-Dopingregeln eigentlich für zwei Jahre gesperrt worden, durfte nach einem Widerspruch aber wieder Rennen fahren.

Max Brandl und Luca Schwarzbauer vom Kirchzartener Lexware-Team hatten dagegen in Österreich Grund zu feiern. Die beiden hatten während drei Wochen beim Weltcup und im Trainingslager in Südafrika ein Doppelzimmer geteilt und scheinen sich ziemlich aneinander gewöhnt zu haben. Zumindest enteilten sie in Haiming schon in der ersten von sechs Runden der Konkurrenz.

"Ich habe gemerkt, dass ich an einigen Stellen schneller fahren konnte, bin an Luca vorbei und habe gehofft, dass er meinem Flow folgen kann", erzählte Brandl im Ziel. "Das hat bis zur Hälfte der zweiten Runde auch geklappt, aber dann hatte ich doch plötzlich eine Lücke und bin mein Tempo konstant und kontrolliert weitergefahren." Das hatte er sich auch als Strategie zurecht gelegt. Max Brandl holte sich mit 1:34 Minuten vor seinem Lexware-Teamkollegen Luca Schwarzbauer und 2:09 Minuten vor dem Franzosen Clément Berthet in 1:19:17 Stunden mit Streckenrekord seinen ersten Saisonsieg.

Hog Dritter in Schaan, Bettinger Marathon-Zweiter

Schwarzbauer war mit seinem zweiten Rang "einfach nur happy". Teamkollege David List wurde guter Siebter(+3:40), Jannick Zurnieden 16. (+9:39). Florian Reichle (Pilsner-Merida) wurde 22. (+11:41), Teamgenosse Luca Girke nach Reifendefekt noch 30. der Gesamtwertung. Im Elite-Rennen der Männer zeigte Lexware-Fahrer Georg Egger eine auffällig gute Leistung. Er ging in der ersten Runde das Tempo der Weltklasse-Fahrer wie Maxime Marotte, Stephane Tempier (beide Frankreich) und Europameister Florian Vogel (Schweiz) mit. Als Weltcupsieger Sam Gaze (Neuseeland) das Rennen aufgab, lag Egger an vierter Stelle und verteidigte diese Position bis zur vorletzten Runde, ehe noch die beiden Österreicher Gregor Raggl und Karl Markt vorbeizogen. Auch der Olympia-Dritte von London 2012, der Italiener Marco Fontana, zog vorbei, doch Egger verlor nicht die Moral, sondern konterte in der Schlussrunde.

"Damit habe ich heute morgen nicht gerechnet, weil ich Sitzprobleme hatte. Ich habe noch nie so lange auf hohem Niveau mithalten können. Auch am Schluss war ich vom Kopf her noch da", freute sich Georg Egger am Ende über einen sechsten Platz, 3:38 Minuten hinter Maxime Marotte (1:31:57) und war damit auch bester Deutscher.

In Schaan (Liechtenstein) gelang dem Breitnauer Heiko Hog derweil der Sprung aufs Podest, allerdings "nur" im Rennen der Amateure. Hog übernahm in der dritten von fünf Runden den dritten Rang und verteidigte ihn gegenüber dem Schweizer Sammy Leumann. "Weil ich im Winter krank war und erst jetzt in die Saison einsteige, wollte ich es langsam angehen und dann aufholen. Das hat gut geklappt", sagte Hog. So rollte er als Dritter mit 1:16 Minuten Rückstand auf Sieger David Tschanz (Schweiz, 1:08:09) über die Ziellinie. Sein Teamgenosse Simon Gutmann vom Pilsner-Merida-Team belegte Rang zwölf (+4:51).

Beim Marathon in Kempten hat der Breitnauer Matthias Bettinger vom Kirchzartener Lexware-Team wie im Vorjahr Rang zwei belegt. Erneut musste er sich nur dem Deutschen Ex-Meister Markus Kaufmann (Meckenbeuren) geschlagen geben. Das Duo erreichte wie im Vorjahr gemeinsam die Zielpassage. Kaufmann hatte im Finish nach 2:21:49 Stunden buchstäblich die Nase vorn, um das Vorderrad eine Sekunde vor Bettinger über den Zielstrich zu bringen. Niklas Grobert und Jan Faller (Pilsner-Merida) belegten auf der Kurz-Strecke die Plätze elf und 15.