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14. September 2008 23:30 Uhr

Schauinslandkönig

Jeder hat auf seine Weise Glück mit dem Wetter

Berthold Steiber hat ein Riesenglück mit dem Wetter. Es ist grauenhaft. Es ist so schlecht, dass Steiber die Premiere seines Massensportwettbewerbs Schauinsland-Cup am Samstag unmittelbar vor den Starts absagen muss.

  1. Königspaar: Martina Höllige und Florian Link entscheiden das Einzelzeitfahren auf den Schauinsland für sich – Link in exzellenten 29,14 Minuten. Foto: Michael Bamberger

FREIBURG. Berthold Steiber hat ein Riesenglück mit dem Wetter. Es ist grauenhaft. Es ist so schlecht, dass Steiber die Premiere seines Massensportwettbewerbs Schauinsland-Cup am Samstag unmittelbar vor den Starts absagen muss. Tief Olivia lässt nahezu 50 Liter Regen pro Quadratmeter auf dem Schauinsland niedergehen, die Straße wird rutschig, die Sicht sinkt auf 20 Meter. Der Bergwerksbetreiber hat gar keine Wahl, schon aus Gründen der Sicherheit. Die Absage ist aber ein großes Glück für ihn. Sie verbirgt, dass die Teilnehmerzahlen bei der Erstveranstaltung sehr überschaubar gewesen wären.

Wie überschaubar genau? Das wird engagiert diskutiert in der Sportszene der Region. Steiber selbst spricht auf seiner Internetseite http://www.schauinsland-cup.de von "bereits rund 300 gebuchten Teilnehmern". Gegenüber der Zeitung Der Sonntag räumt er allerdings ein, dass die Teilnehmerzahlen "in den letzten zwei Wochen eingebrochen" seien. Als abzusehen gewesen sei, dass das Wetter schlecht werden würde. Vor zwei Wochen wusste aber noch kein Wetterdienst der Welt, dass es am 13. September in Freiburg Starkregen geben werde. Erst Mitte vergangener Woche verdichteten sich die Prognosen auf schlechte Bedingungen. Sie hätten zudem auch den Sonntag treffen können – mithin das von Steiber so vehement bekämpfte Einzelzeitfahren des Triathleten Alexander Lang. Der kann aber wie im Vorjahr fast 1000 Frauen und Männer ins Rennen für Jedermann schicken.

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Im Falle Steibers dagegen gibt es weitere Merkwürdigkeiten. Die Firma Sifi Timing, das von Steiber selbst beauftragte Unternehmen für die Zeitmessung bei sämtlichen Wettbewerben seines Cups, nennt weit geringere Teilnehmerzahlen als Steiber selbst. Laut http://www.sifi-timing.de hatten bis zum Samstag insgesamt genau 50 Frauen und Männer gemeldet: 16 für den Berglauf, 14 fürs Downhill-Rollerfahren, 18 Skater und Longboarder sowie 2 Nordic Walker. Alle Zahlen waren noch gestern Abend im Internet einsehbar. Sie nähren die seit geraumer Zeit kursierende Vermutung, Steibers Debüt werde sich zum Flop entwickeln – weil er die regionale Sportszene gegen sich habe und auch, weil seine Vorbereitungen nicht unbedingt professionell zu nennen sind. Steiber selbst behauptete gestern gegenüber der Badischen Zeitung, rund weitere 250 Personen hätten sich nicht über das Internet, sondern bei ihm direkt angemeldet und bar bezahlt. So komme er auf insgesamt "rund 300" Teilnehmer. Warum deren Namen aber bis zum Wettkampftag nicht in die Listen auf Sifi-Timing eingepflegt worden sind, bleibt offen. Unklar ist überdies, warum sich bei einer Sportveranstaltung, die seit dem Frühjahr wegen des Streits Steiber/Lang ein Dauerthema in den Medien war, nicht ganz andere Teilnehmerzahlen entwickeln konnten. Der alljährliche Nordic-Walking-Lauf im Schwarzwalddorf Breitnau zum Beispiel bringt es auf mehr als 1000 Teilnehmer, ein Berglauf in Baden in aller Regel auf 200 bis 300 Starter.

Am Schauinsland wollte am Wochenende keiner der Top-Fahrer und auch niemand aus der Organisation namentlich zu der Frage zitiert werden, warum Steibers Cup offensichtlich nicht den gewünschten Erfolg hatte. Hinter vorgehaltener Hand herrscht aber die Vermutung vor, Steiber sei es in Wahrheit von Anfang an nicht um ein eigenes Sportwochenende gegangen als vielmehr darum, Langs Veranstaltung wirksam zu torpedieren.

Geglückt ist das nicht. 991 Kinder, Frauen und Männer machen beim zweiten Schauinslandkönig mit. Mit dem Rennrad, auf Inlinern, mit dem Mountainbike und Nicolai Flöth sogar im Rollstuhl nehmen sie die 11,5 Kilometer und 770 Höhenmeter in Angriff. Zum Schluss gibt’s eine Königin und einen König. Martina Höllige aus Bönnigheim schafft die Strecke in 36:45,0 Minuten. "Super, eine sehr schöne Veranstaltung", sagt sie im Ziel. Die Männerwertung entscheidet wie im Vorjahr Florian Link von der RIG Freiburg für sich. Er unterbietet seine Bestzeit (29:37 Minuten) noch einmal um 23 Sekunden. Rollstuhlfahrer Flöth erreicht die Gipfelhöhe nach 5:29:39,7 Stunden. Bei ihm ist eine Multiple Sklerose diagnostiziert. Flöth absolvierte schon viele Sportwettbewerbe, vor allem solche im Schwimmen. Sein Ziel war gestern klar definiert: "Ich komme hoch."

Der ehemalige Freiburger Radrennfahrer Marc Hug findet, Lang habe "wieder ein Superding auf die Beine gestellt". Markus Bohmann, ein früherer Ausdauerläufer, sagt über seine Beobachtungen als Startsprecher: "Es setzt sich fort, was 2007 begonnen hat. Die Atmosphäre ist sehr gut, die Leute helfen sich gegenseitig." Ausdauerathletin Josephine Clausen aus Freiburg wird wie im Vorjahr Vierte und sagt: "Der König war noch besser organisiert als 2007." Alexander Lang, der alle Teilnehmer in einem Fünf-Stunden-Marathon am Bohrer selbst auf die Strecke geschickt hat, erklärt: "Ich bin total glücklich über diese Veranstaltung. Ich glaube, wir können so weitermachen."

BZ-Online: Bilder gibt’s auf

www.badische-zeitung.de

Autor: Andreas Strepenick