Kopfüber in den Alpenschotter

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Do, 05. Juli 2018

Mountainbike

Langstreckenspezialist Matthias Bettinger stürzt bei Etappenfahrt im Zillertal und zieht sich Prellungen und Schnittwunden zu.

MOUNTAINBIKE. Der Breitnauer Matthias Bettinger ist auf der letzten Etappe der dreitägigen Zillertal-Bike-Challenge in Österreich schwer gestürzt. Der 34-jährige Langstreckenspezialist des Kirchzartener Lexware-Teams erlitt tiefe Schnittwunden an beiden Armen und zog sich schwere Prellungen an Brustkorb, Hüfte und den Schienbeinen zu. Bettinger hatte Glück im Unglück, sein Kopf blieb unverletzt.

Es geschah auf der dritten und letzten Etappe, die im Zillertal am Tuxer Fernerhaus auf über 2500 Metern Höhe endet. Matthias Bettinger, der als Dreizehnter der Gesamtwertung in den finalen Tag des Mountainbike-Etappenklassikers gestartet war, fühlte sich gut. "Mein bester Tag", befand er nach dem ersten Teilstück – und er freute sich auf die Zielankunft am Hintertuxer Gletscher. Bettingers Beine funktionierten wie erhofft, sein Tritt war rund, der Antritt gewohnt kraftvoll, der Breitnauer kletterte als Achter über den ersten Anstieg am Penkenjoch. Was dann kam, wird er sicher nicht als "besten Tag" in Erinnerung behalten. Bettinger fuhr auf einer mit tellergroßen Steinen übersäten Piste bergab. Ein Downhill, wie schon so viele in seiner langen Mountainbike-Karriere. Gemeinsam mit ihm auf dem Weg nach unten waren Mountainbiker, die sich für die Kurz-Distanz entschieden hatten. Bergabfahrer, die deutlich langsamer unterwegs waren als der Breitnauer. Bettinger setzte zum Überholvorgang an. "Es gab eigentlich nur eine Linie, die man fahren konnte. Aber um vorbei zu kommen, habe ich die verlassen", erinnert sich der 34-Jährige.

Das sollte ihm zum Verhängnis werden. Plötzlich sackte das Vorderrad beim Downhill in einen versteckten, für den Breitnauer nicht zu erkennenden Hohlraum. Das Mountainbike blieb ruckartig stehen, Bettinger stürzte über den Lenker nach vorn, prallte mit dem Oberkörper auf den groben Alpenschotter. Die Steine rissen seine Unterarme auf, am Brustkorb, an der Hüfte und den Schienbeinen zog sich der Breitnauer schwere Prellungen zu. Die tiefen Schnitte an den Unterarmen bluteten stark. "Da war sofort eine große Blutlache", so Bettinger, dem kurz nach dem Sturz schwarz vor Augen wurde. Immerhin: der Helm hatte keinen Kratzer, der Hochschwarzwälder blieb am Kopf völlig unversehrt. Sofort hielten andere Sportler an und kümmerten sich um den schwer Gestürzten. Die Bergwacht war schnell vor Ort und legte einen Druckverband an. "Das war beeindruckend, wie fix das ging", sagt Bettinger. Das Tempo der Helfer war zwingend – Bettingers Blutverlust war gravierend. "Im Krankenhaus bin ich danach zweimal zusammengeklappt", erinnert sich der Breitnauer: "Es war der heftigste Sturz, den ich je erlebt habe. Aber ich habe Glück gehabt. Es ist nichts gebrochen oder sonstwas Schlimmes passiert."

Neben den Prellungen an Oberkörper, Hüfte und Schienbeinen zieren jetzt rechts eine sechs Zentimeter lange und auf der linken Seite eine 20 Zentimeter lange Risswunde seine Unterarme. Zehn Tage lang wird Matthias Bettinger jetzt erst einmal zu Hause Dauergast auf dem Sofa sein. Geduld braucht er jetzt. Und Ruhe. Es wird dauern, bis die Wunden verheilt und die Prellungen abgeklungen sind. Dann wird man weitersehen.

"Es ist eine schwierige Zeit", sagt Bettinger. "Erst die Enttäuschung bei der DM und dann das. Aber es gibt viel, viel Schlimmeres", tröstet sich der Marathon-Spezialist. Ach ja: Der deutsche Vize-Meister Markus Kaufmann hat die Etappenfahrt gewonnen.