Kurbeln fürs Meistertextil

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Mi, 27. Juni 2018

Radsport

Deutschlands Radler suchen am Wochenende ihre Besten / Zwei Starts von Jasha Sütterlin.

FREIBURG. Das Glück ist ganz schön weit entfernt. Um ganz genau zu sein: 221 Kilometer. Möglichst flott muss am Sonntag diese Strecke derjenige zurücklegen, der sich anschließend mit dem deutschen Meistertrikot der Rad-Elite schmücken möchte. Titelverteidiger ist der für die Equipe Bora-hansgrohe fahrende Marcus Burkhardt. Doch der 34 Jahre alte Zschopauer dürfte sich auf dem zwölf Kilometer langen und 19 Mal zu bewältigenden Rundkurs im südhessischen Einhausen eher schwertun. Der Kurs rund um den Jägersburger Wald ist größtenteils flach – und somit wohl ein gefundenes Fressen für die schnellen Sprinter.

In diesem Zusammenhang fallen einem gleich drei Pedaleure auf einmal ein: zunächst der Rostocker André Greipel (35/Lotto-Soudal), der das begehrte Textil mit den schwarz-rot-goldenen Bruststreifen schon drei Mal gewann, zuletzt 2015 in Erfurt. Damals schnappte er es Marcel Kittel (30/Katusha-Alpecin) vor der Nase weg, was den Arnstädter noch heute fuchst. Last, but not least würde sich bei der am 7. Juli in Noirmoutier-en-L’ Ile am Atlantik beginnenden Tour de France auch gerne John Degenkolb (29/Trek-Segafredo) im Meisterdress präsentieren, doch als Einzelstarter ohne Team-Unterstützung dürfte er es schwer haben. Zudem ist es nicht übertrieben zu behaupten, dass sowohl Degenkolb, Kittel als auch Greipel noch ihre Bestform suchen.

Es würde deshalb nicht überraschen, würde unmittelbar hinter der Grenze zwischen Hessen und Baden-Württemberg bei Weinheim ein ganz anderer die Hände nach der Zieldurchfahrt gen Himmel strecken können. Pascal Ackermann (24) aus Kandel in der Pfalz vielleicht, der im Bora-hansgrohe-Dress unlängst eine Etappe bei der Dauphiné gewinnen konnte. Auch dessen Teamkollege Rüdiger Selig (29/Zwenkau) gilt es zu beachten.

Das Team Sunweb, für das auch die beiden in Freiburg lebenden Simon Geschke (32) und Johannes Fröhlinger (33) in die Pedalen treten werden, hat mit Phil Bauhaus (23/Bocholt), Nikias Arndt (26/Köln) und Max Walscheid (25/Neuwied) gleich drei endschnelle Fahrer am Start.

Gedanklich beschäftigt sich wohl auch Rick Zabel (24/Katusha-Alpecin) mit dem Meisterdress, doch ob der Sohn des einstigen "Sprintkönigs" Erik Zabel starten kann, ist nach einem Trainingsunfall am Montag offen. Ebenso ungewiss ist die Teilnahme von Nico Denz aus Albbruck. Nach seinem couragierten Auftritt beim Giro d’Italia ist der 24-Jährige aus dem Team Ag2r derzeit krankheitsbedingt außer Gefecht. Ob’s für Sonntag reicht, muss sich zeigen.

Gleich zwei Mal wird sich der Freiburger Jasha Sütterlin (25/Movistar) den Schaulustigen präsentieren. Am Sonntag beim Straßenrennen und bereits am Freitag beim Zeitfahren. Dort ist Tempobolzer Sütterlin nicht ohne Chance. Gleichwohl wird sich der siebenfache nationale Champion und vierfache Weltmeister Tony Martin (33) mächtig ins Zeug legen, um erneut zu triumphieren.

Die Frauen steigen bereits am Samstag in den Sattel, um ihre neue Meisterin zu ermitteln. Elf Runden haben sie zu absolvieren. Titelverteidigerin ist Lisa Klein vom deutschen Team Canyon-SRAM, die allerdings nach einer Schlüsselbeinfraktur gerade erst wieder in den Rennbetrieb eingestiegen ist. Darum räumen Experten Lisa Brennauer (Wiggle High 5), im Juni Gesamtsiegerin der Thüringen-Rundfahrt, die wohl größten Chancen ein. Die Allgäuerin ist auch eine der Favoritinnen beim Einzelzeitfahren am Freitag, bei dem Trixi Worrack (Canyon SRAM) als Titelverteidigerin an den Start geht.