Lexware-Quartett freut sich auf die EM in Graz

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Do, 26. Juli 2018

Mountainbike

Im Staffelrennen am Donnerstag haben die Kirchzartener Außenseiterchancen, Cross-Country ist am Sonntag Lockerheit gefragt.

MOUNTAINBIKE. Ein Quartett des Kirchzartener Lexware-Teams steht im Aufgebot des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) für die U19- und U23-Europameisterschaft der Mountainbiker, die an diesem Donnerstag im österreichischen Graz beginnt. Zum EM-Auftakt sind heute Max Brandl und Luca Schwarzbauer im Staffelrennen gefordert.

Wer sich mit dem Team-Wettbewerb auskennt, wird sich vielleicht denken: Brandl? Schwarzbauer? Das sind doch beides U23-Fahrer, bei der EM müsste doch ein Elite-Fahrer am Start sein. Prinzipiell ist das richtig, doch weil die Elite-EM dieses Jahr in das neu geschaffene Groß-Event "European Championships" nach Glasgow ausgelagert wurde und eine extra Anreise nach Graz für die Elite-Biker nicht zumutbar wäre, greifen die meisten Nationen eben auf jüngere Fahrer zurück.

So bekommen die Lexware-Biker Max Brandl und Luca Schwarzbauer die Gelegenheit, in der Staffel anzutreten und auf einer Runde Vollgas zu geben. Max Brandl, frisch gebackener Deutscher U23-Meister, hofft auf "ein tolles Team-Erlebnis, so dass wir am Ende mit uns zufrieden sind." Das bezieht die Staffel-Kollegen Ronja Eibl (U23), Franziska Koch und Leon Kaiser (beide U19) natürlich mit ein. "Dass es für einen Podiumsplatz reicht, ist nicht gerade das Wahrscheinlichste, aber in einem Staffelrennen kann halt alles passieren", weiß Brandl.

Und natürlich auch ein Titelgewinn, wie er ihn als Junior 2015 erlebte. Favorisiert sind aber bestimmt andere Nationen. Auch Luca Schwarzbauer freut sich auf den Team-Wettbewerb in Graz-Stattegg. "Schon deshalb, weil es für mich gut ist, den Fokus auf zwei Rennen verteilt zu haben", erklärt der Nürtinger.

Für das Cross-Country-Rennen am Sonntag (Start 15 Uhr) könnte ein gutes Resultat im Team für Selbstvertrauen sorgen. Sowohl Brandl als auch Schwarzbauer reden davon, dass ihnen zuletzt "die Lockerheit gefehlt" habe. "Ich glaube, das habe ich seit dem Sieg in Gedern falsch gemacht. Es ist wichtig, den Spaß zu haben, auch im Training. Ich war zu fokussiert und habe zu wenig genossen, was das Mountainbiken eigentlich ausmacht", meint Brandl selbstkritisch, glaubt aber, dass er diese Lust an der Tretarbeit spätestens am vergangenen Sonntag wiedergefunden hat.

Luca Schwarzbauer sieht das für sich auch als vordringliche Aufgabe. "Das ist auch für mich das Thema", meint er. "Ich weiß nicht genau, wie ich die EM einschätzen soll. Die ist vielleicht nicht ganz so Respekt einflößend wie ein Weltcup. Für mich geht es wieder um ein solides Ergebnis". Vor zwei Jahren, bei seiner letzten EM-Teilnahme, war er in Schweden Neunter. Das wäre diesmal auf jeden Fall ein Erfolg.

David List hat nichts zu verlieren. Der aktuell in Freiburg lebende Friedrichshafener nahm aus St. Ingbert zwar kein Top-Resultat mit nach Hause, aber die Gewissheit, "dass die Form wieder stimmt". Jetzt bräuchte es nur noch ein Quäntchen Glück. "Ich hoffe, dass ich wieder an die Leistungen vom Beginn der Saison anknüpfen kann", so List vor seiner ersten U23-EM auf einem Kurs, der pro 4,2 Kilometer-Runde 250 Höhenmeter ausweist. Eine Klettertour, die ihm durchaus entgegenkommt. U19-Junior Lars Hemmerling hat es auf den letzten Drücker noch geschafft, auf den EM-Zug aufzuspringen. Bedingt durch Abiturstress und Infekte blieb sein Talent im Frühjahr verborgen. Erst im Juni taute der Saarländer auf. Das war auch Bundestrainer Marc Schäfer nicht entgangen. Ohne dass Hemmerling es wusste, fuhr er bei der DM in St. Ingbert um das EM-Ticket. Schäfer hatte ihn in seinem Heimrennen nicht zusätzlich unter Druck setzen wollen. Das war sicherlich kein Fehler. Der Lexware-Junior gewann die DM-Bronzemedaille und zeigte eindrücklich, was in ihm steckt. "Es ist ein tolles Gefühl, bei einer EM dabei zu sein, besonders nach diesem schweren Start in das Jahr. Ich hatte schon gar nicht mehr damit gerechnet, dass überhaupt noch eine Chance für mich besteht", so Hemmerling.

Natürlich will er jetzt auch das Beste aus dieser unverhofften Chance machen: "Ich will meinen Speed aus den nationalen Rennen nun auch bei der EM umsetzen können", sagt er. Sein Rennen wird am Sonntag um 11 Uhr gestartet.