Mit Wissbegier auf Rekordjagd

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Fr, 29. Dezember 2017

Sonstige Sportarten

JAHRESRÜCKBLICK II: Das Sportjahr in der Region verlief abwechslungs- und für viele Akteure auch äußerst erfolgreich / Ein Blick auf die zweite Jahreshälfte.

Ein volles Sportjahr der Region neigt sich dem Ende. Die BZ blickt auf die zweite Jahreshälfte. Von beeindruckenden Erfolgen, unerwarteten Neubeginnen und rosigen Zukunftsaussichten.

Zufriedenheit ist Stillstand
Es mutet ein wenig paradox an. Zufrieden ist Nico Denz mit seinem Jahr nicht. Trotz einiger Lichtblicke "bin ich 2017 meiner Form und der tatsächlichen Leistungsfähigkeit hinterhergefahren, auch wenn meine Leistungswerte sich weiter nach oben verbessert haben", schrieb der Albbrucker Radprofi in seinem Saisonfazit. Zufriedenheit als Stillstand. Dabei fuhr der 23-Jährige im August für sein französisches Team Ag2r die Vuelta, die erste Grand Tour seiner jungen Karriere. Zu Ende fuhr Denz die Vuelta indes nicht. Mit einem Teamkollegen ließ er sich verbotenerweise von einem Begleitfahrzeug den Berg hochziehen. Den daraus resultierenden Ausschluss "bereue ich noch immer zutiefst", so Denz. Doch sagt es viel über die Wertschätzung seines Rennstalls aus, dass er einen neuen Zweijahresvertrag erhalten hat. Und Denz ist wissbegierig und lernfähig – so wird er aus diesem Fehler die richtigen Schlüsse ziehen.

Der Rekordmeister
Ganze 96 Einwohner zählte Böllen Ende 2015 und ist die kleinste selbstständige Gemeinde in Baden-Württemberg. Vermutlich ist Böllen zudem der kleinste Ort Deutschlands, der einen Rekordmeister beherbergt. Im September holten die Tauziehfreunde Böllen ihren 16. Titel und setzten das i-Tüpfelchen auf eine perfekte Saison, schließlich gewann der Bundesligist auch die deutsche Meisterschaft im Leichtgewicht und in der Jugendklasse. Dass im nahen Wieden (585 Einwohner) ein weiterer Tauzieh-Erstligist beheimatet ist, unterstreicht die hochklassige Vielfältigkeit der Sportregion am Hochrhein.

Perfektes Debüt
An Ehrgeiz mangelt es Raphaela Eggert nicht. "Der Traum ist, dieses Jahr Weltmeister zu werden", hatte die Paracyclistin des RSV Haltingen im Frühjahr gesagt. Im September nahm Eggert erstmals an der WM teil – und gewann bei ihrem Debüt im südafrikanischen Pietermaritzburg die Silbermedaille im Zeitfahren. Auch wenn sich ihr Traum vom WM-Titel noch nicht erfüllte, die WM-Nominierung und der Medaillengewinn sind für Eggert ein weiterer Schritt in Richtung ihres großen Zieles: die Teilnahme an den Paralympics 2020 in Tokio.

Locker gewuppt
Drei Wertungen, drei Medaillen – für Tabea Tabel konnte im Oktober die U-23-Europameisterschaft in Albanien kaum besser verlaufen. Ob der traditionell übermächtigen Konkurrenz aus Osteuropa waren die drei Bronzemedaillen – im Reißen, im Stoßen und im Zweikampf – für die 21-jährige Lörracherin praktisch das Optimum. Ihre Leistungen bestätigt Tabel inzwischen zudem auch im Ligaalltag auf höchstem Niveau. Den Sprung in die Bundesliga hat sie auf Anhieb gestemmt und zählt beim aktuellen Tabellenführer AC Mutterstadt zu den Leistungsträgerinnen. Auf die deutsche Einzelmeisterschaft im November musste Tabel derweil krankheitsbedingt verzichten. Dafür gewann ihr ehemaliger Teamkollege des Zweitligisten KSV Lörrach, Moritz Huber, bei den Titelkämpfen in Speyer eine Goldmedaille, wie auch Lisa Eble vom SV 08 Laufenburg. Bei der EM belegte Huber den elften Rang – angesichts der auch in seiner Klasse starken osteuropäischen Konkurrenz ein erfolgreicher Auftritt.

Die Weltrekordlerin
Langläuferinnen sollten verständlicherweise über eine gewisse Ausdauer verfügen. Jene Karriereausdauer von Steffi Böhler geht derweil über das branchenübliche Pensum hinaus. Seit mittlerweile 17 Jahren mischt die 36-Jährige aus Ibach auf internationaler Ebene mit. Im November beendete sie im finnischen Kuusamo ihr 322. Weltcuprennen – Weltrekord. Und Böhler sammelt weiter Rennen um Rennen. Doch ist es nicht die Rekordjagd, die sie antreibt. Böhler hat die Qualifikation für Pyeongchang 2018 und somit ihre vierte Olympiateilnahme im Blick.

Ein Sieg der Moral
Oft ist es eine leere Phrase, wenn Trainer vor Wettkämpfen darüber philosophieren, dass "wir gewinnen wollen". Wer will das nicht? Im Saisonfinale der Ringer-Regionalliga gewann diese Aussage jedoch immens an Bedeutung. Denn gewinnen wollte fast kein Club mehr, weil im Erfolgsfall der Aufstieg in die Bundesliga drohte. Es begann eine unrühmliche Wettbewerbsverzerrung mehrerer Vereine. Dagegen setzte die RG Hausen-Zell ein Zeichen. Die Phrase "Wir wollen gewinnen" war kein Bluff, die RG verschaukelte weder Gegner noch Zuschauer. Die Folge: Im Dezember machte Hausen-Zell als Vizemeister die Rückkehr in die Bundesliga fix. Ein Erfolg – und ein Sieg moralischer Werte. Als Schmankerl lockt in der neuen Saison das Derby gegen den TuS Adelhausen. Vielleicht schmückt der sich dann mit dem Titel des Deutschen Meisters? Ob dem TuS dieser Coup gelingt, das wird erst das neue Sportjahr zeigen.