Nach einer Herz-OP zum Sieg beim Schwarzwald-Bike-Marathon

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mo, 10. September 2018

Mountainbike

Bettina Janas aus Freiburg hat eine ganz besondere Geschichte zu erzählen / Bei den Männern gewinnt Christian Keuchler / 2207 Sportler erreichen das Ziel.

FURTWANGEN. Vorjahressieger Christian Kreuchler (Dresden) und die Freiburgerin Bettina Janas gewannen gestern beim 22. Schwarzwald-Bike-Marathon in Furtwangen die Königsdistanz über 120 Kilometer mit 3100 Höhenmetern. Am Samstag und Sonntag starteten bei herrlichem Spätsommerwetter 2292 der gemeldeten 2533 Biker und Bikerinnen, 2207 kamen ins Ziel.

Sie alle haben ihre Leistung gebracht unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen wie Training, technisches Vermögen, Kraft und Ausdauer. Am beeindruckendsten war gestern aber sicher für viele das, was Bettina Janas geleistet hatte. Sie selbst, manchen noch besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Uhlig, war einfach nur "überglücklich", als sie 5:38:25,5 Stunden nach ihrem Start am frühen Morgen im Ziel gefeiert wurde. Denn "vor zwei Monaten ging gar nichts", berichtete die 31-jährige Freiburgerin. Schon zuvor hatte sie bemerkt, dass ihre Form trotz Trainings immer schlechter wurde und sie bekam Asthmaanfälle. Mitte Juni wurde entdeckt, dass Bettina Janas ein Loch im Herzen hatte – und das seit ihrer Geburt. Anfang Juli wurde dieses Loch "zugemacht mit einem Schirmchen", so beschreibt sie freimütig ihre Herz-Operation. Sechs Wochen später durfte sie wieder aufs Rad. In Furtwangen trat die zierliche Lehrerin, früher auch eine erfolgreiche Cross-Triathletin, erstmals wieder "im Race-Modus" in die Pedale. Was dabei rauskommen würde, fand sie zweitrangig.

Die zweitplatzierte Jana Schneider – im Vorjahr als Jana Zieschank zum dritten Mal Siegerin über die längste Distanz in Furtwangen und diesmal um 6:40 Minuten distanziert – fand den Sieg von "Betty" nach herzlicher Umarmung im Ziel erstklassig. Deren Leidensgeschichte, die lange vor der Loch-im-Herz-Diagnose begonnen hatte, berührte die Wahl-Allgäuerin mit ostdeutschen Wurzeln besonders: Vor vier Jahren hatte die heute 40-Jährige nach der Diagnose "Verdacht auf Krebs" schlimme Tage durchlebt, bis kurz vor ihrem Start und Sieg in Furtwangen die erlösende Entwarnung kam. Kati Rothe (Simonswald/6:04:25,2) wurde Dritte der sieben Frauen über 120 Kilometer.

"Es war deutlich härter diesmal", sagte der strahlende Sieger Christin Kreuchler nach 4:34:20,9 Stunden im Sattel, die dem Vorjahressieger den erneuten Triumph einbrachten. Der 32-Jährige bedauerte, dass der favorisierte Matthias Bettinger (Breitnau) mit Fieber kurzfristig ausgefallen war – obwohl dessen Teilnahme seine Aussichten wahrscheinlich deutlich geschmälert hätte. Bergab hätten ihn Caleb Kieninger (St. Georgen) und Daniel Gathof (Vogt), mit denen er die Spitze bildete, "ziemlich unter Druck gesetzt". In den Anstiegen kämpfte sich Kreuchler wieder heran und schloss die Lücken. Nach 90 Kilometern lösten er und Kieninger sich von Gathof. Etwa fünf Kilometer später fuhr der Sachse auch dem Schwarzwälder davon und bis ins Ziel 2:49 Minuten Vorsprung heraus.

Kieninger brachte in dieser Phase des Rennens seinen Puls nicht mehr über 175 Schläge, die Beine wurden schwer "und dann wurde es auch mental schwer", bekannte der 24-Jährige. Wie groß sein Vorsprung auf den Drittplatzierten war, wusste er nicht, doch es reichte: Bei seinem zehnten Start beim Schwarzwald-Bike-Marathon – "mein Heimrennen" – schaffte es Caleb Kieninger zum zweiten Mal in Folge als Zweiter aufs Siegerpodest. Gathof wurde in der Zeit von 4:38:49,1 Stunden Dritter.

Mit Rang drei über 90 Kilometer musste sich diesmal auch ein Favorit begnügen: Julian Schelb, immerhin aktueller Deutscher Meister im Mountainbike-Marathon, wurde etwa 35 Kilometer vor dem Ziel ein "Hungerast" zum Verhängnis. Nach dieser Schwächung musste sich der Münstertäler "extrem durchkämpfen". Den Sieg sicherte sich mit dreieinhalb Minuten Vorsprung der Schweizer Remo Fischer (3:16:52,2) vor Fabian Ziegler (Albstadt/3:17:17,5). Bei den Frauen dominierte Verena Huber (Bad Peterstal-Griesbach/3:45:29,8) mit knapp 20 Minuten Vorsprung auf Miriam Chelius (Heltersberg).

Auf der beliebtesten Strecke über 60 Kilometer setzte sich Marek Sülzle (Sulz) vor Tim Meier (Rheinfelden) und Adrian Horchler (Au) durch; die Schweizerin Evelyne Trepte verwies Miriam Oeschger (Murg) und Jessica Benz (Steinach) auf die Plätze.

Vier verletzte Biker wurden von der Strecke in die Klinik gebracht, einen begleitete ein Notarzt. Im Ziel versorgte das DRK 19 Lädierte. DRK und Bergwacht hatten knapp 80 Kräfte im Einsatz.