Zehntausende Attacken

Uwe Rogowski

Von Uwe Rogowski

Di, 28. August 2018

Radsport

Der Albbrucker Radprofi Nico Denz kämpfte bei der Deutschland Tour mit einem bequemen Peloton und der Stallorder.

RADSPORT. Sein Plan hatte klare Konturen: sich zeigen, Akzente setzen, im Idealfall eine Etappe gewinnen. "Ich bin extrem motiviert", sagte Nico Denz vor dem Comeback der Deutschland Tour.

Gemessen daran, dass die Neuauflage der Rundfahrt für den 24-Jährigen ein veritabler Saisonhöhepunkt war – Denz hatte seinen Formaufbau in den zurückliegenden Wochen und Monaten auf die D-Tour ausgelegt – war sein Abschneiden bei der Vier-Tages-Rundfahrt von Koblenz nach Stuttgart ausbaufähig. Für einen erfolgreichen Ausreißer, einen Etappensieg für das Team oder eine punktuelle Top-Platzierung hat es nicht gereicht. Denz wurde elftbester Deutscher (von 34), immerhin, sein Top-Tagesergebnis war mit Rang 40 allerdings nicht das, was er sich ausgemalt hatte. Im finalen Gesamtklassement wurde der Albbrucker Radprofi mit einem Zeitrückstand von 13:23 Minuten auf Sieger Matej Mohoric (Slowenien) als 61. gelistet.

Das diente in der Summe nicht als Empfehlung für die Hall of Fame des Radsports, allerdings gab es auch keinen Grund für Wehklagen. Nicht zuletzt, weil Nico Denz auf seine persönlichen Bedürfnisse einmal mehr keine Rücksicht nehmen durfte. Das war auch der Grund, warum bei ihm nach Abschluss der dritten Etappe, die er von Trier nach Merzig über teils hügelige 177,0 Kilometer als 89. beendete, reichlich Frust hochkam. Es war viel zusammengekommen. Am Tag zuvor (42.) war er "am letzten Anstieg abgehängt" worden, und so wollte Denz auf dem dritten von vier Teilstücken Attacken fahren. Er und seine Teamkollegen der französischen Equipe Ag2r "probierten es immer wieder, nach vorne zu springen beziehungsweise eine neue Gruppe zu initiieren. Gerade ich war dabei sehr aktiv", so Denz. Er habe seine Aufgabe, Lücken zu reißen, Tempo zu machen, "sehr ernst genommen" und es "immer wieder versucht", was in Teilen des Pelotons keine Heiterkeit auslöste. Statt Körner zu sparen, war da so ein aufmüpfiger Jungprofi und für alle Teams erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. Er habe sich "nicht allzu viele Freunde im Feld gemacht", urteilte Denz, er könne "dazu aber nur sagen, dass ich einfach nur meinen Job gemacht habe". Ein Job, der ihn ein besseres Einzelabschneiden kostete. "Meine 75 000 Attacken und die ganze Schufterei haben natürlich auch Spuren bei mir hinterlassen, sodass ich im Finale natürlich keine Rolle mehr spielte", befand Denz.

"Nicht immer einer Meinung mit dem sportlichem Leiter."

Er verlor knapp zehn Minuten zur Spitze, hegte er zuvor noch die berechtigte Hoffnung, Anschluss an die Top-20 herzustellen, war eine vordere Platzierung nun passé. "Darüber bin ich wirklich sehr enttäuscht, da ich mich spezifisch auf die Deutschland Tour vorbereitet hatte und es mir sehr am Herzen lag, hier gut zu fahren", so Denz. Er hatte sich der Teamorder fügen müssen, mit knirschenden Zähnen. Seine Meinung sei "nicht immer unbedingt die des sportlichen Leiters, ich musste hier und heute meine eigenen Ambitionen zurückstellen und in der Anfangsphase des Rennens viel Arbeit übernehmen", konstatierte Denz.

Immerhin hatte er Fahrer wie Rick Zabel (75.) und Marcel Sieberg (86.) hinter sich gelassen und war doch noch ein Stück weit versöhnt: "Ich bin ja jetzt schon recht viele Radrennen gefahren, aber so viele Zuschauer hat es dann doch eher selten. Nicht nur in Stuttgart, sondern überall entlang der Strecke war richtig was los", teilte er nach der finalen Etappe mit. Er freue sich schon auf das nächste Jahr und die "tolle Atmosphäre". Und wer weiß, was die unter dem Strich gut gelaufene Saison noch bringt. Neben diversen Klassikern steht Ende September noch die Weltmeisterschaft an, wie man ihn kennt, wird Denz wieder einiges vorhaben. Bescheidenheit ist eine Tugend, doch er darf sich etwas ausrechnen. Nach der EM in Glasgow, wo er sich gewohnt angriffslustig gezeigt hatte, sagte Denz: "Es sind nicht viele gewesen, die meine Attacke mitgehen konnten."