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23. August 2010
Regio-Tour: Ein Sieger aus dem Nichts
Nationalfahrer Mario Vogt aus Schönaich gewinnt überraschend die 26. Rothaus-Regio-Tour / Jasha Sütterlin aus Breisach bleibt nur der vierte Gesamtrang.
VOGTSBURG. Großer Sport zeitigt nicht selten überraschende Ergebnisse. Nicht der als haushoher Favorit gehandelte Breisacher Jasha Sütterlin durfte sich am Sonntagnachmittag in Vogtsburg als Gesamtsieger der mittlerweile 26. Regio-Tour ins Gewinnerbuch eintragen, sondern sein Kollege aus der deutschen U-19-Nationalmannschaft Mario Vogt. Der Fahrer aus dem schwäbischen Schönaich bei Böblingen hatte auf der vorletzten von sechs Runden über den "Texas-Pass" zwischen Oberbergen und Kiechlinsbergen sowie dem kurzfristig ins sowieso schon schweißtreibende Streckenprofil aufgenommenen "Guller" in den Rebbergen zwischen Kiechlinsbergen und Bischoffingen mit einer Gruppe anderer Fahrer zum bereits dem Feld entwischten Sütterlin aufgeschlossen und eine Konterattacke gestartet. Ein Vorstoß, dem außer dem späteren Tagessieger und Gesamtzweiten Matthias Plarre (Team LV Cottbus/Brandenburg), niemand folgen konnte. Der zweite Platz im Zielsprint reichte Vogt dann zum Tour-Sieg. Gesamtdritter wurde der durch seine angriffslustige Fahrweise aufgefallene Niederländer Derk Abel Beckering – dann erst folgte als Gesamtvierter Sütterlin.
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Vogt, der in diesem Jahr schon zwei Etappen bei der ebenfalls recht anspruchsvollen Tour de Valromey in Frankreich hat gewinnen können, freute sich hinterher wie ein Schneekönig über seinen überraschenden Coup. Geplant sei das so nicht gewesen, sagte er im Ziel, er habe auch Sütterlin bei dessen Heimrennen nicht brüskieren wollen. Nur: "Jasha kam dann nicht mehr nach."
Währenddessen saß der für den RSV Achkarren fahrende Sütterlin wie ein Häufchen Elend bei der Siegerehrung. So richtig freuen mochte er sich auch nicht über den Gewinn des Trikots des gesamtbesten Sprinters der Rothaus-Regio-Tour. Zu gerne hätte der Vize-Weltmeister im Zeitfahren und letztjährige Gesamtdritte im Kaiserstuhl gezeigt, dass er schon in jungen Jahren zu den Besten seines Faches zählt. "Marios Antritt hatte ich nichts mehr entgegenzusetzen", sagte er deprimiert. Vielleicht auch, weil er in den Runden zuvor etwas unvorsichtig mit seinen Kräften umgegangen war. Sütterlins Gelbes Trikot, in das er am Vortag als Tageszweiter bei der Elsass-Etappe in Lutterbach geschlüpft war, leuchtete stets vorne im Feld. Seine Motivation war geradezu unbändig gewesen.
Keine große Rolle mehr spielten im Kaiserstuhl die zuvor hochgehandelten Fahrer aus den USA. Topfavorit Lawson Craddock aus dem texanischen Austin nahm als einziges Requisit das Trikot des besten Bergfahrers mit nach Übersee. Rund acht Minuten büßte Craddock am Sonntag auf Tagessieger Plarre ein – mehr als der 27. Gesamtrang war somit für den Texaner nicht drin. Gesamt-Neunter mit rund zweieinhalb Minuten Rückstand wurde der Belgier Jasper Stuyven, bei der zurückliegenden WM der Junioren im italienischen Offida noch Bronzemedaillengewinner. Respektabler 17. von 81 ins Ziel gekommenen Fahrern wurde der Laufenburger Nico Knab, der im Team des Landesverbandes Baden unterwegs war.
Dass die Etappen-Fahrt im Badischen und im Elsass einmal mehr gut organisiert war, schönen Sport bot und wiederum viele Zuschauer an den Straßenrand lockte, durfte Veranstalter Rudi Renz von vielen Seiten wieder als Kompliment entgegen nehmen. "Viel Besseres gibt es nicht", sagte beispielsweise Wolfgang Ruser, der Sportliche Leiter des deutschen Nationalteams. Alle 18 Mannschaften, so war zu hören, würden auch gerne im kommenden Jahr zur nächsten Auflage nach Südbaden kommen.
Rudi Renz gehen bezüglich einer Neuauflage schon die verschiedensten Dinge durch den Kopf. "Die diesjährige Runde durch den Kaiserstuhl wird es mit mir nicht mehr geben", sagte er am Streckenrand forsch und blickte in fragende Gesichter. Immerhin genießt die Fahrt über den "Texas-Pass" bei den Radlern Kultstatus. Renz will mit den Bürgermeistern der beteiligten Gemeinden schnell an einen Tisch, um die alte Runde über Königschaffhausen und Leiselheim wieder ins Programm zu bekommen. Geld- und organisatorische Fragen hatten dies in diesem Jahr verhindert – der "Guller"-Kompromiss war dann wohl "ein Tick zu schwer". Bestens gefallen hat allen dagegen das Mannschaftszeitfahren am ersten Tag.
Autor: Michael Dörfler


