Simon Stiebjahns furiose Woche

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Mo, 23. Juli 2018

Mountainbike

Berufs-Mountainbiker aus Titisee-Neustadt feiert bei Trans-Alp fünf Etappensiege und wird mit Urs Huber Gesamtzweiter.

MOUNTAINBIKE. Es hat alles gepasst, nur das Ende nach einer furiosen Woche mit 500 Kilometern und 18 000 Höhenmetern nicht. Simon Stiebjahn, Berufsmountainbiker aus dem Neustädter Ortsteil Langenordnach, hat mit seinem Schweizer Partner Urs Huber bei der siebentägigen legendären Bike Transalp überraschend fünf Etappensiege gefeiert und in der Gesamtabrechnung hinter Markus Kaufmann und Jochen Käß Rang zwei belegt. Ein geplatzter Reifen machte auf der letzten Etappe der Transalp alle Hoffnungen auf den Gesamtsieg zunichte.

Es war alles angerichtet für eine spannende Schlussetappe, inklusive einer Rennstrategie für die letzten 60 Kilometer in Oberitalien zwischen Valle del Chiese und Arco am Gardasee. Mit 1:07 Minuten Rückstand auf Markus Kaufmann (Meckenbeuren) und Jochen Käß (Ofterdingen) waren Simon Stiebjahn und Urs Huber zur letzten Etappe gestartet. Zwei lange Anstiege stellten sich in den Weg – und eine lange Abfahrt zum Ziel in Arco.

Der Plan der beiden Bulls-Fahrer sah vor, dass Stiebjahn auf der fünf Kilometer langen Abfahrt nach dem ersten Anstieg zum Passo di Giovo angreifen sollte. Alleine. Mit dem erklärten Ziel, bei Kilometer 35 mit Vorsprung und damit einem psychologischen Vorteil in die sieben Kilometer lange schweißtreibende Kletterpartie zum Bocca di Trat einzusteigen. Urs Huber sollte dann versuchen, mit seinen Kletterqualitäten in diesem Anstieg einen der beiden Konkurrenten des Teams Centurion-Vaude abzuschütteln und zu Stiebjahn aufzuschließen. Dann, so die Hoffnung, sollte der Weg frei sein zum Gesamtsieg.

"Wir haben alles

gegeben und gekämpft

bis zum Schluss."

Simon Stiebjahn, Gesamtzweiter
Der erste Teil des Plans funktionierte. Stiebjahn und Huber rasten mit den Trägern des Gelben Trikots in die Abfahrt. Stiebjahn folgte den beiden Italienerin Johnny Cattaneo und Tony Longo und hatte schon einen Vorsprung von rund 30 Sekunden herausgefahren, als alle Träume platzten. Konkreter: der Hinterreifen am Rad des 28-jährigen Hochschwarzwälders. Damit war der Angriff aufs Gelbe Trikot erledigt. Zumal die Reparatur des geplatzten Pneus mehrere Minuten in Anspruch nahm. Es sei angesichts des prasselnden Regens und der aus dem defekten Reifen quellenden Latex-Milch "alles so glitschig gewesen", berichtete Stiebjahn von dem Malheur. Mit seinem erfahrenen Schweizer Kollegen rollte er am Ende mit 4:14 Minuten Rückstand als Vierter der letzten von sieben Etappen über die Ziellinie in Arco. Vermutlich hätte es auch ohne dieses spezielle Handicap für Stiebjahn und Huber nicht zum Gesamtsieg gereicht, denn Kaufmann und Käß zeigten eine starke Leistung und gewannen am Ende die Etappe mit 1:41 Minuten Vorsprung auf Longo/Cattaneo. Wie es ohne Defekt für Stiebjahn und seinen Schweizer Teamkollegen geelaufen wäre? Das sei Spekulation, so Stiebjahn "und daran beteiligen wir uns nicht".

Schließlich hatten er und Huber am Tag zuvor ja vom Materialpech von Markus Kaufmann profitiert. Dem Deutschen Vizemeister brach am Freitag auf der 79,5 Kilometer langen Klettertour vom Val di Sole nach Valle del Chiese die Steckachse eines Laufrades. Nach einem ersten Schreck gelang es Kaufmann und seinem Partner Jochen Käß aber, zu improvisieren und eine Aufholjagd zu starten, die schließlich mit 50 Sekunden Rückstand auf Tagesrang zwei endete.

Diese 50 Sekunden ließen den Vorsprung auf die Etappensieger Simon Stiebjahn/Urs Huber auf 1:07 Minuten schrumpfen. Zur Erinnerung: Nach ihrem Auftaktsieg, den Stiebjahn/Huber am ersten von sieben wilden Tagen bei der Transalp im Sprint erzwungen hatten, verloren die beiden Bulls-Fahrer gegenüber Kaufmann/Käß am zweiten Tag auf der Königsetappe 3:30 Minuten, weil Stiebjahn eine kleinen Leistungseinbruch erlitten hatte. Von diesem Rückstand knabberten er und Huber bis zum Transalp-Finale am Samstag bei vier weiteren Etappensiegen jeden Tag ein wenig ab. Schlussendlich wurden für die neu zusammengestellte Paarung 5:20 Minuten Rückstand auf Kaufmann/Käß (22:41:23 Stunden) notiert.

Simon Stiebjahn war in Arco aber beileibe nicht unglücklich. "Wir haben alles gegeben, gekämpft bis zum Schluss und es so spannend gemacht wie schon lange nicht mehr bei der Transalp", so der Langenordnacher. "Wir sind glücklich über Platz zwei in der Gesamtwertung und über fünf Etappensiege." Und so überwiegt die Freude nach sieben tollen Tagen im Sattel. Damit war vor dem Start längst nicht zu rechnen, zumal das Duo Stiebjahn/Huber zum ersten Mal gemeinsam unterwegs war und der Hochschwarzwälder nicht zu den Kletterkünstlern zählt. Doch Stiebjahns spezielle Vorbereitung auf das hochalpine Terrain zahlte sich aus.

"Ich glaube, die Paarung hat man nicht zum letzten Mal gesehen. Wir haben super harmoniert und uns blind verstanden", so Stiebjahn mit Blick auf seinen Teampartner. Der Langenordnacher hatte in den vergangenen Jahren bei der Transalp nie auf dem Podest gestanden und jetzt kubelte er gleich fünfmal ganz nach oben. Gesamtdritte (+28:32) der Transalp wurden Uwe Hochenwarter/Gregory Brenes (Österreich/Costa Rica), denen die Beständigkeit fehlte, um mit den beiden Topteams konkurrieren zu können.