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17. Juni 2012 15:57 Uhr
Radrennen
Ultra Bike Marathon: Ohne Gnade für die Wade
Er zählt zu den größten Mountainbike-Rennen Europas: der Black Forest Ultra Bike. Tausende traten vor wunderschöner Kulisse in die Pedale. Zum ersten Mal fand dabei auch die Deutsche Meisterschaft im Mountainbike XC Sprint statt.
Die Premiere ist geglückt. Mit der Ausrichtung der ersten Deutschen Meisterschaften im XC-Sprint (Fotos) haben die Organisatoren vom SV Kirchzarten einmal mehr bewiesen, dass sie auch einer besonderen Herausforderung gewachsen sind. 70 Männer und 17 Frauen waren am Samstagnachmittag dabei, als es galt, zweimal einen Rundkurs zwischen Stadion und Segelfluggelände zu durchfahren. Dabei wurde den knapp 1000 Zuschauern spektakuläre Sprünge und spannende Rennverläufe geboten. "Wir sind überaus zufrieden mit dem Ablauf der ersten Veranstaltung dieser Art. Kirchzarten hat die Latte für künftige Wettbewerbe hoch gehängt" , so das Fazit von Georg Schmitz, Mountainbike-Koordinator beim Bund Deutscher Radfahrer.
Damit das zahlenden Publikum möglichst viel vom Renngeschehen mitbekommt, wurden entlang der Strecke schwenkbare Kameras installiert. Bequem konnten so halsbrecherische Überholmanöver und knappe Zielsprints auf der Großleinwand im Stadion verfolgt werden.
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Über Jubel durfte sich Helen Grobert vom austragenden SV Kirchzarten freuen, die mit ihrem 3. Platz den Sprung aufs Siegertreppchen schaffte. Erste deutsche Meister im XC-Sprint wurden Elisabeth Brandau vom RSC Schönaich und Simon Gegenheimer vom RSV Remchingen.
Mit einem Startschuss in der Fußgängerzone schickte Bürgermeister Andreas Hall am frühen Sonntagmorgen die Teilnehmer der Langstrecken-Wettbewerbe auf die Höhen des Südschwarzwalds (Fotos). Abends zuvor wurde ein für die Sprint-DM gebauter Sprunghügel mit Spaten und Hacke entschärft. Die bauliche Veränderung wurden vorgenommen, um ein etwaiges Unfallrisiko für entkräftete Fahrer auszuschließen.
Zu den Siegern gehörte Matthias Bettinger. Für den Ultra, der "Königsetappe" über 117 Kilometer benötigt der in Breitnau wohnende Spitzenfahrer lediglich etwas mehr als vier Stunden. In die Siegerlisten eintragen konnten sich auch die beiden Kirchzartener "Eigengewächse" Helen Grobert ( Short Track ) und Julian Schelb (Speed Track ). Im Interview mit dem Stadionsprecher lobten etliche Fahrer den guten Zustand der Strecke. Nächtlicher Regen führte offensichtlich zu keiner Beeinträchtigung.
Mit 4729 Startern lag die Anzahl der Teilnehmer nur geringfügig unter der des Vorjahres (50 weniger). "Ein schönes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass im Vorjahr die Feuerwehren und Sportartikelhersteller ihre Meisterschaften ausgetragen haben", so Pressesprecher Thomas Fischer.
Abgesehen von einigen Stürzen mit Hautabschürfungen wurden keine schweren Unfälle gemeldet.
Nach Beobachtungen des Veranstalters hat sich das Zuschauerverhalten grundlegend geändert: "Während in der Vergangenheit vor allem das Sportstadion ein Zuschauermagnet war, konnte man diesmal eine richtige Völkerwanderung zu den Anstiegen beobachten", sagte Thomas Fischer.
Unter den Teilnehmern befanden sich mit Jeanine Weißkirch (28) aus Gelsenkirchen und ihre Freundin Maren Krüger (33) aus Duisburg auch zwei "Mädels aus dem Pott", wie sich sich selbst nannten. "Nicht auf den Schlackenhalden im Ruhrgebiet zu Biken, sondern im Schwarzwald, ist ein tolles Erlebnis", schwärmte Weißkirch, die zum zweiten Mal in Kirchzarten dabei war. Bevor die Beiden am Mittwoch wieder "in den Pott" zurückkehren, wollen sie noch für ein paar Tage in der Region bleiben. "Um den Muskelkater zu kurieren, Freiburg, das schöne Dreisamtal und den Europapark kennenzulernen", sagt Krüger.
Für etliche der 300 Kinder, die am Samstag beim "Schwarzwälder Pactimo-Kids-Cup antraten, war es das erste Mal, unter Wettkampfbedingungen in die Pedale zu treten. "Es macht unheimlich Spaß – und meine Kumpels sind auch dabei", erzählt Cedric Tittel aus Kirchzarten vor seiner ersten Runde im Stadion. Der Achtjährige trainiert einmal wöchentlich in der Bike-Schule des SV Kirchzarten. Damit er in der Kinderklasse mithalten kann, kamen seine Eltern nicht umhin, ihm ein wettkampftaugliches Bike zu kaufen.
"Eine Veranstaltung, die in den gesamten Schwarzwald ausstrahlt", bezeichnete Bürgermeister Andreas Hall am Freitagabend beim Empfang der Gemeinde Kirchzarten die zweitägige Großveranstaltung mit über 5000 Teilnehmern. Unter den knapp 100 Gästen befand sich auch Mike Kluge, der 1997 den ersten Ultra Bike gewann. Das extra aus Berlin angereiste Radsport-Idol würdigte die Bemühungen des örtlichen Sportvereins um den Nachwuchs. Kluge bot sich an, beim Konflikt um die Bike-Arena vermittelnd einzugreifen. Auf die stetig wachsende mediale und kommerzielle Bedeutung der noch jungen Sportart wies Georg Schmitz vom Bund Deutscher Radfahrer hin.
Autor: Andreas Peikert



