Der Nichtmittelpunktmensch

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Mi, 16. Mai 2018

Regio-Fußball

Drei Jahrzehnte Schiedsrichter: Walter Osswald aus Malsburg steht Woche für Woche auf dem Platz – nun wurde er geehrt.

FUSSBALL. Seit 30 Jahren ist Walter Osswald Schiedsrichter auf den Fußballplätzen der Region. Aus dem Schiedsrichterwesen Südbadens ist der 65-Jährige nicht wegzudenken. Ein Tausendsassa, der nicht viel Aufhebens um seine Person macht.

Manchmal können nur Wortneuschöpfungen einen Menschen treffend charakterisieren. "Er ist ein Nichtmittelpunktmensch", sagt der ehemalige Kanderner Bundesliga-Schiedsrichter Ralf Brombacher über seinen Kollegen Walter Osswald. Jüngst ist dieser vom Südbadischen Fußballverband für seine jahrelange Schiedsrichter-Tätigkeit geehrt worden. Anfang Mai hatte ihn der Deutsche Fußball-Bund als Dank zum Bundesligaspiel Dortmund gegen Mainz geladen – kleine Gesten als großes Dankeschön. Über 30 Spielzeiten hat Osswald mittlerweile auf dem Buckel. Mehr als 2 000 Spiele hat er geleitet und begleitet. In Südbaden ist er bekannt wie ein bunter Hund.

"Mehr als zwei Rote Karten pro Saison waren es nie."

"Er hat seine Person nie in den Mittelpunkt gestellt, auch auf dem Fußball-Platz", schwärmt Schiedsrichter-Obmann Brombacher, der in vielerlei Hinsicht ein Osswald-Experte ist. Unzählige Spiele haben sie gemeinsam geleitet, einst wurden beide von ihren Vorstandsvorsitzenden zur Schiedsrichterei verpflichtet und pfeifen auch 30 Jahre später noch. Beide schauen auf eine lange Karriere hinter der Pfeife zurück: "Wir haben tolle Spiele zusammen gepfiffen", findet Brombacher.

Man kann Osswald nicht nachsagen, er sei unbeliebt. Egal, wen man fragt, Lobhudelei aller Orten. "Er ist ein geselliger, lustiger und engagierter Mensch", findet Steffen Fante vom Verbandsschiedsrichter-Ausschuss. Ruhe und Gelassenheit sind die Attribute, die für gewöhnlich mit dem Malsburger verbunden werden. "Er hat immer wenige Karten gebraucht, um seine Spiele zu leiten", erinnert sich Fante. Eine natürliche Autorität. Immer mit lockerem Spruch. Stets im Hintergrund. "Mehr als zwei Rote Karten pro Saison waren es nie", versichert der Vielgelobte.

Den kleinen Trubel um seine Person zuletzt kann der 65-Jährige nicht nachvollziehen. Man solle bloß nicht zu positiv über ihn berichten, wiederholt er fortlaufend, "ich habe ja auch meine Fehler". Nach unzähligen Anekdoten und Episoden ist vor allem eines klar: Brombachers Charakterisierung trifft den Kern.

Osswald ist durch und durch eine Frohnatur, die in sich ruht. "Ich erinnere mich lieber an die positiven Erfahrungen", sagt er und hebt gemeinsame Abende der Hochrheiner Schiedsrichter-Riege nach den Spielen hervor. "Da ging es oft bis weit in die Nacht. Das sind die Geschichten die hängenbleiben." Lehrwart, Assistent, Ausbilder, Linienrichter, Spielleiter – Osswald hat fast jeden Schiedsrichter-Job gemacht, er pfiff jahrelang Landesliga und führte zahlreiche Nachwuchs-Neutrale durch ihre Lehrjahre. "Wir könnten nicht auf ihn verzichten", sagt Fante.

Man kann Osswald daher ebenso wenig nachsagen, er würde es als frischpensionierter Rentner gemächlicher angehen lassen. In Malsburg-Marzell sitzt der ehemalige leitende Angestellte unterschiedlicher Ingenieursbetriebe seit mehr als zehn Jahren im Gemeinderat, beim Männer-Gesangsverein Vogelbach-Malsburg ist er seit 30 Jahren im Vorstand, für den Südbadischen Fußball-Verband ist er auch nach mehreren Handvoll Jahren noch Verbandsbeobachter. Dabei gäbe es genug Gründe, die Füße hochzulegen. Über zehn Jahre leitete Osswald in unterschiedlichen Gespannen Spiele in Südbadens höchster Spielklasse, fünf Jahre pfiff er als Linienrichter in der Frauen-Bundesliga. Dass er also wenig zum Kaffee-Plausch für die Zeitung hat, passt daher ins Bild. "Ich muss gleich zum Weidebau." Auch da ist Osswald in leitender Funktion tätig. Gruppenführer. Wie könnte es anders sein.

Bis zur Kreisliga A pfeift Osswald noch, er weiß, er wird gebraucht, Nachwuchssorgen hat nicht zuletzt die Schiedsrichter-Gilde. 25 Spiele im Jahr betreut er selbst. Zusätzlich beobachtet er bis zu 20 Nachwuchs-Referees pro Spielzeit. "Er hat unglaublich viele neue Schiedsrichter in ihren Job eingeführt", lobt Brombacher den alten Weggefährten. "Das war ihm immer ein Anliegen", ergänzt Fante, der selbst einst durch Osswalds Lehre ging.

Auch kommende Saison wird Walter Osswald weiter machen. Über 20 Spiele, den 3 000 Partien kommt er immer näher. Ein großes Jubiläum. Der Nichtmittelpunktmensch wird kein Aufsehen darum machen.