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14. Oktober 2011
Der SV Weil in Zeiten abnehmenden Erfolgs
Der SV Weil hockt vor dem Heimspiel in der Fußball-Verbandsliga gegen Tabellenführer SV Oberachern sportlich in der Krise.
FUSSBALL. Welkes Laub irrt säuselnd über die Plätze im Nonnenholz. Unterm grauen Himmel sind die Temperaturen mit dem einbrechenden Herbst ziemlich abgerutscht. Auch der SV Weil scheint sich in diesen Tagen im freien Fall zu befinden. Vier Niederlagen in Folge haben den Vizemeister des Vorjahres in der Fußball-Verbandsliga auf den möglichen Abstiegsplatz 13 zurückgeworfen – und nun kommt ausgerechnet der Tabellenführer SV Oberachern. Drei Gründe für die Weiler Krise vor dem Heimspiel am Samstag:
Reaktion statt AktionWie ungezügelte Wildpferde schickte Trainer Maximilian Heidenreich die Weiler Fußballer im Vorjahr zuweilen auf den Platz. 73 Tore bedeuteten Saisonrekord. Der SV Weil beeindruckte über weite Strecken durch attraktives Offensivspiel, hemmungslos torhungrig, doch hinten zuweilen scheunentorgroß offen. Diesen Makel suchte der neue Trainer Marco Schneider mit Viererkette und Tannenbaum-Aufstellung (4-3-2) zu beheben.
Von der Dreiersechs im Mittelfeld ist Schneider inzwischen abgerückt, doch die Anfälligkeit für Gegentore ist trotz defensiverer Grundausrichtung geblieben. Nur der Tabellenletzte 1. SV Mörsch (30) und der FC Bötzingen (24) haben nach zehn Spielen mehr Treffer kassiert als der SV Weil (23), dessen Angriff nicht auf Touren kommt (15 Tore). Die Wildpferde sind ungewollt gebändigt worden.
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Jeder Systemwechsel benötigt Zeit. Doch die Entwicklung der vergangenen Wochen zeigt eher abwärts, weshalb Zweifel aufkommen, ob der neue Stil überhaupt zu diesem Kader passt. Im Vorjahr suchte der SV Weil seine Gegner spielerisch zu dominieren, in diesem Jahr kommen aus der vermeintlich kompakteren Grundordnung zu wenig eigene Impulse. Es wird zu häufig reagiert, zu selten agiert. "Wenn man eine Mannschaft mit Offensivqualitäten hat, muss man sie auch so spielen lassen", klagte ein Weiler Spieler am Samstag nach der 1:2-Niederlage beim SV Linx. Vielleicht würgt Schneiders Verrammelungstaktik jenen Spieltrieb, den mancher Akteur gerne mehr ausleben möchte, zu sehr ab.
Kopfproblem
Mit zunehmender Erfolglosigkeit macht Marco Schneider verstärkt "ein mentales Problem" bei seinen Spielern aus. Die Angst vor dem nächsten Fehler verführt zu Alibipässen und rustikalen Befreiungsschlägen, sie bremst den Spielfluss und hemmt im Spiel Eins-gegen-Eins – auch vor dem gegnerischen Tor. Doch der ständige Verweis auf das mangelnde Selbstvertrauen verschlimmert das Problem nur – und löst als selbst erfüllende Prophezeiung den nächsten Fehltritt aus.
Die Spieler stark zu reden, ihr Ego zu pflegen und aufzubauen, gehört zu den großen und nur schwer erlernbaren "soft skills", den sozialen Kompetenzen eines Trainers. Schneiders Vorgänger Maximilian Heidenreich spielte seine Erfahrung als gestandener Bundesligaspieler in die Karten. Zuweilen hingen die Spieler an seinen Lippen und sogen begierlich jene Wahrheiten auf, die er in seinen 15 Profijahren so angesammelt hatte. Sicher verbarg sich auch die eine oder andere Plattitüde dahinter, doch der Glaube an das hohe Wort hängt auch von der Glaubwürdigkeit und dem Charisma der Person ab, die einen zum "besten Angreifer oder schnellsten Spieler der Liga" hochjazzt.
Personalmisere
Schneider fehlte zum Saisonstart nicht nur die Zeit, sein neues System ausreichend vorzubereiten. Er muss bis heute ständig wechselnde Formationen aufbieten, da immer wieder Leistungsträger ausfielen. Davon betroffen ist vor allem der Bereich Abwehr/Mittelfeld, der im Sommer durch den Weggang von Christian Ophoven und Maximilian Uhlenberg bereits geschwächt wurde. Die Verletztenmisere katapultierte Thorsten Riessle, Florian Emmerich, Eike Elsasser, Fabian Kluge, Sandro Olveira, Thomas Fuhrler, Friedrich Braun und Angreifer Daniel Schäuble zum Teil langfristig aus dem Kader. Die Urlaube von Kassem-Saad und Sascha Bächle waren nicht gerade glücklich gelegt. Inzwischen sind Stefan Dede und Timo Schaffhauser aus beruflichen Gründen nicht mehr dabei. Bis zuletzt setzte Schneider stark auf beide.
Autor: Matthias Kaufhold
