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14. November 2008

"Erste Barriere überwinden"

BZ-Interview mit Stefan Kalischnigg, Stürmer – und Gründer eines Netzwerks für Fußballer.

FUSSBALL. Er stürmte für den SC Freiburg, Bahlinger SC, FC Emmendingen und den Freiburger FC. Seit Januar 2008 ist der gebürtige Schutterwälder Stefan Kalischnigg Kapitän beim Landesliga-Tabellenführer FV Schutterwald. Aber nicht nur das: Zusammen mit Lebensgefährtin Sandra Mika und dem befreundeten Ehepaar Katharina und Attila Horn hatte er die Idee, das Internet für unkomplizierte Kontakte zwischen Vereinen und wechselwilligen Spielern zu nutzen. BZ-Redakteur Claus Zimmermann sprach mit dem 26-jährigen Justizvollzugsbeamten.

BZ: Als Sie den FC Emmendingen 2007 nach dem Abstieg aus der Oberliga verlassen haben, war die Rede von abfälligen Äußerungen über den Verein und Vereinsschädigendem Verhalten. Was war geschehen?
Kalischnigg: Auf diese Zeit, geprägt von Missverständnissen beider Seiten, blicke ich mit gemischten Gefühlen zurück. Es waren drei sehr schöne Jahre beim FC Emmendingen. Highlights sind natürlich der Aufstieg in die Oberliga und der darauf folgende, knappe Klassenerhalt gewesen. Das waren bis heute meine größten sportlichen Erfolge, und darauf blickt man natürlich immer gerne zurück. Beim Pokalspiel, bei welchem ich erst kürzlich mit dem FV Schutterwald im Elzstadion zu Gast war, wurde ich sehr freundlich empfangen. Und so kann ich mit diesem Kapitel getrost abschließen.

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BZ: Als Sie nach einer für Sie persönlich erfolgreichen Saison in Emmendingen zum Freiburger FC kamen, waren die Erwartungen hoch – aber dann war von Ihnen nicht mehr viel zu hören. Wie kam es?
Kalischnigg: Ich hatte immer wieder mit leicht auftretenden Blessuren zu kämpfen, die mich ständig zurückwarfen. Entscheidend war aber, dass ich zu dieser Zeit als Selbstständiger keinen sicheren Arbeitsplatz hatte. Nach der Zusage auf eine Bewerbung bei der Justizvollzugsanstalt Offenburg war für mich klar, dass dieses spielerische Niveau und der damit zusammenhängende Aufwand mit meiner neuen beruflichen Herausforderung nicht mehr zu vereinbaren waren. Ich musste schlicht und ergreifend kürzer treten und landete wieder bei meinem Heimatverein, dem FV Schutterwald.
BZ: Unter der Adresse http://www.ascomo.de haben Sie ein Netzwerk für Amateur-Fußballer eingerichtet. Dort können Spieler, Trainer, Physiotherapeuten oder Schiedsrichter Daten eingeben – und Vereine können nach möglichen Ergänzungen für ihre Teams Ausschau halten. Wie wird diese Kontaktbörse inzwischen genutzt?
Kalischnigg: Ascomo.de hat im Bereich Offenburg bereits reges Interesse geweckt. Seit unserem Start im April können wir auf eine sehr positive Entwicklung zurückblicken. Gerade jetzt, da es wieder auf die nächste Wechselperiode zugeht, haben wir täglich einige Neuanmeldungen zu verzeichnen, woraus wir wiederum schließen können, dass Bedarf an einem derartigen Angebot besteht. Auch Studenten, die aus anderen Bundesländern kommen, nutzen ascomo.de als ersten Kontakt zu den hiesigen Vereinen.
Nun wollen wir dem Bezirk Freiburg ebenfalls die Möglichkeit geben, unser Netzwerk für sich zu nutzen.
BZ: Wie sieht’s mit dem Datenschutz aus?
Kalischnigg: In der Hinsicht kann man uns mit den Netzwerken à la studiVZ oder lokalisten.de vergleichen. Der sensible und verantwortungsvolle Umgang mit personenbezogenen Daten aller Nutzer ist für ascomo ein Anliegen von äußerster Wichtigkeit. Sämtliche datenschutzrechtliche Gesetze und Bestimmungen werden genauestens befolgt. Unsere hinterlegten Datenschutzbestimmungen informieren darüber, wie Schutz und Sicherheit aller Daten gewährleistet werden.
BZ: Wie finanziert sich das Projekt, verdienen Sie daran?
Kalischnigg: Ascomo.de ist ein völlig eigenfinanziertes Projekt, dass aus einem gemütlichen Abend unter fußballbegeisterten Freunden entstanden ist. Die Idee ist mit der Zeit immer konkreter geworden, was für uns finanziell, sowie zeitlich eine echte Herausforderung war. Wir verdienen daran rein gar nichts, es ist eher so, dass wir jeden Cent und jede freie Minute in die Optimierung der Plattform stecken. Es noch einiges zu tun, einiges ist auch schon in der Mache, allerdings sind uns in finanzieller Hinsicht oft die Hände gebunden. Eine solche Plattform lebt durch ihre Mitglieder, und je mehr Charaktere aktiv mitwirken, desto mehr profitiert der Einzelne davon. Um jedoch Mitglieder gewinnen zu können, muss viel Werbung gemacht werden, für welche wir kaum finanzielle Mittel aufbringen können. Die Plattform ist für ihre Nutzer völlig kostenfrei und wird dies auch bleiben. Daher sind wir auch immer wieder auf Hilfe wie Kooperationen oder Spenden an Werbematerialien angewiesen.
BZ: Wenn ein Verein etwa einen unter 23-jährigen Linksverteidiger sucht, kann er vermutlich auf Ihrer Seite fündig werden – aber persönlichen Daten sagen ja nicht unbedingt viel darüber aus, ob das Leistungsvermögen des Spielers auch dem Bedarf eines Vereins entspricht . . .
Kalischnigg: Das ist richtig, doch wenn wir mal ehrlich sind, investiert doch heutzutage kaum noch ein Verein die Zeit für die Spielerbeobachtung auf den verschiedenen Plätzen. Da ist es doch ein Kleines, im weit verbreiteten Internet ein Profil zu erstellen und abzuwarten was passiert, oder gar selbst aktiv zu werden. Wir sehen ascomo.de als Hilfsmittel, die Barriere des ersten Kontaktes zu überwinden. Viele Vereine wissen doch gar nicht mehr, welche Spieler überhaupt Wechselabsichten haben und so wird vielleicht auch der ein oder andere passende Trainer oder Spieler gar nicht erst angesprochen. Bei uns kann dies ganz anonym ablaufen. Hier sieht man auf einen Blick, welche der eingetragenen User wechselwillig sind, oder welche Vereine offene Positionen zu vergeben haben. Den ersten Erfolg konnte ich gleich mit meinem neuen Verein verzeichnen, indem wir vom FV Schutterwald zwei wechselwillige Spieler anschrieben, die sich dann im Probetraining bewiesen haben. Auf normalem Weg hätten wir sehr wahrscheinlich nicht einmal von der Wechselbereitschaft dieser heutigen Stammspieler erfahren.
BZ: Vom eigenen Leistungsvermögen scheinen Sie derzeit auf der Höhe zu sein. Spielen sie in der kommenden Saison – mit Schutterwald – wieder in der Verbandsliga?
Kalischnigg: Wir wollen unter den ersten Acht kommen, was die Qualifikation für den Südbadischen Vereinspokal bedeutet. Es ist aber nicht zu leugnen, dass wir im Moment auf einem sehr hohen Niveau Fußball spielen. Allerdings kann von einem Aufstieg in die Verbandsliga noch lange nicht die Rede sein, da es sehr schwierig wird, diesen Erfolgskurs bis zum Ende der Saison durchzuhalten. Ob ein "Dorfverein" wie der FVS, finanziell als auch spielerisch, der Verbandsliga gewachsen wäre, ist zudem fraglich.
BZ: Ihre letzten Vereine im Bezirk Freiburg, der FCE und der FFC haben es in der laufenden Runde nicht leicht. Verfolgen sie deren Entwicklung?
Kalischnigg: Durch die Zeit, die ich mit meiner Ausbildung, auch im Schichtdienst, verbringe, und die Wochenenden, die ich im Verein tätig bin, verfolge ich die Verbandsliga leider nicht mehr so genau. Ich denke aber, dass sie im Gesamten etwas stärker geworden ist. Der FCE befindet sich im Umbruch. Viele Leistungsträger haben den Verein verlassen, viele junge Spieler sind hinzugekommen, dies braucht Zeit zur Integration. Es wäre aber zu hoffen, dass sich die Mannschaft bald findet und somit noch den Klassenerhalt schafft. Beim FFC bin ich hingegen schon etwas überrascht, da er im Besitz einer personell guten Mannschaft ist. Er hatte zwar auch einige Abgänge zu beklagen, aber im großen und ganzen sind erfahrene und junge, talentierte Spieler dem Verein erhalten geblieben. Daher rechne ich damit, dass die Rückrunde für die nötigen Punkte sorgen wird.

Autor: bz