Geschärfte Sinne und frische Akkus

uwo, zok

Von Uwe Rogowski & Matthias Konzok

Di, 12. Februar 2019

Regio-Fußball

Mit Elan und Neuzugängen sind die fünf Hochrheinteams im überbezirklichen Fußball in die Vorbereitung gestartet.

FUSSBALL (uwo/zok). Die Vorbereitungszeit im Fußballsommer ist relativ kurz, weitaus mehr Zeit steht im Winter zur Verfügung. Nach mehreren Wochen Freizeit heißt es für die Kicker wieder: Kondition bolzen, Schwachstellen beseitigen, Neuzugänge integrieren. Die Lage bei den Verbands- und Landesligisten aus dem Bezirk im Überblick.

FV Lörrach-Brombach
Seine Verbandsligatauglichkeit hat der FV Lörrach-Brombach schon in seinem ersten Jahr nachgewiesen. Platz vier genügt völlig als Expertise. Und auch im zweiten Jahr nach dem Aufstieg zählt der Club ligaweit nicht zu den Teams, auf die sich die Konkurrenz freut. Spielfreudig, homogen, gut organisiert klingt nicht nach leichter Beute. Das Problem ist allerdings, dass der FVLB sich mit schlafmützigen Aktionen in der Defensive recht regelmäßig selbst ein Bein gestellt hat, was sich in der Tabelle mit dem Sturz von Platz vier (sechster Spieltag) auf zwölf niedergeschlagen hat. Allerdings ist Trainer Enzo Minardi mit Blick auf die defensiven Makel optimistisch. Seit dem 28. Januar läuft die Vorbereitung, und "wir arbeiten intensiv dran", so Minardi, der Zuwachs für die Abwehr bekam. Roberto Billeci werde den FVLB nach Ende dieser Saison verlassen, doch nach Rückkehr von seiner Weltreise wird er trotz Studiums in Pforzheim in der Frühjahrsrunde im Lörracher Kader stehen und "hoffentlich fast alle Spiele machen", so Minardi. Billeci ist ein Spieler der Marke "Turm in der Schlacht", eine dieser robusten Abwehr-Kanten, die man lieber im eigenen Team hat. Eine verlässliche Größe. Dann hofft Minardi, dass der vorerst noch verletzte Neuzugang Leon Riede ("Er ist gelernter Innenverteidiger") mit Billeci ein stabiles Duo bildet, auch habe der junge Kevin Meier einen Schritt gemacht. "Er ist robuster geworden, hat mehr Ruhe am Ball und spielerische Fortschritte gemacht." Wo der Zug bei den weiteren Neuzugängen hingeht, ob Erste oder Bezirksligakader, werde sich zeigen. Zumindest Angelo Di Palma (FC Tiengen) müsse noch "konditionell zulegen".

Zugänge: Leon Riede (19, Abwehr, SV Weil), Maxime Barudio (24, Mittelfeld, SC Wyhl), Angelo Di Palma (28, FC Tiengen), Patrik Kierzek (28, beide Sturm, Olympia Basel). Abgänge: Joshua Kopp (19, SV Herten).

SV Weil
Fast ein wenig verblassen die ersten sechs Monate dieser Landesliga-Spielzeit beim Blick auf die Tabelle: Zwei Punkte auf Platz zwei und deren vier auf Rang drei klingen kaum angemessen für die bis dato gelungene Runde des SV Weil: Als gefühlter Dominator trat der Tabellenführer auf. Doch nur vier Punkte aus den letzten drei Spielen 2018 haben Eindruck und Bilanz getrübt, was Perseus Knab, der sportliche Leiter, nicht nur negativ bewertet. "Das ist irgendwie auch ganz gut so", die Sinne seien wieder etwas geschärft worden. Die Testspielergebnisse waren noch nicht prickelnd, doch die Vorbereitung läuft noch nicht lang. Ungeachtet dessen gehen die Weiler die Frühjahrsrunde als Favorit an (Start: 9. März gegen Emmendingen), und auch um diesen Status zu halten, und womöglich tatsächlich nach fünf Jahren in die Verbandsliga zurückkehren zu können, haben die Weiler ihren Kader etwas aufgepeppt. Die vollzogene Rückkehr Igor Dodiks ist zwar auch eine Reaktion auf die Verletzung von Julien Theobald (20), in der bisherigen Runde hat Theobald fast alle Spiele absolviert (17). Zudem ist Sandro Kellers zeitnahe Entwicklung nach langer Pause (Unfall) ungewiss, Dodik könnte also einspringen müssen. Mit Sidi Tindano (FVLB II) wurde aber ein vielversprechendes Talent dazugeholt, der 19-Jährige hat einige Verbandsligaminuten und erweitert die Offensiv-Optionen von Trainer Tobias Bächle. "Ich hatte gehört, dass er mit einem Wechsel liebäugelt, da habe ich bei ihm angefragt und er hat sich schnell für uns entschieden", sagt Knab. Tindano hat in den Jugendligen große Effizienz gezeigt, 2017/18 war er mit 22 Treffern Torschützenkönig der U-19-Verbandsliga. Dazu kam Alexander Schneider (19, NK Pajde Möhlin) und nur Leon Riede wurde abgegeben. 24, 25 Spieler umfasst der Kader, das sollte reichen, um auch für Unwägbarkeiten gewappnet zu sein. Und um das Mannschaftsgefühl weiter zu stärken geht es in vier Tagen für ein Team-Wochenende in den Schwarzwald.

Zugänge: Igor Dodik (31, Tor, Olympia Basel), Sidi Tindano (19, Sturm, FV Lörrach-Brombach II), Alexander Schneider (19, Mittelfeld, NK Pajde Möhlin), Abgänge: Leon Riede (19, FV Lörrach-Brombach).

VfR Bad Bellingen
Die Premierensaison in der Landesliga verläuft für den VfR Bad Bellingen recht erfolgreich, doch könnte der Vorsprung auf die Abstiegszone (ein Punkt) größer sein. Gegen Jahresende schwächelte der Tabellenelfte, der Akku war leer, "wichtig war, dass die Jungs wieder den Kopf freibekommen", so Sportchef Stephan Hoßlin. Ihre (konditionellen) Hausaufgaben hätten die Spieler gemacht, am 28. Januar war Trainingsauftakt, nun werde "im taktischen Bereich gefeilt". Vier Neuzugänge sollen dem Kader mehr Tiefe verleihen, Yannick Müller und Nicolas Zimmermann die Defensive stabilisieren. Leitwolf Christian Ophoven allerdings könne berufsbedingt nur noch "eher selten" für den VfR auflaufen. Die torreichen Tests gegen Amicitia Riehen (5:3) und TuS Kleines Wiesental (3:4) sieht Hoßlin gelassen, schließlich "wurde einiges ausprobiert".

Zugänge: Maximilian Ernst (20, FC Auggen II), Codrut-Stefan Lirca (30, beide Mittelfeld, SV Sulzburg), Yannick Müller (25, FV Lörrach- Brombach II), Nicolas Zimmermann (27, beide Abwehr, FC Kandern). Abgänge: keine.

FSV Rheinfelden
Einmal nicht in den Abstiegskampf verwickelt zu sein, dieses Ziel musste der FSV Rheinfelden frühzeitig abhaken. Selbst die Hoffnung, nicht auf einem Abstiegsplatz zu überwintern, erfüllte sich für den Landesligisten nicht. Immerhin: Der FSV (13.) hält Anschluss an das Tabellenmittelfeld. Personell gab es keine gravierenden Veränderungen. Prominenter Rückkehrer: Giuseppe Catanzaro (SV 08 Laufenburg). Doch ist der verletzungsanfällige Stürmer fit für die Landesliga, wo er 2014/15 einst 19 Treffer erzielte? In den Testspielen blieben die Rheinfelder gegen die Bezirksligisten FC Wittlingen (2:3) und SV Herten (2:2) zwar ohne Sieg, dafür verspricht eine jeweils üppig besetzte Bank – gegen Wittlingen waren es neun Spieler – einen im Optimalfall leistungsfördernden Konkurrenzkampf.

Zugänge: Michael Aselborn (20, SV Weil II), Giuseppe Catanzaro (30, beide Sturm, SV 08 Laufenburg). Abgänge: Ciro Di Feo (23), Simon Kleiner (26, beide Abwehr/SV Herten).

FC Tiengen
Oliver Neff erlebt als Coach des Landesliga-Vorletzten ein Déja-vu: Wie im Januar und im Sommer 2018 steht der FC Tiengen erneut vor der Aufgabe, "eine neue Mannschaft zu formen". Die Fluktuation bei vier Neuzugängen und sieben Abgänge ist enorm, "wir sind weiter dünn besetzt", sagt Neff. Am 29. Januar war Trainingsauftakt, der erste Test gegen den Bezirksligisten TuS Bonndorf "verlief holprig" und musste witterungsbedingt in Hälfte zwei (0:4) abgebrochen werden.

Zugänge: Nagip Bujupi (Sturm, SV Lottstetten), Sascha Guarino (FC Dietikon/CH), Max Le (18, SG Weilheim U 19), Romeo Schilling (17, alle Mittelfeld, eigene Jugend). Abgänge: Vassilios Dimitriadis, Alberto Di Girolamo (28, beide Mittelfeld, beide VfB Waldshut), Angelo Di Palma (28, Sturm, FV Lörrach-Brombach), Albin Hashani (24), Cristian Parrino (25, beide Mittelfeld, beide SV Rheintal), Diego Melis (29, Abwehr, Italien), Harun Zengin (Sturm, FC Erzingen).