Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. April 2013

Hass statt Integration

SV Nollingen will seine Fußballmannschaft bei neuerlichen verbalen Attacken vom Feld nehmen.

  1. Keeper Dany Quintero sieht sich Rassismus ausgesetzt. Foto: schön

FUSSBALL. Der SV Nollingen erneuert den Vorwurf von fremdenfeindlichem Verhalten gegenüber seinem Torwart Dany Quintero (die BZ berichtete) und will den Südbadischen Fußballverband auffordern, verstärkt Maßnahmen zum Schutz ausländischer Spielern zu treffen. "Da wird immer viel von Integration durch Sportvereine geredet", sagt der Nollinger Abteilungsleiter Konrad Enz. "Doch was teilweise auf den Fußballplätzen abgeht, ist unterste Schublade." Der beschuldigte FC Grießen verwahrte sich gegen rassistische Ausfälle auf seinem Platz und sieht sich als Opfer einer konzertierten Kampagne.

Nach dem 1:1-Unentschieden im Kellerduell der Bezirksliga Hochrhein beim FC Grießen war das Maß des Erträglichen für Konrad Enz überschritten: "Ich habe bis jetzt meine Klappe gehalten", sagt der Nollinger Fußballchef, doch nun könne er nicht mehr schweigen. Schon länger sei sein Schlussmann Dany Quintero Ziel verbaler Attacken bei Auswärtsspielen, teilweise sei das nach Abpfiff ein Spießrutenlaufen für die Spieler, so Enz. In Grießen, einem Teilort der Gemeinde Klettgau, sei es am Sonntag ganz schlimm gewesen.

Werbung


"Beleidigungen übelster Art" habe sein kubanischer Keeper während der 90 Minuten von Zuschauern ertragen müssen. "Und das von Leuten, die weit über 40 sind und sich Fans schimpfen", sagt Enz. Der gastgebende Verein habe nichts dagegen unternommen. "Wenn das anderswo so noch einmal vorkommt, werde ich meine Mannschaft vom Platz nehmen", kündigt der SVN-Verantwortliche an.

Roland Bluhm, Vorsitzender des FC Grießen, will von den Ausfällen nichts mitbekommen haben. "Wörter, die sonst auf jedem Sportplatz fallen", habe er vernommen, mehr nicht. Es habe keine Auseinandersetzungen oder Tumulte gegeben, kein Nollinger Verantwortlicher habe sich nachher bei ihm beschwert.

Der Nollinger Torhüter habe ständig das Spiel verzögert und jeden Schiedsrichterpfiff kommentiert. Für Bluhm ist klar: "Der Torwart hat 90 Minuten lang nur provoziert." Nach dem Spiel habe sich ein Nollinger Feldspieler bei einem Grießener Akteur für unfaires Verhalten auf dem Platz sogar mit folgenden Worten entschuldigt: "Tut mir leid, wir probieren im Abstiegskampf halt alles."

Auch Bluhm weiß, dass Schiedsrichter Mesut Güres (Höchenschwand) in seinem Bericht die Beleidigungen gegenüber Quintero explizit aufgeführt hat ("schwarze S..."). Doch er sieht seinen Verein schon seit längerem diskreditiert: "Schiedsrichter, Funktionäre, alle sind gegen den FC Grießen."

Für Ralf Brombacher (Kandern), den Obmann der Schiedsrichter-Vereinigung Hochrhein, sind weniger rassistische Entgleisungen das Problem als vielmehr ein allgemeiner Verfall der Sitten: "Auf dem Fußballplatz gibt es keinen Respekt mehr untereinander." Zuschauer lassen gegenüber polarisierenden Personen wie Schiedsrichtern oder bekannten Spielern schnell alle Hemmungen fallen.

Autor: Matthias Kaufhold