Justizfall

Kreisliga-Fußballer steht nach Foulspiel vor Gericht

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Do, 19. März 2015 um 10:50 Uhr

Regio-Fußball

Nach einem rüden Foul muss sich ein Kreisliga-Fußballer vor dem Jugendgericht Freiburg verantworten. Durch die Attacke erlitt sein Gegenspieler einen Knöchelbruch. Die rechtliche Handhabe ist nicht einfach. In Südbaden sind nur wenige Fälle bekannt.

Fußball ist ein kampfbetonter Sport, das wissen auch die beteiligten Kicker. Ebenso um das Risiko, dass Zweikämpfe zu Verletzungen führen können. Nur selten folgt auf ein Foulspiel ein Nachspiel vor einem ordentlichen Gericht. Am Mittwoch musste sich aber deswegen ein Amateurfußballer vor dem Jugendgericht Freiburg verantworten. Nun hat er Schmerzensgeld an seinen Kontrahenten zu zahlen.

Ein halbes Jahr liegt der Vorfall zurück. Am 19. Oktober 2014 war in der Kreisliga-A-Partie zwischen dem SV Hochdorf und den SF Winden rund eine halbe Stunde gespielt, als ein Hochdorfer Angreifer seinen Gegenspieler foulte. Durch die Attacke erlitt der Windener einen Bruch des Außenknöchels.

Mehrere Tage verbrachte er im Krankenhaus, wurde operiert, absolvierte Reha-Maßnahmen. Im Herbst 2015 wird eine zweite Operation folgen, dann soll die Metallplatte aus seinem Fuß entfernt werden. Mehrere Wochen war der Geschädigte, der seinen Beruf im Stehen ausübt, krankgeschrieben.

Attacke hatte nicht dem Ball gegolten

Zwei Tage nach dem Foul hatte der Windener Anzeige gegen seinen Gegenspieler erstattet. Da dieser noch keine 21 Jahre alt ist, kam der Fall nun vor das Jugendgericht. Der Vorwurf: vorsätzliche Körperverletzung. Während der Angeklagte zunächst keine Angaben zu dem Vorfall machen wollte, kamen vier Zeugen zu Wort. Die Schilderungen dreier Windener Spieler, darunter der Geschädigte, sowie eines Schiedsrichter-Beobachters hatten den gleichen Tenor: Die Attacke konnte nicht dem Ball, der bereits abgespielt worden sei, gegolten haben, sondern nur dem Mann.

Noch bevor Zeugen aus Hochdorf gehört wurden, schlug die Staatsanwaltschaft vor: Gegen ein Schmerzensgeld solle das Verfahren eingestellt werden. Nach kurzer Beratung stimmte die Verteidigung zu. Der Angeklagte, der sich in einer Ausbildung befindet, muss seinem Gegenspieler insgesamt 1000 Euro in mehreren Raten zahlen.

In den vergangenen Jahren gab es im südbadischen Fußball nur wenige Fälle, bei denen ein Foulspiel ein ordentliches Gerichtsverfahren zur Folge hatte. "Typischerweise sind diese nicht durch Zweikämpfe entstanden", sagt Rechtsanwalt Roland Beckert, der als Sportrichter im Fußballbezirk Freiburg tätig ist. Eher haben handfeste Auseinandersetzungen abseits des Spielgeschehens ein juristisches Nachspiel.

Anders war es bei drei Verfahren in Südbaden

2001 wurde ein Akteur aus Freiburg freigesprochen, nachdem sein Gegenspieler bei einer Attacke verletzt worden war. Fünf Jahre später standen sich zwei Kreisliga-Fußballer in der Ortenau vor Gericht gegenüber, der Prozess endete mit einem Vergleich, aber ohne Schuldeingeständnis. 2010 musste ein Landesliga-Spieler für Folgekosten eines rüden Fouls aufkommen, nachdem er den Angriff seinem Gegenspieler kurz zuvor angekündigt haben soll.

Auch im deutschen Profi-Bereich haben Fußballer bisher nur selten eine Klage angestrebt. 1987 einigten sich die Nationalspieler Karl Allgöwer (VfB Stuttgart) und Bodo Illgner (1. FC Köln) außergerichtlich. 2012 zog Matias Concha (VfL Bochum) gegen Macchambes Younga-Mouhani (Union Berlin) vor Gericht. Der Prozess endete mit einem Freispruch für Younga-Mouhani.

Aufsehen erregte zuletzt im November 2014 ein Foulspiel in der Schweiz: Sandro Wieser vom FC Aarau fügte seinem Gegenspieler Gilles Yapi acht verschiedene Verletzungen zu. Der Nationalspieler aus Liechtenstein wurde für sechs Spiele gesperrt. Zudem zeigte der FC Zürich, Yapis Klub, den Übeltäter an. Ob ein Verfahren eröffnet wird, ist noch nicht entschieden.

Weitere Konsequenzen sind möglich

Die rechtliche Handhabe bei Verletzungen durch Fouls ist nicht einfach, weil bei Teilnahmen an einem sportlichen Wettkampf von einer Einwilligung ausgegangen wird (siehe unten). "Der Sportplatz ist aber kein rechtsfreier Raum", schränkt der Jurist und Fußball-Bezirksvorsitzende Arno Heger ein.

So drohen dem Fußballer aus Hochdorf möglicherweise weitere Konsequenzen. Offen ist, ob er nun auch zivilrechtlich belangt wird. Unter anderem könnte die Krankenkasse ihre Ansprüche gegenüber dem Angeklagten geltend machen.
Körperverletzung im Sport

Auch bei der Teilnahme an einem sportlichen Wettkampf kommt durch ein Foul eine Strafbarkeit in Betracht. Allerdings führt nicht jedes Foul mit Verletzungsfolge zu einer Strafbarkeit. "Die Rechtsprechung geht davon aus, dass ein Sportler bereits durch die Teilnahme an dem Wettkampf in leicht fahrlässige, unter Regelverstoß herbeigeführte Körperverletzungen einwilligt", erläutert der Emmendinger Jurist Philipp Rinklin. Von der Einwilligung aber nicht umfasst werden solche Verletzungen, die grob fahrlässig oder sogar vorsätzlich durch ein Foul verursacht werden. Dies kann dann zu einer Strafbarkeit führen.