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17. Oktober 2011
Mitleid selbst vom Gästetrainer
Trotz einer 1:0-Pausenführung unterliegt Fußball-Verbandsligist SV Weil dem Tabellenführer SV Oberachern mit 1:3 Toren.
FUSSBALL. Thomas Leberer brachte den Satz nicht mehr zu Ende, doch Marco Schneider verstand sicher, was sein Trainerkollege vom SV Oberachern ihm zuraunte: "Tut mir echt leid, Marco", sagte Leberer bei der Begrüßung zur Pressekonferenz, "aber wenn du unten drin stehst, ...." – scheint sich die Fußballwelt gegen dich verschworen zu haben, möchte man nach der 1:3 (1:0)-Heimniederlage des Verbandsligisten SV Weil ergänzen. Lange Zeit sah es im Nonnenholz nach dem ersten Punktgewinn für die Gastgeber nach vier aufeinander folgenden Misserfolgen aus.
In der ersten Halbzeit stimmte gegen den Tabellenführer nicht nur die kämpferische Komponente; im Gegensatz zur jüngsten Niederlage beim SV Linx (1:2) konnten die Weiler ihre Chancenvorteile auch zu einer Pausenführung nutzen: Abgeklärt verwandelte Fabio Bibbo einen Foulelfmeter, nachdem der Oberacherner Sinan Gülsoy seinen Fuß zwischen die Beine von Imad Kassem-Saad gestellt hatte (12.). Selbst SVO-Coach Leberer zweifelte die Entscheidung nicht an: "Der Elfmeter war berechtigt."Fortan schien dieser Tag für die erfolgsentwöhnten Gastgeber zu laufen: Die aufstrebenden Ortenauer, vor sechs Jahren noch in der Kreisliga A, fanden in der ersten Halbzeit nur einmal den Weg durch die sattelfeste Weiler Abwehr, doch Eimen Kelbi verzog aus spitzem Winkel (33.). Auf der anderen Seite setzte Guido Perrone den Ball zweimal aus guter Position am hinteren Pfosten vorbei (38., 44.).
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Dass die Blau-Weißen am Ende wieder mit leeren Händen dastanden, hatte maßgeblich mit dem Schiedsrichter zu tun: Peter Nußbaum verhängte zunächst einen fragwürdigen Strafstoß für die Gäste, als Tobias Meister nach Körperkontakt mit Sandro Olveira zu Fall kam (55.). "Ich dachte erst, der pfeift Ecke", sagte Olveira hinterher mit Unschuldsmiene. Zwölf Minuten später wurde der Weiler Mittelfeldspieler erneut Opfer von Nußbaums kleinlicher Regelauslegung: Obwohl er im Zweikampf mit Meister einen Sekundenbruchteil zu spät kam, vermied Olveira ein hartes Einsteigen und blieb mit beiden Beinen gegen den zu Fall kommenden Meister stehen. Der Unparteiische aus Neuried bei Offenburg zückte jedoch in aller Seelenruhe Gelb-Rot. "Der Schiedsrichter hat das Spiel klar in eine bestimme Richtung beeinflusst", stellte Trainer Schneider fest. Schon in der ersten Hälfte habe er "gefühlte 20 Fouls für Oberachern" gepfiffen. Auf der anderen Seite ging Nußbaum indes über einen Ellbogencheck von Janosch Bologna gegen Martin Braun geflissentlich hinweg.
Den fälligen Strafstoß verwandelte Mathieu Krebs zum 1:1-Ausgleich (55.). Olveiras Platzverweis raubte den Weilern in Unterzahl dann sämtliche Reaktionsmöglichkeiten. Zumal das laufintensive Spiel von Schneider viel Kraft kostet. "Wenn man am Anfang so viel investiert und Gas gibt, merkt man das", sagte Olveira.
Dennoch benötigte der Favorit, der über das simple Strickmuster "hoch und weit" lange Zeit nicht hinaus kam, einen individuellen Fehler des SVW zur Führung: Der herauseilende Keeper Michael Walz bekam eine der unzähligen Flanken und Freistöße einmal nicht zu fassen, und Stefan Kalischnigg drückte den Ball zum 2:1 für den SVO über die Linie (70.). "Pleiten, Pech und Pannen – bei uns kannst du einen Film drehen in dieser Saison", sagte der Weiler Kapitän Fabian Kluge zutiefst enttäuscht.
Impulse von der Bank setzten in diesem Spiel nur die Gäste: Das Kontertor zum 3:1-Endstand (91.) resultierte aus einer Kombination der Einwechselspieler Kalischnigg und Janosch Bologna. Das Ergebnis täuscht darüber hinweg, dass sich zwei Mannschaften "auf Augenhöhe" begegneten, wie Schneider richtig anmerkte. Der Wille, aus dem Schlamassel herauszukommen, war den Weilern am Samstag nicht abzusprechen. Doch lange darf der Vorjahreszweite, der nun auf Tabellenplatz 14 gesunken ist, nicht mehr im Trüben fischen. Wird die Abwärtsspirale auch am kommenden Sonntag beim Tabellenletzten 1. SV Mörsch nicht gestoppt, sind personelle Konsequenzen im Nonnenholz nicht mehr auszuschließen.
In den Hintergrund trat das Verbandsligadebüt des Weiler A-Jugendlichen Fabian Schmidt, der als Außenverteidiger freilich nicht ganz so unbekümmert auftrat, wie ihn Schneider in der Trainingswoche zuvor erlebt hatte. Leichte Hoffnung gibt es bei Daniel Schäuble und Thomas Fuhrler: Der Verdacht der Hüftarthrose bestätigte sich bei Schäuble durch die jüngste Diagnose nicht, Fuhrler will seine Schmerzen im lädierten Knie mit einer Trainingspause in den Griff bekommen. Beide könnten in zwei Wochen vielleicht wieder das Training aufnehmen.
Autor: Matthias Kaufhold
