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09. September 2011

Simon Roemgens vom SV Weil: Wanderer zwischen Fußballwelten

Simon Roemgens, Neuzugang beim SV Weil, hat in der Jugend etlicher Fußball-Bundesligisten so seine Erfahrungen gemacht.

  1. Vom Niederrhein nach Südbaden: Simon Roemgens Foto: matthias kaufhold

FUSSBALL. Vielleicht ist er manchmal den Weg des geringsten Widerstands gegangen. Vielleicht hätte er hier und da etwas mehr die Ärmel aufkrempeln können. Sicher ist nur, dass Simon Roemgens seine Vergangenheit als Profi-Hoffnung diverser Fußball-Bundesligisten nicht missen will. "Es war eine supertolle Zeit mit vielen ergreifenden Momenten", sagt rückblickend der defensive Mittelfeldspieler, der seit Juli den Verbandsligisten SV Weil verstärkt.

Dass der Vizemeister, der am Samstag im Nonnenholz den FC Bötzingen erwartet, bereits die elfte Station für den 23-jährigen Niederrheiner ist, könnte ihn in das Licht eines schwer vermittelbaren Eigenbrötlers rücken. "Doch ich war nicht der Rebell, der überall rausgeflogen ist", stellt Roemgens klar. Vielmehr habe jeder Verein seine eigene kleine Geschichte.

Von seinem Heimatverein KSV Kevelaer ging’s zunächst zum KFC Uerdingen. Doch der frühere UEFA-Cup-Teilnehmer ging insolvent, für ambitionierte Jugendarbeit war kein Geld mehr da. Also lockte der FC Schalke 04, doch der tägliche Weg von Kevelaer nach Gelsenkirchen war zu weit. Nach Mönchengladbach konnte ihn sein Vater mitnehmen. Bei den Fohlen erlebte Roemgens als B-Jugendlicher seine beste Zeit. Indes gab es da auf seiner Position im zentralen Mittelfeld einen, der besser war: Eugen Polanski, Kapitän der Jugend-Nationalmannschaft und heute tragende Figur im Mittelfeld beim FSV Mainz 05. "Dem konnte damals keiner das Wasser reichen", sagt Roemgens.

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Mit 16 Jahren kehrte das Talent dem Elternhaus in Kevelaer den Rücken und zog ins Internat des 1. FC Kaiserslautern – vielleicht die einzige Entscheidung, die Roemgens heute wirklich bereut. Mit dem damaligen Trainer kam er überhaupt nicht klar. "Wenn du nicht so spielst, wie er das haben will, wirst du schnell fallen gelassen", stellte er fest. Er verlor diesen ballzentrierten Tunnelblick und bekam Motivationsprobleme. "Ich habe neben dem Fußball andere Dinge entdeckt." Konkreter wird er an dieser Stelle nicht.

Auch der 1. FC Saarbrücken, zu dem er im zweiten A-Jugendjahr wechselte, war keine wirkliche Alternative. Im Saarland wurde morgens trainiert, doch zu dieser Zeit war Roemgens in der Schule gefordert. Im Lauterer Internat wollte er unbedingt das Abitur ablegen. "Fußballerisch habe ich hier im Grunde genommen ein Auszeitjahr genommen", präzisiert er.

Der Traum vom Bundesligaprofi endet in Kaiserslautern

Von einem, der auszog, ein Fußballprofi zu werden, ist die Geschichte an dieser Stelle beendet. "Lautern war der Knackpunkt", sagt Roemgens. Er glaubt, dass die Komponente Glück den Karriereweg maßgeblich beeinflusst: "Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und einen Trainer haben, der auf dich setzt." Er verweist auf seinen früheren Zimmerkollegen Benjamin Kessel, der nun beim Zweitligisten Eintracht Braunschweig spielt. Und auf einen damals unauffälligen A-Jugendlichen, der für alle überraschend vom damaligen FCK-Trainer Milan Sasic einen Profivertrag erhielt. "Er trug eben auch ein ’-ic’ am Namensende", erklärt Roemgens augenzwinkernd.

Nach einem Kurzintermezzo beim TuS Hohenecken kehrte der frisch gebackene Abiturient in seine Heimat zurück und spielte fortan für diverse Klubs in der Niederrheinliga (vergleichbar Verbandsliga) und NRW-Liga (Oberliga). Mit dem 1. FC Bocholt stieg er ab, der 1. FC Kleve ging pleite. Da traf es sich gut, dass er nach beendetem Wirtschaftsstudium in Venlo von einer ortsansässigen Firma, für die er seine Bachelor-Arbeit erstellt hatte, eine Stelle als Controller in der Niederlassung Lörrach-Haagen angeboten bekam. Roemgens packte mit seiner Freundin die Koffer, zog nach Tüllingen – und klopfte beim SV Weil an.

Die Verbandsliga in Südbaden stuft er etwas schwächer als am Niederrhein ein, das bedinge schon das Gefälle zwischen der hohen Vereinsdichte im Ballungsraum Rhein-Ruhr und den im Vergleich eher überschaubaren Strukturen im Südwesten. "Die Liga hier scheint jedoch homogener, es gibt nach oben und unten keine Ausreißer", schätzt Roemgens.

Für die Weiler Startprobleme unter dem neuen Trainer Marco Schneider hat er eine ziemlich einleuchtende Erklärung: "Wenn du vorher mit einem anderen System Erfolg hattest, denkst du vielleicht insgeheim: ’Warum soll ich jetzt was anders machen?’". Doch die Bereitschaft zum Umdenken ist für den Erfolg von Schneiders Arbeit unerlässlich. In der Vorbereitung fehlte die Zeit, die Abläufe zu automatisieren, auch bedingt durch Urlaub und einen großen Kader, in dem jeder mal seine Chance bekommen soll.

Roemgens fühlt sich wohl im Wiesental – und auch beim SV Weil. "Ich bin super aufgenommen worden, in der Mannschaft gibt es keine Stinkstiefel." Sein Vertrag gilt unbefristet, sowohl bei den Blau-Weißen, als auch bei seinem Arbeitgeber. Schlägt er nun hier unten tatsächlich Wurzeln? "Im Moment gibt es nichts, was dagegen spräche."

Kompakt: Der FC Bötzingen sei wesentlich stärker einzuschätzen, als es Tabellenplatz 13 aussagt, warnt der Weiler Trainer Marco Schneider. Seine Mannschaft sei aber trotz der unglücklichen 0:1-Niederlage beim FC Singen auf dem richtigen Weg. Philipp Wengenmayr verabschiedet sich in den Urlaub, dafür kehren Fabio Muto und Timo Schaffhauser zurück. Fabian Kluge wollte am Donnerstag wieder ins geregelte Training einsteigen, vielleicht sei nächste Woche mit Florian Emmerich zu rechnen.





WECHSELSPIEL

Elf Fußballvereine in zehn Jahren – die Stationen von Simon Roemgens:

1) KSV Kevelaer (bis D-Jugend)

2) KFC Uerdingen (C-Jugend 1. Jahr)

3) Schalke 04 (C-Jugend Anfang 2. Jahr)

4) Borussia M’gladbach (C-, B-Jugend)

5) 1. FC K’lautern (1. Jahr A-Jugend)

6) 1. FC Saarbrücken (2. Jahr A-Jugend)

7) TuS Hohenecken (Aktive Bezirksliga)

8) 1. FC Bocholt (VL Niederrhein)

9) SV Straelen (VL Niederrhein)

10) 1. FC Kleve (NRW-Liga/ Oberliga)

11) SV Weil (Verbandsliga Südbaden)  

Autor: mat

Autor: Matthias Kaufhold