Training beim großen Vorbild

Jutta Geiger

Von Jutta Geiger

Mi, 05. September 2018

Auggen

Verbandsligaspieler Idrissa Khan aus Gambia trainiert die D2 des FC Auggen / Training macht Spaß, ist aber auch anstrengend.

AUGGEN. Der FC Auggen ist im Markgräflerland der einzige Verein, der in der Verbandsliga und somit höherklassig spielt. Der Zulauf ist im Jugendbereich enorm. Besonderes Glück hat die Auggener D2, die seit dem Saisonbeginn im Juli von Idrissa Khan trainiert wird. Seit der Saison 2016/17 ist der Mittelfeldspieler aus Gambia eine feste Größe im Auggener Kader, absolvierte in der vergangenen Saison 28 Spiele.

Es ist ein Freitagabend in den Sommerferien. Auf dem Kunstrasenplatz baut Khan den Trainingsparcours auf, während seine Schützlinge sich warmlaufen. Der 25-Jährige, der Fan von Bayern München ist und ein Trikot trägt, auf dem hinten "Kroos" steht, spricht sehr gut Deutsch. Er hat sich zum Ziel gesetzt, mit seinen Jungs die Meisterschaft zu gewinnen. Er habe ein positives Gefühl, dass er mit ihnen etwas erreichen könne, meint der Gambier. Sie seien körperlich zwar noch nicht so stark, aber mit viel Ausdauertraining könne sich das bessern. "Die Jungs haben alle Bock auf Training", freut sich Idrissa, von den Jungs kurz Idri genannt. "Und wir haben viel Spaß zusammen."

15 Jungs gehören der D2 an, jetzt während der Ferien sind weniger da. Hoch konzentriert verfolgen die Nachwuchskicker, was ihr Trainer ihnen vormacht. Leichtfüßig tänzelt der Afrikaner mit dem Ball zwischen den Hütchen hindurch, passt nach vorne, läuft wieder durch die Hütchen, nimmt den Ball auf der anderen Seite wieder an. "Oh, das ist schwierig!", entfährt es Jacob, doch alle versuchen, es ihrem Vorbild nachzumachen, auch wenn es bei ihnen noch ziemlich stolprig und unbeholfen aussieht. "Halt!", ruft der Trainer, erklärt noch einmal, wie sich die Jungs bewegen sollen, zeigt,wie ein anständiger Pass aussieht und wie man den Ball annimmt, ohne dass er wegspringt: "Und nicht rumstehen, sondern immer in Bewegung bleiben. Jetzt weiter." Die Elf- und Zwölfjährigen versuchen es erneut, es klappt schon besser. Ideen für das Training holt sich der engagierte Afrikaner aus Büchern oder aus dem Internet. Sogar einen Trainer-Kurs hat er extra absolviert. Doch wie kam er zu seinem Posten bei der D2? Wie in allen Vereinen, so sind auch beim FCA Trainer Mangelware. Der bisherige D2-Coach, Andreas Sütterlin, sollte die C2 übernehmen, und suchte daher nach Ersatz für seine bisherigen Schützlinge. Da sein Sohn Jannik ein großer Fan von Idrissa Khan ist und die ganze Familie sowieso bei jedem Verbandsligaspiel unter den Zuschauern ist, sprachen sie ihn gezielt an. Khan sah sich daraufhin die Jungs bei mehreren Spielen an, und sagte schließlich zu. Und wie finden die Jugendlichen ihren neuen Trainer? "Das Training von Idri macht sehr viel Spaß, aber es ist auch anstrengend", gibt Jannik Auskunft. Apropos anstrengend: "In der ersten Woche kamen die Jungs nach Hause und sind ohne Abendessen sofort im Bett verschwunden, so fertig waren sie", berichtet eine Mutter lachend.

Seit 2015 ist Idrissa Khan in Deutschland, spielte zuvor bei den Sportfreunden Hügelheim, wollte aber gerne höherklassig spielen. Der SV Solvay in Freiburg zeigte Interesse an dem talentierten Afrikaner, das war aber für ihn zu weit zu fahren. Er suchte etwas Näheres und wechselte nach Auggen. Ist die Verbandsliga für ihn attraktiver? "Diese Liga ist ganz ok, aber ich würde gerne mindestens Oberliga spielen", verrät der sympathische junge Mann, der in Afrika in der ersten Liga spielte und sogar zur Jugendnationalmannschaft gehörte. Für ihn selbst hat der Ligabetrieb bereits wieder begonnen, derzeit trainiert er selbst viermal die Woche, hinzu kommt das Training mit den Jungs, dann die Spiele am Wochenende. Der Jugendleiter versprach, es so einzurichten, dass die Spiele der D2 nicht mit den Verbandsligaspielen auf denselben Tag fallen, denn der Aktionsradius der Verbandsliga Südbaden reicht bis an den Bodensee, im Norden bis nach Kuppenheim, was jeweils mehrstündige Fahrten zum Spielort mit sich bringt. Zwar hat Khan einen Co-Trainer, der kommt jedoch nur alle 14 Tage. Zum Training fährt der Gambier mit Bus und Zug, denn er wohnt in Badenweiler. Arbeitet er tagsüber? "Derzeit leider nicht", bedauert er. Sein Vertrag bei einem Schreiner ist ausgelaufen. Er sucht jedoch neue Arbeit als Schreiner oder Fußbodenleger, denn das hat er in Afrika nach der Schule gelernt.