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18. November 2011

Will keiner aufsteigen?

Die allumfassende Ausgeglichenheit in der Fußball-Landesliga lässt für die Rückrunde alles offen.

  1. Nur schemenhaft zeichnen sich in der Landesliga Titelanwärter ab – und das am Ende der Hinrunde. Foto: seeger

FUSSBALL.Wie es scheint, haben sich die Fußball-Landesligisten in dieser Saison auf ein seltsames Versteckspiel eingelassen. Keine Mannschaft wagt sich so recht aus der Deckung. Auch einen Spieltag vor dem Ende der Hinrunde ist kein echter Titelkandidat auszumachen. Zwischen Platz eins und zehn liegen gerade einmal sechs Punkte, im Durchschnitt wechselt alle zwei Spieltage der Tabellenführer. Fast gewinnt man den Eindruck, in diesem Jahr will gar keiner aufsteigen.

"Doch, doch, natürlich würden wir nicht nein sagen", entgegnet Karsten Bickel, Trainer des aktuellen Spitzenreiters SV Munzingen. Obwohl der Freiburger Vorortverein mit sechs ersten Plätzen in diesem Jahr am häufigsten vorne stand, bemängelt Bickel fehlende Konstanz: "Wir müssen Woche für Woche an unsere Leistungsgrenze gehen. In einer Liga, in der jeder jeden schlagen kann, verlierst du dann halt mal." Richtig schlecht habe seine Elf aber nur bei der 1:4-Niederlage beim TV Köndringen ausgesehen.

Im vergangenen Jahr eilte der SV Endingen frühzeitig voraus und sicherte sich mit insgesamt vier Saisonniederlagen vorzeitig den Titel. Diese Negativbilanz haben in der laufenden Spielzeit sämtliche Landesligisten – mit Ausnahme der Remiskönige SF Elzach/Yach auf Platz neun (acht Unentschieden, zwei Niederlagen) – schon vor Abschluss der Hinrunde erreicht. Für Thomas Hodel, den Vorsitzenden des Tabellenvierten FC Teningen, ist das ein Beleg, "dass das Niveau oben doch ein wenig abfällt". Trainer Simon Ehret vom Zweiten SC Wyhl erkennt hinter der Ausgeglichenheit indes spielerische Fortschritte: "Sehr viele Teams, die im Vorjahr im unteren Tabellendrittel standen, haben sich gezielt verstärkt."

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Wahrscheinlich sorgen beide Entwicklungen für jenen tabellarischen Ballungseffekt, dem Ehret nur Gutes abgewinnen kann: "Für die Liga gibt’s nichts Besseres, so bleibt’s interessant und vielleicht spannend bis zum Schluss." Dass die Wyhler nach dem sechsten Platz im ersten Landesligajahr drauf und dran sind, weiter nach oben zu klettern, hebe sie aber nicht in den Stand eines Aufstiegsanwärters, stellt der Trainer klar: "Die Zielsetzung Verbandsliga ist im Verein kein Thema", so Ehret. Auch Bickel hat in Munzingen "intern nicht die Vorgabe aufzusteigen".

Gerangel bis ins Mittelfeld: Sechs Punkte zwischen Platz eins und zehn

Etwas anders ist die Lage beim FC Teningen. Seit einigen Jahren gilt der aktuelle südbadische Pokalsieger als Meisterschaftskandidat, doch genauso oft geriet der FCT in der Rückrunde aus dem Tritt. "Wir wollen am Ende der Runde eigentlich nicht sagen, es hat wieder nicht gereicht", verdeutlicht Vorsitzender Hodel. Deshalb kann der bisherige Saisonverlauf die Verantwortlichen nicht überzeugen. Ein Trainerwechsel (Michele Pasquarelli für Claus Kraskovic) wurde bereits vollzogen, die Stabilität fehlt indes weiterhin. Seit drei Spielen sind die Teninger, die am Samstag den Freiburger FC erwarten, ohne Sieg. Da Pasquarelli weiterhin als Spieler vorgesehen ist, will der Klub für das Frühjahr einen neuen Trainer präsentieren, bestätigt Hodel.

Weil sich die Vereine in der Tabelle auf den Füßen treten, gibt es auch für den vor Saisonbeginn stark gewetteten Freiburger FC noch Möglichkeiten. Nach einigen unerwarteten Rückschlägen findet sich die junge Mannschaft derzeit mit fünf Punkten Rückstand auf Rang sieben wieder. Doch nicht nur für Bickel und Ehret gilt der FFC neben Teningen weiter als heißer Kandidat für den Titel.

Die Tradition der starken Aufsteiger aus dem Bezirk Freiburg setzen in diesem Jahr der FC Auggen (Dritter) und die Spvgg. Untermünstertal (Achter) fort. Vor allem der Auggener Höhenflug war nicht unbedingt zu erwarten, nachdem sich in Mustafa Yarayan ein ehemaliger türkischer Profi und Jugendnationalspieler bereits nach drei Spieltagen aus privaten und beruflichen Gründen zurückgezogen hatte. "Als Stratege auf dem Feld ist er ein herber Verlust", räumt Trainer Enzo Minardi ein. "Doch die Mannschaft hat relativ schnell kapiert, dass sie ohne ihn auskommen muss und kann."

Sollten die Auggener am Sonntag das Spitzenspiel im Markgräflerland gegen den SC Wyhl gewinnen, "können wir die Konkurrenz vielleicht mit der Herbstmeisterschaft ärgern", spekuliert Minardi. Das ursprüngliche Saisonziel Klassenerhalt will er so schnell aber nicht revidieren. Zu viel Erfolg ist dem Auggener Vorstand nicht geheuer. "Sie haben mir schon angedroht, wenn ich noch mal aufsteige, werde ich entlassen", sagt Minardo. Und schmunzelt.

WECHSELSPIEL AN DER SPITZE

Durchschnittlich jeden zweiten Spieltag wechselte der Tabellenführer in der Staffel II der Fußball-Landesliga:

SV Munzingen (sechsmal vorne)

SC Wyhl (dreimal)

FC Teningen (zweimal)

FC Auggen (zweimal)

FC Zell (einmal)  

Autor: mat

Autor: Matthias Kaufhold