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29. November 2011
"Im Frühjahr ist alles möglich"
Hoffnungsvolles Trio: Löffingen überwintert auf Rang drei, der TuS Bonndorf ist Sechster, Hinterzarten lauert auf dem achten Platz.
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Nach schwachem Start auf dem Weg nach oben: Trainer Torsten Willmann und der SV Hinterzarten Foto: Patrick Seeger
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Lukus Bernhart (oben), hier im Zweikampf mit dem Löffinger Peter Beha, war die große Entdeckung im Team des TuS Bonndorf. Der Stürmer erzielte zehn Treffer. Foto: seeger
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Hoch zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft: Löffingens Trainer Jürgen Feuerstein Foto: PATRICK SEEGER
FUSSBALL-BEZIRKSLIGA. 13 Bezirksliga-Vereine sind zwischen Donauquell und der Spätzlegrenze zu Hause. Doch drei von Teamgeist beflügelte Klubs aus dem Hochschwarzwald haben mit dieser vermeintlichen Übermacht kein Problem. Statt die ungleichen Kräfteverhältnisse zu fürchten, kicken sie beherzt – und lehren ihre Gegner das Fürchten. Mit soliden Leistungen und Leidenschaft. Als Tabellendritter verabschiedeten sich die Löffinger Fußballer mit einem 2:1-Erfolg in die bis zum 17. März dauernde Winterpause, Sechster sind die Bonndorfer nach 18 Spieltagen – und auf Rang acht gibt es beim SV Hinterzarten trotz der vermeidbaren 2:3-Heimniederlage im letzten Spiel des Jahres Grund zur Zufriedenheit.
Jürgen Feuerstein ist kein Mann, dem euphorische Äußerungen leicht über die Lippen kommen. Zurückhaltend analysiert der Trainer des FC Löffingen die vergangenen 18 Partien. Vokabeln wie "sensationell" oder "herausragend" vermeidet er, weil er seine Spieler nicht unter Druck setzen will. Die Leistungen der Rothosen waren in den vergangenen Monaten gleichwohl bemerkenswert. Seit dem achten Spieltag verteidigen die Löffinger den dritten Tabellenplatz und das, so Feuerstein, "spricht eindeutig für meine Mannschaft, die bis zum Schluss ihre Leistung gebracht hat". Die Löffinger profitierten nicht zuletzt von einem breit aufgestellten Kader. Bittere Momente blieben dennoch nicht aus. Am vierten Spieltag zog sich FCL-Torhüter Domenik Osek, der als neuer großer Rückhalt vom Landesligisten DJK Donaueschingen gekommen war, bei einem Zusammenprall mit einem Riedböhringer Stürmer einen Jochbeinbruch zu und musste mit dem Hubschrauber in die Klinik geflogen werden. Kaum bei Bewusstsein, war der Keeper schon wieder zu Späßen aufgelegt. Was für ein Kerl. Und was für ein Vorbild.Werbung
In der Frühjahrsrunde wird Osek wieder zwischen den Pfosten des FCL-Tores erwartet – zu einem spannenden Wettstreit. Denn Jonas Keller (19), der in der vergangenen Saison noch bei den Löffinger A-Junioren spielte, wuchs als Ersatzmann mit den Aufgaben. "Wir haben ihn ins kalte Wasser geschmissen und er hat uns einige Punkte gerettet", lobt Trainer Feuerstein den jungen Schlussmann. Dass Keller auch Fehler machte, war nur logisch. Patzer die schmerzten, boten allerdings auch seine Teamkollegen: in Tennenbronn gingen die Löffinger mit 1:7-Toren unter, im Heimspiel gegen Kappel hieß es 0:4. Herbe Niederlagen, gewiss, doch Feuerstein stellte sich im Feuer der Kritik vor sein Team. "Junge Spieler produzieren halt auch mal Aussetzer."
Statt nach einem 0:3-Rückstand den Schaden in Grenzen zu halten, hätten seine Spieler wiederholt munter drauflos gestürmt – um ausgekontert zu werden. Fehler, aus denen die Mannschaft ihre Lehren gezogen habe, so Feuerstein. Zusammengewachsen sei das Team in den vergangenen Monaten, "die Kameradschaft ist einfach super". Und auch jene, die vielleicht nicht für die Startelf berücksichtigt wurden, gönnten ihren Teamkollegen den Erfolg. "Keiner ist sauer, wenn er nicht aufgestellt wird", berichtet Feuerstein von Charakterstärke. In der Winterpause wird der lange verletzte Johannes Kaufmann ins Team zurückkehren. Nach einer mehrwöchigen Auszeit ("die Spieler sind jetzt einfach müde") sollen sich die Rothosen bei ein, zwei Hallenturnieren mit schnellem Kurzpassspiel wieder an die Ballarbeit gewöhnen. Noch rangieren Spitzenreiter Tennenbronn und das U-23-Team des FC Villingen vor den Rothosen. Doch beide Mannschaften zeigten jüngst vor allem auswärts Schwächen. Der Titel sei längst noch nicht vergeben, glaubt der Löffinger Trainer. "Im Frühjahr ist alles möglich", sagt Feuerstein, "wir müssen nur von Spiel zu Spiel denken".
Die Trauer über den Abstieg wirkte beim TuS Bonndorf nach drei Jahren in der Landesliga länger nach, als es dem neuen Trainer Wolfgang Kalinasch lieb war. "Wir haben sieben, acht Spiele gebraucht, um in der Bezirksliga anzukommen." Viel zu lange habe sich sein Team in Schönspielerei versucht, "statt einfach mal kompromisslos den Ball ins Aus zu schlagen". Und so fand sich der TuS zu Saisonbeginn ungewohnt tief unten wieder. Doch Kalinasch ("ich bin kein Lautsprecher") wurde nicht müde, einfachen, schnörkelfreien Fußball einzufordern – und fand endlich doch Gehör. Die vergangenen Wochen waren ermutigend, mit dem hochverdienten 4:1-Sieg in Pfaffenweiler gelang am vergangenen Sonntag ein perfekter Jahresabschluss. Gleichwohl trauert Kalinasch fünf Punkten nach, die seine Mannschaft zu Saisonbeginn verschenkte. Rang sechs sei dennoch ein Erfolg, aber mit der Titelentscheidung werde sein Team in der Frühjahrsrunde nichts zu tun haben. "Um das zu schaffen, müssten wir alle Spiele gewinnen."
Die große Entdeckung beim TuS war Niklas Bernhart. Der gerade dem A-Jugendalter entwachsene Stürmer erzielte zehn Treffer und wurde gemeinsam mit Manndecker Uwe Intlekofer, der den Sprung aus der Reserve in die erste Mannschaft schaffte, zu einer der großen Stützen. In der Abwehr war Nurhan Ardiclik nach Ende seiner Sperre mit Augenmaß und ausgebufftem Stellungsspiel als verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz nicht zu ersetzen. "Ich bin froh, dass ich so einen Mann wie Nurhan an meiner Seite habe", lobt Kalinasch seinen Co-Trainer.
Torsten Willmann, Trainer des SV Hinterzarten, gibt gern die Richtung vor. Bestimmt, manchmal kompromisslos. Doch er setzt auch auf Mitbestimmung. Zu Saisonbeginn, als sein Team gebeutelt von einer Verletzungsserie und ohne etliche in Urlaub weilende Leistungsträger vier Wochen lang kaum konkurrenzfähig war, musste er durch ein Tal der Enttäuschung. Doch dann verheilten die Blessuren und weil irgendwann auch mal die längsten Ferien vorbei sind, gewann das Team Kontur. Und plötzlich, nach vielen kleinen Schritten, die sich zu einem großen Sprung summierten, war er da, der Erfolg. Beharrlich kletterten die Hinterzartener nach oben und offenbarten dabei ihre Vorliebe für englische Wochen. Zweimal gewann die Willmann-Elf binnen acht Tagen jeweils neun Punkte. Dass mit der 2:3-Heimniederlage gegen Dauchingen das letzte Heimspiel des Jahres verloren ging, schmälert den guten Gesamteindruck kaum. Mit neun Siegen und 28 Punkten überwintern die Hinterzartener auf Rang acht. Garanten des Erfolgs waren die beiden Mundinger-Brüder und Clemens Fuhlbom sowie der nach einem Jahr Verletzungspause ins Team zurückgekehrte Benjamin Fehrenbach. Aber eigentlich will Trainer Willmann niemanden herausheben. "Alle haben mitgezogen und an den Erfolg geglaubt." Der soll in der Frühjahrsrunde ausgebaut werden, denn aus Rang acht kann durchaus noch Platz vier werden, wenn der Gedankenaustausch funktioniert.
"Von meinen Spielern kommen jetzt immer wieder neue Ideen", freut sich Willmann.
Autor: Johannes Bachmann


